Darum gehts
- Aung San Suu Kyi bleibt in Myanmar unter Hausarrest
- Junta verspottet sie auf Geburtstagstorte als «Tante Suu»
- Haftstrafe noch 27 Jahre, Freilassung erst lange nach ihrem 100. Geburtstag
Sie ist Ikone, Legende, für viele das Symbol schlechthin für Widerstand und Demokratie: Myanmars Friedensnobelpreisträgerin Aung San Suu Kyi (81) sitzt seit dem Militärputsch vom Februar 2021 wieder in den Fängen der Generäle.
Jahrelang gab es kein Lebenszeichen von ihr. Nach einem Bild Ende April hat die Junta nun Fotos veröffentlicht, die sie bei einem Treffen mit einem Gesandten des Roten Kreuzes zeigen – zusammen mit Bildern von ihrem 81. Geburtstag im Juni, offenbar aufgenommen während ihres Hausarrests.
Spott für Landesheldin
Dabei wird die in Myanmar hochverehrte Suu Kyi geradezu verspottet. Die mit Erdrutschsiegen gewählte frühere Regierungschefin des Landes wird auf einer Geburtstagstorte als «Aunty Suu» bezeichnet, als «Tante Suu». Im Land nennen sie viele gewöhnlich Daw Suu Kyi; «Daw» ist ein respektvoller Ehrentitel in Myanmar. Das Volk verehrt die Tochter von Nationalheld General Aung San (1915-1947) wie eine Heilige.
Auf den Fotos wirkt Suu Kyi entspannt und gepflegt. Sie lächelt, wirkt den Umständen entsprechend bei guter Verfassung und zierlich wie immer. Doch es fehlen die Blumen, die sie in Freiheit immer im Haar trug.
Das Rote Kreuz machte keine Angaben zu dem Treffen. Unabhängig überprüfen lässt sich Suu Kyis Gesundheitszustand nicht. Auch gibt es keinerlei Anzeichen für eine baldige Freilassung.
Haft bis weit über 100 Jahre alt
Nach einem international als Schauprozess kritisierten Verfahren – Suu Kyi wurden Aufruf zu Gewalt, Korruption und Verrat von Staatsgeheimnissen vorgeworfen – war die Mutter von zwei Söhnen ursprünglich zu mehr als 33 Jahren Haft verurteilt worden.
2023 reduzierte die Junta im Rahmen einer Amnestie die Strafe um sechs Jahre auf noch immer happige 27 Jahre. 2024 wurde sie aus dem Gefängnis in Naypyidaw in Hausarrest verlegt – an unbekanntem Ort, nicht in ihrer alten Kolonialvilla am Inya-See in Rangun.
Ob Suu Kyi das Licht der Freiheit je wieder erblicken wird? Rein rechnerisch würde sie erst weit nach ihrem 100. Geburtstag freikommen – sofern sie nicht begnadigt wird.