Eklat bei Pressekonferenz – «Wer sind Sie?»
AfD-Siegmund lässt sich nicht in die Nazi-Ecke drängen

Nach dem AfD-Erdrutschsieg in Sachsen-Anhalt eskaliert eine Pressekonferenz: Ein Journalist zieht Parallelen zur NSDAP von 1932. Es kommt zum Schlagabtausch.
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AfD-Spitzenkandidat Ulrich Siegmund (r.) tauscht nach einer hitzigen Pressekonferenz in Berlin noch ein paar Worte mit dem Journalisten Tilo Jung, der dem Politiker indirekt Nazi-Nähe vorwarf.
Foto: Keystone

Darum gehts

KI-generiert, redaktionell geprüft
  • AfD holt in Sachsen-Anhalt 43,8 Prozent, Journalistenfrage löst Eklat aus
  • Ulrich Siegmund weist Vergleich mit NSDAP-Ministerpräsident von 1932 scharf zurück
  • Nächste AfD-Wahlen: Mecklenburg-Vorpommern und Berlin am 20. September
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Daniel KestenholzRedaktor Nachtdienst

«Wer sind Sie?» Mit dieser Frage reagiert AfD-Spitzenkandidat Ulrich Siegmund (35) nach dem Erdrutschsieg seiner Partei verwundert bis brüskiert auf die Frage eines Journalisten.

Auslöser war ein historischer Vergleich, den der linksliberale Journalist und Podcaster Tilo Jung (40) am Tag nach dem spektakulären AfD-Wahlsieg in Sachsen-Anhalt bei einer Pressekonferenz zog. Jung sah «historische Parallelen».

«Beantworten Sie die Frage»

Siegmund hatte das Ergebnis, bei dem seine Partei auf 43,8 Prozent kam, mehrfach als «historisch» bezeichnet. Für Jung offenbar Grund genug, fast 100 Jahre zurückzugehen: ins Jahr 1932. Damals wurde im damaligen Freistaat Anhalt mit Alfred Freyberg (1892-1945) erstmals ein Politiker der NSDAP Ministerpräsident in Deutschland.

Die Verbindung zwischen diesem Ereignis und einem demokratischen Wahlergebnis im Jahr 2026 fand Siegmund absurd. «Ist Ihr Land gemacht für solche historischen Parallelen?», fragt Jung.

«Wer sind Sie?», fragte Siegmund den Journalisten forsch bis sichtlich irritiert. Und das gleich zweimal. Der Vergleich sei «wirklich sehr, sehr seltsam». Damit war der Schlagabtausch eröffnet.

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Historische Konstruktion

Kaum war das Rekordergebnis von 43,8 Prozent verkündet, begann in Teilen der politischen und medialen Debatte die Suche nach historischen Parallelen – möglichst solchen, die den Wahlsieg in die dunkelste Epoche deutscher Geschichte einordnen.

Jung wollte wissen, warum Siegmund das Wahlergebnis als historisch bezeichne, wenn es in Sachsen-Anhalt bereits 1932 eine politische Zäsur gegeben habe. Siegmund konterte, dass diese historische Konstruktion für die Menschen im Land keinerlei Bedeutung habe.

«Beantworten Sie die Frage», bleibt Jung hart. «Das ist uns völlig egal in Sachsen-Anhalt», sagte der AfD-Politiker. «Ich weiss nicht, was in Ihnen vorgeht, dass Sie sich mit solchen seltsamen Vergleichen auseinandersetzen, dass Sie überhaupt sowas recherchieren.»

«Menschen in Sachsen-Anhalt lassen sich nicht von Menschen wie Ihnen bevormunden»

Siegmund ging selbst zum Angriff über und warf Jung vor, eine politische Agenda zu verfolgen. «Wir haben in der Lebensrealität einfach andere Probleme als das, was uns einige linke oder Extrem-Journalisten, beispielsweise auch Ihre Person, hier vorschreiben wollen.»

Menschen in Sachsen-Anhalt «haben Demokratie gelebt», so Siegmund – und das habe seine Partei möglich gemacht: «Wir haben als AfD in Sachsen-Anhalt die Demokratie wieder lebendig gemacht. Wir hatten die höchste Wahlbeteiligung seit vielen, vielen Jahren und demzufolge bin ich sehr dankbar und stolz, dass die Menschen in Sachsen-Anhalt sich nicht von Menschen wie Ihnen bevormunden lassen wollen.»

Nächste Bewährungsproben

Die nächsten Bewährungsproben für die AfD folgen bereits: Am 20. September wird in Mecklenburg-Vorpommern und Berlin gewählt. In Mecklenburg-Vorpommern liegt die AfD laut aktuellen Umfragen deutlich vor der SPD und CDU.

In Berlin liegt die AfD etwa gleichauf mit den Grünen und nur knapp hinter Linken und CDU – mit der SPD abgeschlagen auf Platz fünf.

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