Darum gehts
- Carnival testete Bordkarten-Aufkleber für Gäste, die Trinkgelder bereits im Voraus bezahlten
- Damit sah das Personal, wer noch kein Trinkgeld gab, was bei Kreuzfahrtgästen Kritik auslöste
- In der Schweiz fühlten sich knapp 60 Prozent durch Trinkgeld-Optionen auf Kartenlesern gedrängt
Ist Trinkgeld eine Form der Anerkennung oder wird es mittlerweile bereits vorausgesetzt? Diese Frage stellten sich die Gäste an Bord der Carnival Cruise Line, nachdem die US-Reederei ein neues Bordkartensystem in einem Pilotversuch eingeführt hatte. Dabei erhielten Gäste, die bereits im Voraus Trinkgelder bezahlt hatten, einen Aufkleber mit der Aufschrift «Crew-Liebe – ich habe die Trinkgelder im Voraus bezahlt».
So auch eine junge Frau, die im vergangenen Monat an einer «Carnival Panorama»-Kreuzfahrt teilgenommen hatte. Auf Tiktok postet sie vergangene Woche ein Video, in dem sie ihren Aufkleber und eine Dankeskarte zeigt, die in ihrer Kabine platziert wurde. Der kurze Clip hat über 50'000 Aufrufe erzielt. In den Kommentaren wird schnell deutlich, dass die Idee der Reederei nicht von allen positiv aufgenommen wurde.
Grundsätzlich ist es keine Seltenheit, dass Kreuzfahrtgäste ihre Trinkgelder im Vorfeld bezahlen können. Teilweise werden Servicepauschalen bei Buchungen von Kreuzfahrten auch direkt abgezogen. Der grosse Unterschied: Mit den Aufklebern wird für das Personal automatisch sichtbar, wer noch kein Trinkgeld gegeben hat.
«Wieso müssen die wissen, wer Trinkgeld gibt?», fragt sich ein Nutzer: «Das ist merkwürdig.» Andere befürchten, dass Personen mit Aufkleber einen besseren Service erhalten als solche, die Trinkgeld lieber bar bezahlen. Davon gibt es in den Kommentaren einige: «Das ist geschmacklos. Der Lohn der Mitarbeiter ändert sich dadurch auch nicht. Sie behalten nur das Trinkgeld, das man ihnen in bar gibt», vermutet eine Userin.
Der Trinkgelddruck nimmt zu
Neben Kreuzfahrten oder bestimmten Luxushotels ist es auch an alltäglicheren Orten üblich, bereits im Voraus Trinkgeld zu bezahlen. Dass sich dadurch der Trinkgelddruck erhöht, zeigte sich in der Schweiz in einer Umfrage des Schweizer Konsumentenschutzes im vergangenen Sommer. Dabei ging es um vorgegebene Optionen – meist 5, 10 oder 15 Prozent – für Trinkgelder auf Kartenlesegeräten.
Diese werden häufig in Take-aways oder Selbstbedienungsläden eingesetzt, wo der Serviceaufwand geringer ist als in einem klassischen Restaurant. Wer kein Trinkgeld bezahlen möchte, muss vor den Augen des Personals auf das «Kein Trinkgeld»-Feld drücken. Das Ergebnis der Umfrage: Knapp 60 Prozent der Teilnehmenden gaben an, sich durch das Gerät zum Trinkgeldgeben gedrängt gefühlt zu haben.