Darum gehts
- Mann lässt krebskranke Frau per Kryokonservierung einfrieren, findet neue Partnerin
- Entscheidung löst moralische Debatte in China aus
- Frau wird bei –190 Grad in 2000-Liter-Tank mit Stickstoff gelagert
In China erhitzt eine komplizierte Liebesgeschichte aktuell die Gemüter. Zhan Wenlian erhielt 2017 mit 49 Jahren die Diagnose Lungenkrebs. Die Ärzte gaben ihr nur noch wenige Monate zu leben. Und tatsächlich starb sie kurz darauf.
Doch ihr Ehemann Gui Junmin (57) wollte mit einem solchen Schicksal nicht leben und beschloss, seine Frau nach ihrem Tod mittels Kryokonservierung einzufrieren. Nun hat er jedoch eine neue Beziehung mit einer anderen Frau begonnen. Und das sorgt für eine Debatte über moralische Werte.
Gui hofft, seine Frau in Zukunft wiederbeleben zu können
Wie die «South China Morning Post» berichtet, hoffte Gui, dass seine Frau in der Zukunft wiederbelebt und mit neuen Methoden vom Krebs geheilt werden könnte. Er unterschrieb deshalb 2017 einen Vertrag über 30 Jahre beim Shandong Yinfeng Life Science Research Institute. Zhan wurde damit zur ersten mittels Kryokonservierung eingefrorenen Frau in China.
Seither wird Zhans Körper in einem 2000-Liter-Tank mit flüssigem Stickstoff bei –190 Grad im Institut gelagert, berichtet die BBC. Die Hoffnung bei dieser Methode ist es, in Zukunft mit moderner Technologie Eingefrorene wiederzubeleben. Bislang ist das jedoch nicht gelungen.
Mittlerweile hat er eine neue Partnerin
Während Zhans Körper der experimentellen Technik ausgesetzt war, veränderte sich das Leben von Gui. Zwei Jahre lang blieb er Single, doch 2020 fand er eine neue Partnerin.
Bekannt wurde erst kürzlich durch ein Interview mit der chinesischen Zeitung «Southern Weekly». Dort sprach Gui über seine aktuelle Partnerin Wang Chunxia, die er durch einen gemeinsamen Freund kennengelernt hatte.
Und wie steht er zu seiner neuen Partnerin? «Sie hat noch keinen Platz in meinem Herzen. Ich fühle mich ihr gegenüber verantwortlich, aber das ist eine komplizierte Angelegenheit», sagt er gegenüber der Zeitung.
Seine eingefrorene Ehefrau könne sie niemals ersetzen, erklärt er weiter. «Ich kann die Vergangenheit nicht einfach vergessen, aber ich muss trotzdem mit meinem Leben weitermachen», ergänzt er.
Moralische Debatte entfacht
In der chinesischen Öffentlichkeit trifft diese Entscheidung auf gespaltene Reaktionen. Auf der Social-Media-Webseite Weibo zeigen einige Nutzer Mitgefühl und betonen, dass es bereits länger her sei, dass Gui seine Frau einfrieren liess. Andere wiederum argumentieren, dass eine Wiederbelebung nach der Kryokonservierung ohnehin nur in weiter Zukunft möglich sein könnte.
Einige werfen dem 57-Jährigen Egoismus vor. So schreibt ein User etwa: «Würde Zhan damit einverstanden sein? Ist das fair gegenüber Wang?» Er argumentiert, dass Gui nur seine eigenen «emotionalen Bedürfnisse befriedigt». Andere wiederum finden, dass die «Verstorbene endlich in Frieden ruhen sollte».
Auch das Beziehungsgeflecht stösst auf Kritik. So kommentiert eine Person: «Jetzt hält er eine Frau in seinen Armen, während er hofft, sich in 30 Jahren mit einer anderen wieder zu vereinen. Was ist das: emotionale Polygamie?»