Darum gehts
- Lawine in British Columbia tötet Peter W. (†61) und zwei Söhne
- Lawine mit 400 Meter Abriss und 2,5 Meter hoher Kante
- Verunglückte in fünf Minuten lokalisiert, Hilfe kam jedoch zu spät
Der Schweizer Stefan B.* ist erschüttert. Am vergangenen Wochenende muss er miterleben, wie drei seiner Freunde in einer Lawine ums Leben kommen.
Der Unfall, der den Ostschweizer Unternehmer Peter W.* (†61) und seine beiden Söhne in der Provinz British Columbia im Westen des Landes das Leben kostet, sorgt seit Sonntag für Schlagzeilen.
Deshalb will Stefan B. für seinen getöteten Freund, aber auch den schwer verletzten Guide, einstehen. Im Telefonat mit Blick stellt er klar: «Das war kein Leichtsinn, die Lawine ging spontan ab.»
Steile Passage umfahren
Nach dem schweren Unglück war spekuliert worden, dass die vierköpfige Gruppe die Lawine selbst ausgelöst haben könnte. «So war das nicht», sagt Stefan B.
Am Unglückstag sind drei Gruppen à vier Personen unterwegs. Wegen der Schnee- und Wetterverhältnisse wechseln sie mehrmals das Gebiet, da sie Heli-Skiing machen wollen.
Stefan B. ist in der ersten Gruppe, die schlussendlich in einen der Hänge einfährt. «Wir haben gemerkt, dass der Hang, wo die Lawine später abging, im oberen Teil zu gefährlich ist», sagt er. Deshalb umfährt die Gruppe die steile Passage weitläufig und geht erst weiter unten, wo es deutlich flacher ist, in den Hang.
Stefan B. sagt: «Alles ging gut, wir kamen sicher unten am Landeplatz des Helikopters an.»
Gewaltige Lawine
Nun ist die Gruppe von Peter W. an der Reihe. Auch sie umfährt das steile Stück des Hanges. «Dann geschah das Unglück. Mehrere Hundert Meter über ihnen löste sich spontan die Lawine und riss meine Freunde mit», schildert Stefan B. das Unglück.
Die Lawine ist gewaltig. «Der Abriss war gut 400 Meter lang, die Kante der Lawine gut 2,5 Meter hoch», so B. Die Gruppe hat keine Chance. «Ihre Lawinenairbags wurden ihnen vom Körper gerissen. So etwas Massives habe ich in meinem ganzen Leben noch nicht gesehen», sagt B., der seit über 50 Jahren Ski fährt.
Die Lawine ist gewaltig, dass die Gruppe von B. unten am Landeplatz befürchtet, ebenfalls mitgerissen zu werden. «Wir flüchteten in den Wald, um Schutz zu suchen», sagt er.
Schnell gefunden, aber ...
Trotz der Grösse der Lawinen gelingt es den anderen Skifahrern, die Verunfallten schnell zu lokalisieren. «Da wir den Guide anhand seines Airbags schnell lokalisieren konnten, wussten wir sofort, wo wir suchen mussten. Innerhalb von fünf Minuten hatten wir alle vier Signale der Lawinensuchgeräte», sagt Stefan B.
Dass man die Verunfallten so schnell gefunden habe, grenze an ein Wunder, dennoch sei die Hilfe zu spät gekommen. «Die Schneemassen waren wie Beton. Unser einziger Trost ist, dass sie wohl nicht gelitten haben.»
«Restrisiko bleibt»
Für die kanadischen Behörden und den Veranstalter hat B. derweil lobende Worte. «Nach der Tragödie wurden wir bestens betreut, man hat sich so gut es ging um uns gekümmert», sagt er.
B. betont, dass sie alles unternommen hätten, um einen Unfall zu vermeiden. «Wir haben am Morgen noch ein Schneeprofil gemacht. Unsere Guides waren höchst professionell und äusserst vorsichtig. Es war schlichtweg höhere Gewalt und kein Leichtsinn. Es ist eine Tragödie, die uns alle zutiefst trifft», sagt er und fügt hinzu: «In den Bergen bleibt aber immer ein Restrisiko.»
Der schwer verletzte Guide wird derweil in einem Spital in Vancouver behandelt, sein Zustand soll stabil sein.