Darum gehts
- Drei Tanker mit russischem Diesel fahren in die USA, zwei davon stehen auf Sanktionslisten
- Trump lockert Sanktionen bis April 2027, um Dieselpreise vor den Midterms in den USA zu senken
- US-Senatoren und Selenski warnen, Dieselimporte könnten Russlands Krieg in der Ukraine finanzieren
Anfang Oktober verkündete US-Präsident Donald Trump (80) nach einem Telefonat mit Kreml-Chef Wladimir Putin (74) einen Kraftstoff-Deal mit Russland, um den steigenden Diesel-Preisen entgegenzuwirken. Demnach soll Russland unverzüglich 300'000 Tonnen Dieselkraftstoff für den amerikanischen und weltweiten Markt liefern. Weitere Hunderttausende Tonnen Diesel sollen in den nächsten Monaten folgen. Nun scheinen Trumps Worten auch Taten zu folgen.
Wie die «Financial Times» berichtet, steuern derzeit drei mit russischem Diesel beladene Tanker auf die USA zu, darunter zwei Schiffe, die auf Sanktionslisten der USA und der EU stehen. Laut der «Financial Times» wurde der Import von insgesamt 140'000 Tonnen Diesel durch den Deal zwischen Donald Trump und Wladimir Putin ermöglicht. Ziel des Deals vom 9. Oktober war es, die steigenden Dieselpreise in den USA zu senken und den Republikanern vor den bevorstehenden Zwischenwahlen am 3. November politische Vorteile zu verschaffen.
Zwei Schiffen sanktioniert
Die Tanker Talisman und Leruo, die von Sanktionen aus den USA, der EU und Grossbritannien betroffen sind, sollen am 9. und 11. November an der US-Ostküste eintreffen. Die Leruo wurde 2025 von europäischen Behörden sanktioniert, da sie russische Ladungen unter Missachtung des G7-Preisdeckels transportierte und dabei risikoreiche Praktiken wie das Ausschalten von Ortungstechnik nutzte.
Um die Lieferungen des Dieselkraftstoffs zu ermöglichen, kündigte das US-Finanzministerium gleichzeitig mit Trumps Deal-Verkündung an, die Sanktionen gegen Russland bis zum 7. April zu lockern. In einem auf der Website des Finanzministeriums veröffentlichten Dokument hiess es, dass «der Verkauf, die Lieferung, das Entladen oder die Einfuhr, einschliesslich der Einfuhr in die Vereinigten Staaten, von Dieselkraftstoff russischer Herkunft bis 00:01 Uhr Eastern Daylight Time am 7. April 2027 genehmigt ist.»
Kritik für Trumps Deal mit Putin
Der Trump-Putin-Deal hat auf verschiedenen Seiten für heftige Kritik gesorgt. Eine Gruppe von US-Senatoren, darunter der Republikaner Thom Tillis, wandte sich in einem Brief an Banken, Hafenbehörden und Kraftstoffhändler und warnte: «Jeder Import von russischem Diesel in die USA wirft rechtliche Fragen auf und könnte rechtliche Schritte sowie Kongressuntersuchungen nach sich ziehen.» Auch wurde die Sorge geäussert, dass die Einnahmen aus dem Dieselverkauf die russische Kriegsführung in der Ukraine finanzieren könnten.
Auch der ukrainische Präsident Wolodimir Selenski (48) kritisierte den Deal scharf. «Die Erlaubnis für Russland, Erdölprodukte zu verkaufen, ist eine Investition in den Krieg gegen die Ukraine, den man beenden und nicht verlängern muss», schrieb er auf Telegram. Und er warnte, dass Moskau es mit weiterem «Terror und Gemeinheiten» danken werde. Eine Abschwächung der Russland-Sanktionen sei ein Zeichen der «offensichtlichen Schwäche». Russland werde die USA noch weniger ernst nehmen.
Die Entscheidung, den Import trotz bestehender Sanktionen zuzulassen, erfolgt vor dem Hintergrund explodierender Dieselpreise in den USA, die im Oktober 2026 durchschnittlich 6,34 Dollar (rund 5,25 Franken) pro Gallone erreichten – ein deutlicher Anstieg gegenüber den 3,66 Dollar (rund 3,03 Franken) von Oktober 2025. Laut der «Financial Times» könnten jedoch rechtliche und logistische Hürden viele Unternehmen davon abhalten, russischen Diesel zu importieren, zumal dieser Konflikte mit anderen westlichen Ländern nach sich ziehen könnte. Die ersten Lieferungen sollen kurz nach den US-Zwischenwahlen eintreffen.