Vom abgewählten Regierungschef zum mächtigsten Diplomaten der Welt? Für Viktor Orbán könnte sich nach seiner Wahlniederlage in Ungarn eine neue Tür öffnen. Wie das «Wall Street Journal» berichtet, will US-Präsident Donald Trump seinen langjährigen Verbündeten als nächsten Uno-Generalsekretär ins Rennen schicken.
Demnach sollen Vertreter der USA, Russlands und Chinas bereits über eine potenzielle Kandidatur gesprochen haben. Orbán soll sich für den Posten durchaus interessiert haben. Allerdings nur, wenn er genügend Unterstützung erhält.
Der 63-Jährige hatte am 12. April nach 16 Jahren an der Macht eine krachende Wahlniederlage kassiert. Seine nationalkonservative Fidesz-Partei kam nur noch auf 52 der 199 Parlamentssitze. Sein Herausforderer Péter Magyar (45) feierte dagegen mit seiner proeuropäischen Tisza-Partei einen Erdrutschsieg und holte 141 Mandate.
Moskau tritt auf die Bremse
Doch Trumps Plan, Orbán zum Uno-Chef zu machen, hat einen Haken. Russland will sich nämlich bislang nicht auf Orbán festlegen. Der stellvertretende russische Aussenminister Alexander Alimow erklärte laut der Nachrichtenagentur Interfax, dass weder Russland noch die USA oder China den Ungarn selbst nominieren würden.
Der Grund: Die drei Länder gehören zu den fünf ständigen Mitgliedern des Uno-Sicherheitsrats und schlagen traditionell keine eigenen Kandidaten vor. Orbán müsste deshalb von einem anderen Staat offiziell nominiert werden.
Zwei Länder könnten Trump ausbremsen
Aber selbst wenn Trump, Putin und Chinas Staatschef Xi Jinping hinter Orbán stehen würden, wäre der Spitzenjob noch längst nicht gesichert. Denn auch Frankreich und Grossbritannien haben im UNO-Sicherheitsrat ein Vetorecht. Eines der beiden Länder könnte Orbáns Kandidatur damit zu Fall bringen.
Widerstand kommt zudem bereits aus Polen und der Ukraine. Polens Aussenminister Radosław Sikorski machte deutlich, dass er sich eine Unterstützung für Orbán nicht vorstellen könne. Die Zeit drängt aber, denn der bisherige Uno-Generalsekretär António Guterres (77) gibt sein Amt schon Ende Dezember ab. Bis dahin muss seine Nachfolge geklärt werden.
Doch kann Trump seinen politischen Freund tatsächlich auf den Uno-Chefsessel hieven? So einfach ist das nicht. Orbán braucht mindestens neun der 15 Stimmen im Uno-Sicherheitsrat. Und keiner der fünf mächtigsten Staaten – USA, Russland, China, Frankreich und Grossbritannien – darf sein Veto einlegen. Danach muss auch noch die Uno-Generalversammlung grünes Licht geben. Übrigens: Orbán ist bislang nicht einmal offiziell im Rennen. Auf der Kandidatenliste der Uno sucht man seinen Namen vergeblich.