Ungültiger Pass, Phantom-Konvoi
Die abenteuerliche Flucht des Wahlverlierers Bolsonaro

Nach der Niederlage am vergangenen Sonntag floh der brasilianische Präsidentschaftskandidat der rechtspopulistischen Partei und Senator Flávio Bolsonaro in die USA. Wegen akuter Fluchtgefahr hatte das oberste Bundesgericht zuvor die Abgabe seiner Pässe angeordnet.
Kommentieren
1/4
Nach der Wahlniederlage floh Flávio Bolsonaro über Argentinien in die USA. Gegen ihn laufen mehrere Verfahren.
Foto: AFP

Darum gehts

Die Zusammenfassung von Blick+-Artikeln ist unseren Nutzern mit Abo vorbehalten. Melde dich bitte an, falls du ein Abo hast.

Anna Clara_Kohler_Journalistenschülerin_Blick_2-Bearbeitet.jpg
Anna Clara KohlerRedaktorin Politik

«Ich habe nie daran gedacht, das Land zu verlassen», sagte der brasilianische Senator Flávio Bolsonaro einen Tag, bevor er das Land verliess. Nach einer Niederlage bei der Präsidentschaftswahl vergangenen Sonntag gegen den amtierenden Präsidenten Luiz Inácio Lula da Silva floh Bolsonaro Junior in die USA.

Bei seiner Flucht soll Bolsonaro Unterstützung aus dem Umfeld von US-Präsident Donald Trump und von Argentiniens Präsidenten Javier Milei erhalten haben. Das geht aus Recherchen des «Wall Street Journal» hervor. Der 45-jährige Sohn des früheren Staatschefs Jair Bolsonaro landete am Mittwochmorgen in Miami.

Aufholjagd gelingt zum ersten Mal

Die Saga begann noch am Tag des zweiten Durchgangs der Präsidentschaftswahl in Brasilien. Flávio Bolsonaro, Kandidat der rechtspopulistischen Liberalen Partei (PL), erlangte im ersten Wahlgang Anfang Oktober die meisten Stimmen, verpasste aber die absolute Mehrheit mit 47 Prozent. Entsprechend trat er in der zweiten Runde gegen Lula an, den amtierenden Präsidenten der linken Arbeiterpartei (PT).

In Brasilien hatte bei Präsidentschaftswahlen bislang immer jener Kandidat gewonnen, der bereits im ersten Wahlgang vorne lag. Diesmal gelang der Linken jedoch die Aufholjagd. Lula gewann mit 51 Prozent. Zwei Tage später machte sich Bolsonaro auf die Flucht.

Ablenkungsmanöver und gestreute Gerüchte

Am Montagabend verliess ein Konvoi aus vier abgedunkelten Fahrzeugen Bolsonaros Zuhause in Brasilia. Die Fahrzeuge fuhren kurz darauf in verschiedene Richtungen davon – ein Ablenkungsmanöver. Während Verbündete Gerüchte streuten, Bolsonaro befinde sich bereits in den USA, reiste er mit seiner Frau und den zwei Töchtern auf dem Landweg über Hunderte Kilometer nach Süden.

Externe Inhalte
Möchtest du diesen und weitere externe Beiträge (z.B. Instagram, X und anderen Plattformen) sehen? Wenn du zustimmst, können Cookies gesetzt und Daten an externe Anbieter übermittelt werden. Dies ermöglicht die Anzeige externer Inhalte sowie von personalisierter Werbung. Deine Entscheidung gilt für die gesamte App und ist jederzeit in den Einstellungen widerrufbar.

Die Grenze nach Argentinien überquerte die Familie am Dienstagabend, wie die örtlichen Behörden mitteilten. Dort stand ein Privatjet vom Typ Gulfstream G400 bereit. Nach einem Zwischenstopp in Ecuador erreichte die Maschine am Mittwoch den Executive Airport Opa-Locka in Miami, USA.

Ein Jahr Aufenthaltsgenehmigung

Auf der Reise vermied der Pilot den brasilianischen Luftraum. Wie das brasilianische Portal «G1» unter Berufung auf die US-Grenzschutzbehörde berichtet, darf Flávio Bolsonaro vorerst ein Jahr in den USA bleiben.

Für die Einreise in die USA soll Bolsonaro seinen Diplomatenpass verwendet haben, obwohl dieser zuvor annulliert worden war. Bei der Ausreise aus Argentinien legte er seinen italienischen Pass vor, den er 2023 erhalten hatte.

Verdacht auf Geldwäscherei

Auslöser für die Flucht war ein Beschluss von Alexandre de Moraes, Richter am obersten Bundesgericht. Dieser hatte die Abgabe aller Pässe Bolsonaros angeordnet. Die Bundespolizei hatte vor einer akuten Fluchtgefahr gewarnt.

Gegen den Senator laufen mehrere Verfahren wegen Verdachts auf Geldwäscherei – unter anderem im Zusammenhang mit Millionensummen für den Propagandafilm «Dark Horse» über seinen Vater sowie mutmasslichen Geschäftsverbindungen zu einem umstrittenen Wettspiel-Unternehmer. Flávio Bolsonaro bestreitet die Vorwürfe.

Selbst ernannter «Leader Brasiliens»

Auf der Plattform X sprach Flávio Bolsonaro nach seiner Ankunft von vermeintlichem «Wahlbetrug». In einem ersten Beitrag erklärte er sich zum «wahren gewählten Präsidenten», löschte diesen jedoch kurz darauf und rief sich stattdessen zum «Leader Brasiliens» aus.

In den eigenen Reihen stösst Bolsonaro nicht auf Unterstützung. Die Niederlage wird von seiner Partei anerkannt.

Was sagst du dazu?
Liebe Leserin, Lieber Leser
Der Kommentarbereich von Blick+-Artikeln ist unseren Nutzern mit Abo vorbehalten. Melde dich bitte an, falls du ein Abo hast. Noch kein Blick+-Abo? Finde unsere Angebote hier:
Hast du bereits ein Abo?
Heiss diskutiert
    Meistgelesen