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Imam aus Michigan:«Ich bete, dass es einen Trump 3.0 geben wird»

Enttäuschte Muslime vor den US-Kongresswahlen
«Trump war ein Mann des Friedens – jetzt ist er ein Mann des Krieges»

Vor zwei Jahren warb Imam Husham Al-Husainy für Donald Trump. Heute ist er enttäuscht. In Dearborn, Michigan, hoffen viele Muslime auf einen anderen Politiker: den Demokraten Abdul El-Sayed.
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Imam Husham Al-Husainy unterstützte Donald Trump in seinem Wahlkampf 2024.
Foto: Helena Graf

Darum gehts

  • Abdul El-Sayed könnte als erster muslimischer US-Senator Geschichte schreiben
  • Imam Al-Husainy unterstützt ihn, trotz früherer Nähe zu Donald Trump
  • Umfrage: El-Sayed führt mit 53 % gegen Mike Rogers, Wahl am Dienstag
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Helena GrafReporterin

Samih Zreik (82) hat seine Heimat verloren. Also hat er sie an seine Hauswand gemalt. Über der Veranda leuchtet eine Zeder auf weissem Hintergrund, links und rechts rot: die Flagge Libanons. Das Haus steht in Dearborn, Michigan. Weit weg von den Bomben.

Vor zwei Jahren versprach Donald Trump, die Kriege im Nahen Osten zu beenden. In Dearborn hörten viele genau hin. Die Stadt bei Detroit hat eine der grössten arabischstämmigen Gemeinschaften der USA. Viele Familien haben Angehörige im Libanon, in Gaza, im Irak. Sie kennen den Krieg nicht nur aus den Nachrichten.

Der gebürtige Libanese Samih Zreik (82) hat sein Haus während der Pandemie umgestaltet.
Foto: For Blick

Samih Zreik öffnet die Tür, bittet herein, kocht Kaffee. Früher war er Geografielehrer im Libanon. Er stammt aus Bint Jbeil, einer Stadt nahe der israelischen Grenze. Als Israel 1978 einmarschiert, flieht er nach Beirut. 22 Jahre später ziehen sich die Truppen zurück. Zreik kehrt heim. Jetzt ist seine Heimatstadt wieder besetzt. Er sagt: «Die Israelis haben mein Haus zerstört.»

«Für Trump ist Israel die Nummer eins»

Sein Sohn hat ihn 2013 zu sich in die Staaten geholt. Mittlerweile hat er den amerikanischen Pass. Von Ex-Präsident Joe Biden hält Zreik wenig. Von Donald Trump noch weniger. Als dieser vor zwei Jahren versprach, die Kriege im Nahen Osten zu beenden, glaubte Zreik ihm kein Wort.

«Für Trump ist Israel die Nummer eins», sagt er. Biden, Trump, Netanjahu – für ihn machen sie keinen Unterschied.

Gewählt hat er trotzdem. Seine Stimme für die Kongresswahlen hat er bereits abgegeben. Für die Demokraten.

Dearborn ist Heimat einer der grössten arabisch-amerikanischen Communities.
Foto: For Blick

Anders als Zreik setzten viele Muslime in Dearborn ihre Hoffnung auf Trump. 2024 gewann er den Distrikt deutlich. Einer seiner prominenten Unterstützer war Imam Husham Al-Husainy. Er leitet die schiitische Moschee Karbalaa in Dearborn.

Imam Husham Al-Husainy hat Donald Trump persönlich getroffen. Er kramt in Papierstapeln, zieht ein Foto hervor. Es zeigt ihn mit dem Präsidenten.

«Er hat ein gutes Herz»

Der Imam stammt aus dem Irak. Einst floh er vor Saddam Husseins Diktatur in die USA. Er arbeitete als Flugzeugingenieur, später wurde er Geistlicher. Seine Gemeinde in Dearborn besteht aus Menschen, die Krieg und Verfolgung kennen. «Wir wünschen uns nichts sehnlicher, als in Frieden zu leben», sagt er.

Donald Trump habe er zunächst unterstützt, weil dieser sich gegen die gleichgeschlechtliche Ehe eingesetzt habe. «Dann habe ich ihn kennengelernt und gemerkt, dass er ein gutes Herz hat», erzählt Al-Husainy.

Heute, 2 Jahre später, sei Trump ein anderer. «Trump war ein Mann des Friedens. Jetzt ist er ein Mann des Krieges.»

«Wir brauchen einen Trump 3.0»

Doch ganz aufgeben will er den Präsidenten nicht. «Ich glaube noch immer, dass in ihm ein friedlicher Mensch steckt», sagt er. Nur habe sich der Präsident mit den falschen Leuten umgeben.

Al-Husainy hofft auf einen «Trump 3.0». Einen, der zu seinen alten Versprechen zurückfindet.

Doch bei den Kongresswahlen setzt Al-Husainy auf einen anderen Mann. Abdul El-Sayed (42), Arzt, Demokrat, Sohn ägyptischer Einwanderer. Er will für Michigan in den US-Senat einziehen. Als erster Muslim überhaupt.

Unterstützt nun einen Demokraten: Imam Husham Al-Husainy in Dearborn.
Foto: Helena Graf

Trump versucht das mit aller Macht zu verhindern. Bei einem Wahlkampfauftritt in Michigan beschimpfte er El-Sayed als «Dschihadisten» und unterstellte ihm Verbindungen zur Muslimbruderschaft. Belege dafür gibt es nicht.

Al-Husainy schüttelt über solche Angriffe den Kopf. El-Sayed habe ihn in der Moschee besucht, mit den Gläubigen gebetet. «Ein bescheidener Mann, ein guter Arzt», sagt der Imam. Seinen republikanischen Gegner Mike Rogers (63) habe er dagegen noch nie gesehen.

«Unternehmen müssen raus aus der Politik»

Auch bei den Jungen weckt El-Sayed Hoffnung. Wenn auch vorsichtige.

Zaynah* ist 20 Jahre alt, Muslimin, ihre Familie stammt aus Indien. Sie studiert Cybersecurity und belegt Politikwissenschaften im Nebenfach. Ihren richtigen Namen möchte sie nicht in der Zeitung lesen.

Viele ihrer Freunde haben Angehörige im Libanon. Manche mussten fliehen, andere haben Familienmitglieder verloren. Auch sie kennt die Enttäuschung über Trump.

Zaynah (20) studiert an der Universität von Michigan-Dearborn.
Foto: For Blick

Doch auch den Demokraten traut sie nicht über den Weg. Zu viel Geld fliesse aus der Wirtschaft in die Politik. Zu oft gehe es um die Interessen der Geldgeber statt um jene der Wähler.

«Die Unternehmen müssen raus aus der Politik», fordert sie. Wahlversprechen allein überzeugten sie nicht mehr.

So stehen El-Sayeds Chancen

El-Sayed ist für sie eine Ausnahme. Nicht, weil er Muslim ist. Sondern weil er über die Probleme spreche, die ihrer Meinung nach wirklich zählen.

Die Chancen stehen gut, dass El-Sayed am Dienstag Geschichte schreibt. In einer neuen Umfrage der «New York Times» liegt er mit 53 zu 42 Prozent deutlich vor seinem republikanischen Gegner Mike Rogers. Doch entschieden ist noch nichts.

Für Zaynah wäre sein Sieg ein Anfang. Nicht mehr. «Auch ein muslimischer Senator kann die Kriege im Nahen Osten nicht einfach beenden», sagt sie. «Aber vielleicht kann er wenigstens einen kleinen Unterschied machen.» Nach all den grossen Versprechen wäre das schon etwas.

* Name geändert

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