In diesem Ölfass wurde die Leiche einbetoniert
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Gangsterboss Nesovic getötet:In diesem Ölfass wurde die Leiche einbetoniert

Das grausige Ende eines Gangsterbosses
In der Schweiz getürmt, in Serbien getötet

Der Gangster Aleksandar Nesovic (†52) wurde im Beisein des Polizeichefs von Belgrad von einem Rivalen erschossen. Das Opfer hat eine Vergangenheit in der Schweiz.
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Der Tod von Gangsterboss Aleksandar Nesovic (†52) erschüttert Serbien.
Foto: Screenshots via blic.rs

Darum gehts

KI-generiert, redaktionell geprüft
  • Mafiamord in Belgrad: Gangsterboss Nesovic am 12. Mai erschossen
  • Leiche einbetoniert in Ölfass gefunden, Polizei unter Korruptionsverdacht
  • Nesovic flüchtete 2000 aus Zürcher U-Haft, Influencerin trauert öffentlich
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Marco LüssiBlattmacher

Der Kriminalfall beherrscht die Schlagzeilen in Serbien seit Wochen: Am 12. Mai trafen sich die miteinander verfeindeten Gangsterbosse Sasa Vukovic und Aleksandar Nesovic in Belgrad im Restaurant «27», einem Lokal mit 16 GaultMillau-Punkten. Eingefädelt hatte das Stelldichein Veselin Milic, der Polizeichef der serbischen Hauptstadt, der ebenfalls mit am Tisch sass. Ziel des Treffens war eine Versöhnung zwischen den beiden Kontrahenten. Doch es kam anders: Vukovic soll Nesovic, der ohne Personenschutz gekommen war, zwei Kugeln in den Bauch verpasst haben. Die Schusswaffe hatte offenbar Vukovics Ehefrau ihrem Mann kurz vorher ins Nobelrestaurant vorbeigebracht. 

Am Tag danach meldete seine Lebenspartnerin Nesovic als vermisst. Zugleich machten Gerüchte über den Mord die Runde, der hätte vertuscht werden sollen. Die Strafverfolgungsbehörden nahmen zahlreiche Verhaftungen vor: Festgenommen wurden der Polizeichef, mehrere seiner Leibwächter, der mutmassliche Täter Vukovic, dessen Ehefrau, der Chef des Restaurants und ein Kellner, der Blutspuren im Restaurant weggeputzt haben soll. Sie alle sitzen weiterhin hinter Gittern, der Polizeichef ist seinen Job los. 

Leiche in Ölfass einbetoniert

Erst fehlte aber noch die Leiche. Erst am 21. Mai, neun Tage nach der Bluttat, wurde sie gefunden – Nesovics Überreste waren einbetoniert in ein Motorenölfass, vorher war die Leiche angezündet worden. Dass in dem Fass Boxershorts der gleichen Marke gefunden wurden, die Nesovic zu tragen pflegte, gab einen ersten Hinweis darauf, dass es sich um den Vermissten handelte. Ein DNA-Test bestätigte dies. Bekannt wurde zudem nach der Auswertung der Daten des Fitnessarmbands, das Nesovic trug, dass der Schwerverletzte nach den Schüssen noch mehrere Stunden gelebt hatte, also wohl noch leben könnte, wenn er medizinisch versorgt worden wäre. 

Der Fall ist nicht nur ein guter Krimi – er hat auch eine politische Dimension, die fast noch schockierender ist als die bestialischen Details. Dass ein Polizeichef es für seine Aufgabe hält, Treffen zwischen Verbrechern zu arrangieren, dass er einen Mord, dessen Zeuge er wird, nicht nur zu verheimlichen versucht, sondern sogar seine Leibwächter anweist, bei der Beseitigung der Leiche zu helfen – das ist auch in Serbien, wo die Nähe zwischen Unterwelt und Staat nichts Neues ist, starker Tobak. Hinzu kommt: Veselin Milic war vor seiner Einsetzung als Polizeichef als Berater von Staatspräsident Aleksandar Vucic tätig – und auch der mutmassliche Schütze, Gangsterboss Sasa Vukovic, war einst von Beruf Polizist.

Ablenkung mit monströsen Bildern

Der serbische Psychologieprofessor Oliver Toskovic sagte dazu dem regierungskritischen Nachrichtenmagazin «Vreme», es sei bezeichnend, dass die Polizei die Medien dazu eingeladen habe, Aufnahmen zu machen, wie das Fass ausgegraben wurde, in dem sich die Leiche von Nesovic befand: «Dies ist ein Versuch, die Aufmerksamkeit der Öffentlichkeit auf die Brutalität des Verbrechens zu lenken statt auf die Verantwortung der Institutionen.» Die Regierung nutze reisserische Schlagzeilen, um die Ungeheuerlichkeit des Verbrechens hervorzuheben und gleichzeitig ihre eigenen Fehler zu vertuschen. Denn, so Toskovic: «Die eigentliche Nachricht ist, dass der Polizeichef anwesend war und den Vorfall tagelang vertuscht hat, dass Korruption auf höchster Ebene im Spiel war – und nicht, wie ungeheuerlich dieses Verbrechen an sich ist.»

Am Freitag fand in Belgrad die Beisetzung von Aleksandar Nesovic statt. Sein grausiges Ende war nicht das erste Mal, dass er in die Schlagzeilen geriet. Bereits im Jahr 2000 war Nesovic in den Medien – allerdings nicht in Serbien, sondern in der Schweiz.

Von Komplize in Zürich aus U-Haft befreit

Im März 2000 war der damals 26-Jährige in Zürich in Untersuchungshaft genommen worden – ihm wurde Drogenhandel vorgeworfen. Doch nach rund sechs Monaten nahm Nesovics Aufenthalt hinter Gittern ein spektakuläres Ende. Der Häftling, der über Zahnschmerzen geklagt hatte, wurde am 5. Oktober 2000 vom Gefängnis Meilen zum Zahnärztlichen Institut der Uni Zürich gebracht. Da trat den zwei Polizisten, die Nesovic begleiteten, ein maskierter und bewaffneter Mann entgegen und forderte sie auf, sich auf den Boden zu legen. «Die beiden Polizisten mussten dem Bewaffneten gehorchen», sagte ein Sprecher der Kantonspolizei Zürich damals dem Blick. Der mit Fussketten und Handschellen gefesselte Nesovic entkam zusammen mit seinem Befreier in einem bereitstehenden Mercedes, in dem zwei weitere Helfer sassen. Das Auto war am Vortag in Zürich gestohlen worden. Auf die Frage des «Tages-Anzeigers», ob Nesovic ein grosser Fisch sei, antwortete die zuständige Staatsanwältin damals nur: «Wegen fünf Gramm wird keiner befreit.»

Nach seiner Befreiung ging Nesovic den Schweizer Strafverfolgern nicht wieder ins Netz. Bei der Medienstelle der Zürcher Oberstaatsanwaltschaft heisst es auf Anfrage: «Aufgrund der uns zur Verfügung stehenden Informationen ist davon auszugehen, dass er nicht wieder festgenommen werden konnte.» Nesovic hatte seit den Neunzigerjahren und bis zu seinem Tod Verbindungen zur kriminellen Bande eines Gangsters namens Dejan Stojanovic, genannt «Keka». Diese gilt als besonders brutal – wer ihr angehören wollte, musste, so schreiben serbischen Medien, einen Mord oder zumindest einen Mordversuch begangen haben. 

Zürcher Influencerin trauert

Wie lange Nesovic sich vor seiner Festnahme im Jahr 2000 in der Schweiz aufhielt, lässt sich nicht eruieren. Gesichert jedoch ist, dass der Gangster der Schweiz über eine Patentochter verbunden war. Eine Zürcher Mode-Influencerin, die auf Instagram 85’000 Follower hat, trauerte mit einem öffentlichen Post um ihren Taufpaten, der für sie «wie ein Vater» gewesen sei. «Du bist auf eine Weise gegangen, die kein Mensch verdient», schreibt sie – und erhält fast 5000 Likes. Als Blick sie kontaktiert, antwortet sie nicht. Stattdessen löscht sie den Post. 

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