Darum gehts
- Britin täuschte Krebs vor, um Geld zu erschleichen. Partner gab Hunderttausende aus
- Experte: Krebslügen sind eine wirksame Betrugsmasche, die Mitgefühl und Hilfsbereitschaft ausnutzt
- Zwei bekannte Fälle von vorgetäuschtem Krebs wurden in Serien thematisiert
Laura McP.* (35) täuschte ihrem Partner, ihren Freunden, ihrer Familie und sogar ihrer eigenen Tochter fünf Jahre lang vor, sie leide an Krebs im Endstadium. Ihr Partner, ein wohlhabender Geschäftsmann, gab Hunderttausende Pfund aus, um sie zu unterstützen. Der Betrug flog auf, als der Mann bei einem Chirurgen anrief, um eine OP-Rechnung zu bezahlen.
Statt eine Mastektomie durchführen zu lassen, hatte sich die Hochstaplerin lediglich für 7000 Pfund die Brüste vergrössern lassen. Obwohl sie aufgeflogen war, beharrte Laura McP. bis zum vergangenen September darauf, dass sie an Krebs erkrankt sei. Erst vor Gericht gab sie zu, gelogen zu haben. Jetzt wurde sie im englischen Derby zu zwei Jahren gemeinnütziger Arbeit verurteilt, wie der «Telegraph» berichtet.
Geldmacherei mit Krebslüge
Es ist nicht das erste Mal, dass eine Frau eine Krebserkrankung vortäuscht, um an Geld zu kommen. Zwei bekannte Fälle wurden sogar in Serien thematisiert. Die australische Influencerin Belle Gibson (33) gab sich als krebskrank aus und behauptete, sich mit gesunder Ernährung «natürlich» geheilt zu haben. Alles gelogen. In der Netflix-Serie «Apple Cider Vinegar» wird der Betrugsfall aufgearbeitet.
Amanda Riley (39) widmete der US-Sender ABC jüngst eine Doku-Serie. 105'000 Dollar (96'000 Franken) zog die kerngesunde «Scamanda» den Lesern ihres Blogs aus der Tasche. Diese dachten, der Krebs würde sie bald dahinraffen – was nicht stimmte. Für den Betrug wurde sie von einem Gericht zu einer fünfjährigen Haftstrafe verurteilt.
«Eine sehr wirksame Masche»
Warum täuscht man eine Krebserkrankung vor? Der forensische Psychiater Thomas Knecht (66) erklärt, was in Hochstaplern vorgeht und wann du misstrauisch werden solltest.
«Krebs ist für uns heutige Menschen das grosse Schreckgespenst, nachdem die moderne Medizin viele andere Krankheiten eliminieren konnte. Es macht betroffen und erhöht die Hilfsbereitschaft, wenn jemand an Krebs erkrankt», erläutert der Experte, der bis 2023 Leitender Arzt im Psychiatrischen Zentrum in Herisau AR war. Der Betrüger sei einerseits gierig, wisse aber auch, welche Schwächen er bei seinen Opfern anpeilen müsse, etwa Naivität, Mitleid, Hilfsbereitschaft oder Selbstgefälligkeit. «Eine finanzielle Notlage aufgrund einer Krebserkrankung vorzutäuschen und an das Mitgefühl zu appellieren, ist eine sehr wirksame Masche.»
Betrüger weisen laut Knecht unter anderem psychopathische Wesenszüge wie Skrupellosigkeit auf. Nicht selten leiden sie auch an Persönlichkeitsstörungen.
Eine spezielle Therapieform für die Täterinnen und Täter gibt es nicht. «Die Strafe kann allenfalls abschreckend und dadurch korrigierend wirken», so Knecht.
Influencer nutzen Follower aus
In den Fällen von Belle Gibson und Amanda Riley folgten Ihnen Hunderte oder gar Tausende Menschen im Netz. Machen es das Internet und die sozialen Medien den Betrügern leichter? Ja, erklärt der Experte. «Das Internet hat viele neue Möglichkeiten eröffnet, wie man seine Mitmenschen abzocken kann. Influencer können die Aufmerksamkeit vieler binden und üben dadurch eine gewisse Macht aus, was von skrupellosen Individuen unter Umständen missbraucht wird, um arglose Opfer auszubeuten.»
Wer sich vor solchen Betrugsmaschen schützen will, sollte stets wachsam bleiben, rät der Experte – «insbesondere wenn Fremde mit dramatischen Geschichten ankommen». Sobald Geldforderungen laut werden, sollten die Alarmglocken angehen.
* Name bekannt