Darum gehts
- Iranische Nobelpreisträgerin Narges Mohammadi vorübergehend aus Haft entlassen, medizinische Gründe.
- Unterstützer kritisieren Haftunterbrechung als Versuch, internationalen Druck zu mildern.
- 2023: Friedensnobelpreis für Einsatz gegen Frauenunterdrückung, Todesstrafe im Iran.
Die iranische Friedensnobelpreisträgerin Narges Mohammadi ist nach Angaben ihrer Unterstützer gegen Kaution aus der Haft entlassen worden – offiziell aus medizinischen Gründen. Doch von Freiheit kann keine Rede sein: Die 54-Jährige steht weiter unter Kontrolle des Regimes, ihre Haftstrafe bleibt bestehen.
Mohammadi war zuvor nach einem mutmasslichen Herzinfarkt und mehreren Zusammenbrüchen aus dem Gefängnis in Zandschan in ein Spital verlegt worden. Laut ihrer Familie schwebte sie zuletzt in Lebensgefahr. Nun darf sie sich in Teheran behandeln lassen – allerdings nur vorübergehend und gegen hohe Kaution.
Schlaflosigkeit, Herzrasen, Panikattacken
Die Aktivistin gilt seit Jahren als eine der prominentesten Gegnerinnen des Mullah-Regimes. 2023 erhielt sie den Friedensnobelpreis für ihren Kampf gegen die Unterdrückung von Frauen und gegen die Todesstrafe im Iran.
Besonders brisant: Mohammadi wirft den iranischen Behörden vor, politische Gefangene systematisch medizinisch zu vernachlässigen. In ihren Texten, die dem «Guardian» vorliegen, beschreibt sie die Haft als «weisse Folter» – völlige Isolation, sensorische Leere, psychischer Druck bis zur völligen Erschöpfung. Schlaflosigkeit, Herzrasen, Panikattacken: Der Körper zerfalle langsam, schreibt sie.
Ihre Unterstützer sprechen offen von einer «schleichenden Hinrichtung». Tatsächlich wirkt die jetzige Haftunterbrechung weniger wie ein humanitärer Schritt – sondern eher wie der Versuch Teherans, den internationalen Druck zu entschärfen, bevor eine der bekanntesten Dissidentinnen des Landes im Gefängnis stirbt.