Darum gehts
- Andrew Luster wurde 2003 in Kalifornien wegen 86 Sexualdelikten zu 124 Jahren Haft verurteilt
- Nach Strafreduktion und Gutschriften für Arbeit und gute Führung kam er auf Bewährung frei
- In Glendora fordert die Stadt Aufklärung; Abgeordnete Rubio nennt die Entlassung inakzeptabel
2003 wurde Andrew Luster (62) für schwere Sexualstraftaten in 86 Fällen verurteilt, unter anderem wegen Vergewaltigung, Sodomie und Vergiften. Mindestens drei Frauen hatte er mit flüssigem Ecstasy betäubt und missbraucht. Zwei der grausamen Taten hielt Luster auf Video fest. Vom Gericht erhielt der Serientäter die besonders hohe Strafe von 124 Jahren Haft.
Nachdem seine Haftstrafe 2013 bereits auf 50 Jahre reduziert wurde, kam Luster vergangenes Wochenende überraschend auf Bewährung frei – 101 Jahre früher als ursprünglich 2003 beschlossen. Was ihm laut der kalifornischen Justiz zur vorzeitigen Entlassung verhalf: Gutschriften durch Arbeit und gute Führung.
«Widerlich und inakzeptabel»
Der Erbe des Kosmetikunternehmers Max Factor musste also nur eine Haft von 23 Jahren verbüssen. Im kalifornischen Glendora, wo Luster laut CBS nun wohnen soll, herrscht Entsetzen: Die Stadt fordert in einem Statement Aufklärung darüber, wie genau es zur frühen Haftentlassung kam. Lusters Entlassung sei «widerlich und inakzeptabel», so Abgeordnete Blanca E. Rubio.
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So kam ihm die Polizei auf die Schliche
Lusters Verbrechen kamen ans Licht, als eines der Opfer 2000 Anzeige gegen ihn erstattete. Luster hatte die damals 21-Jährige in einer Bar in Santa Barbara kennengelernt. Dort hatte er ihr unbemerkt flüssiges Ecstasy verabreicht und sie danach in einem Bungalow mehrfach sexuell missbraucht. Am folgenden Tag erzählte er ihr davon.
Die Polizei liess ein Telefongespräch zwischen den beiden aufzeichnen. Darin gestand Luster die Verabreichung der Droge. Bei einer Hausdurchsuchung wurden dann Videoaufnahmen und Fotografien sichergestellt, die Luster bei sexuellen Handlungen mit 13 scheinbar bewusstlosen Frauen zeigten.
Nur drei Frauen erstatteten Anzeige
Die Ermittlungen beschränkten sich auf drei Frauen mit insgesamt 88 sexuellen Akten in den Jahren 1996, 1997 und 2000. Nur bei diesen drei Opfern lagen konkrete Anzeigen, identifizierbare Opfer und gerichtlich verwertbare Beweise vor. Trotzdem reichten die Beweise aus, um Luster in 86 einzelnen Anklagepunkten schuldig zu sprechen.
Flucht nach Mexiko
Während der Hauptverhandlung durfte sich Luster, der in U-Haft sass, tagsüber frei bewegen. Er musste dabei eine Fussfessel tragen. Einige Wochen nach Beginn der Verhandlung war Luster plötzlich nicht mehr über die Fussfessel zu orten. Seine Freiheitsstrafe von 124 Jahren wurde in seiner Abwesenheit verhängt.
Luster hatte sich während des Prozesses nach Mexiko abgesetzt. Dort wohnte er in einem billigen Hotel unter dem Decknamen David Carrera. Nach rund sechs Monaten auf der Flucht wurde er von Kopfgeldjäger Duane «Dog» Chapman aufgespürt, zurück in die USA und hinter Gittern gebracht.
Verbrecher und Millionenerbe
Der Max-Factor-Urenkel lebte ursprünglich von seinem Treuhandvermögen von circa 20 bis 30 Millionen. Um den Schadensersatzzahlungen an seine Opfer zu entgehen, meldete Luster 2003 Privatinsolvenz an. Sein Haus in Beverly Hills und andere Vermögenswerte habe er auf seine Mutter übertragen, wie US-Medien berichten.