Darum gehts
- Markéta Bednar rettet bei Norway Trail 2026 Musherin unter Zeitdruck
- Venke Gulli wurde 8,5 km nach Start von ihrem Schlitten geschleift
- Bednar stoppte Gullis Schlitten durch einen gezielten Hechtsprung
Die Hunde rasen, der Boden ist hart wie Beton. Mitten in der norwegischen März-Kälte wird ein Schlittenrennen zum Albtraum. Markéta Bednar (48) sieht, wie eine ihrer Konkurrentinnen am Boden mitgeschleift wird. Für die Schweizerin war klar: Sie muss helfen. «Ich dachte mir, jetzt musst du einfach etwas machen», sagt Bednar heute zu Blick.
Noch ziemlich am Anfang der Strecke sah sie, wie zwei Schlittenführer – sogenannte Musher – mit ihren Gespannen vor ihr in einer steilen Kurve auf die Seite stürzten. Der Erste konnte sich selbst wieder aufrichten. Bei der zweiten Fahrerin, der Norwegerin Venke Gulli (56), war das nicht der Fall.
Bednar selbst bremste in der Kurve stark ab – auch für die anderen Teams. Nachdem die Schweizerin die Kurve verlassen hatte, sah sie, wie Gulli von ihrem Gespann am Boden mitgeschleift wurde. Dabei hielt sich Gulli mit aller Kraft daran fest. «Als ich an ihr vorbeifuhr, schrie sie um Hilfe.» Aber warum liess sie nicht einfach los? Bednar zu Blick: «Die erste Regel im Schlittenfahren lautet: Auf keinen Fall loslassen.»
«Dann sind die Hunde noch besonders schnell»
Um den Schlitten anzuhalten, sollte im Normalfall ein Anker in den Boden gesetzt werden. Die Schweizerin weiter: «Ich verstehe, dass sie das in dieser Situation nicht machen konnte», denn dafür hätte sie zumindest mit einer Hand loslassen müssen. «Der Unfall ereignete sich bereits nach den ersten 8,5 Kilometern, dann sind die Hunde noch besonders schnell.» Hinzu kam, dass der Trail ganz leicht nach unten ging, was den Schlitten zusätzlich beschleunigte.
Die Geschwindigkeit brachte Bednar zunehmend in Bedrängnis. Eigentlich wollte sie Gulli einholen und dann an der Spitze ihres Gespanns abbremsen. Sie konnte die Hunde aber nicht überholen. Dann das nächste Problem: Schon bald kam eine weitere Kurve.
«Es geht darum, heil anzukommen»
Bednar rammte ihren Anker in das Eis. Als die führungslosen Hunde der Norwegerin an ihr vorbeischossen, wagte sie den Sprung auf den anderen Schlitten. Bednar brachte das Gespann mit vollem Körpereinsatz zum Stehen.
Grundsätzlich hat man an Rennen die Verpflichtung, anderen in solchen Situationen zu helfen. Oft, indem man selbst abbremst. «Hunde reagieren immer auch auf die anderen Hunde», so Bednar. Gleichzeitig stehe die Sicherheit des eigenen Teams immer an erster Stelle.
Dass ihre eigenen Hunde sofort parierten, macht die Schweizerin stolz. Es rettete der Norwegerin die Haut. Die verlorene Zeit? Nebensache! Bednar: «Bei Schlittenrennen geht es darum, heil anzukommen und Freude an den Hunden und der Natur zu haben.»