Darum gehts
- Zwei Klimaaktivisten blockierten im August 2024 den Flughafen Köln/Bonn
- Schadenersatzforderungen könnten den sechsstelligen Bereich erreichen
- Beese zahlt 5400 Euro, Beadle 1020 Euro, Urteil noch nicht rechtskräftig
Sie klebten sich für das Klima auf dem Rollfeld des deutschen Flughafens Köln/Bonn – nun drohen ihnen Schadenersatzforderungen, die sie möglicherweise ihr Leben lang belasten. Die Protestaktion im August 2024 hat für die vor Gericht stehenden Klimakleber Fabian Beese (28) und Judith Beadle (46) gravierende finanzielle Folgen, wie der «Kölner Stadt-Anzeiger» berichtet.
Mit ihrer «Klebeaktion» hatten die beiden den Flugverkehr am Flughafen lahmgelegt. Mit Bolzenschneidern hatten sich die zwei Aktivisten der Gruppierung «Letzte Generation» Zugang zum Rollfeld verschafft und blockierten eine Zufahrtsstrasse. Der Flughafen schätzte die Schäden auf 50'000 Euro, während rund 3000 Passagiere Flugausfälle und 10'000 Fluggäste Verspätungen hinnehmen mussten.
Geldstrafe reduziert – die Zivilforderungen bleiben
Das Landgericht Köln wandelte die ursprünglichen Haftstrafen nun in Geldstrafen um: Beese wurde zu einer Gesamtgeldstrafe von 5400 Euro verurteilt, Beadle zu 1020 Euro. Strafrechtlich kamen die beiden also vergleichsweise glimpflich davon.
Existenzbedrohend ist für die Aktivisten aber nicht die Strafe, sondern die zivilrechtlichen Schadenersatzforderungen – und genau diese begründete das Gericht als die eigentliche Sanktion. Die Angeklagten seien durch die drohenden Regressansprüche bereits hart bestraft, erklärte Richterin Julia Krüger. Sie müssten wohl die nächsten 30 Jahre am Existenzminimum leben.
Gesamtschaden im sechsstelligen Bereich
Ein Jurist des Flughafens bestätigte, dass die Forderungen zivilrechtlich geltend gemacht werden sollen. Hinzu kommen mögliche Ansprüche der Fluggesellschaften. Der Polizeieinsatz allein wurde mit 12'000 Euro beziffert; der Gesamtschaden dürfte im sechsstelligen Bereich liegen – verteilt auf lediglich zwei Personen.
Wie hoch solche Summen ausfallen können, zeigt ein Fall aus Hamburg: Dort verurteilte das Landgericht zehn Klima-Aktivisten zur Zahlung von 400'000 Euro für eine Blockade am dortigen Flughafen. In Köln fielen zwar weniger Flüge aus – die drohende Summe trifft hier aber nur Beese und Beadle.
Beadle treffen zudem Forderungen aus weiteren Aktionen: Für einen Farbanschlag auf eine Yacht soll sie allein 3,5 Millionen Euro bezahlen. Laut «Kölner Stadt-Anzeiger» lebt ihre Familie bereits unter der Pfändungsgrenze; sie verdient derzeit 400 Euro für eine ehrenamtliche Tätigkeit. Beese, Vater eines vierjährigen Sohns, sammelt auf der Plattform «Gofundme» für seine Anwaltskosten – bisher kamen 340 Euro zusammen.
«Da haben Menschen für ihren Urlaub gespart»
Eine Bagatelle sei der Protest am Flughafen nicht gewesen, betonte die Richterin. «Da haben Menschen für ihren Urlaub gespart und können dann nicht fliegen», sagte Krüger. Mit Strassenblockaden sei das nicht zu vergleichen.
Rechtskräftig ist das Urteil noch nicht. Die Staatsanwältin hatte auf Bewährungsstrafen gepocht und die Angeklagten unbelehrbar genannt – sie kann noch Revision einlegen.