Darum gehts
- Eine Lehrerin aus NRW ist wegen Betrugs in elf Fällen und Urkundenfälschung angeklagt worden
- Seit 2009 arbeitete sie nicht mehr und soll von 2021 bis 2025 über 248'000 Euro bezogen haben
- Das Landgericht Duisburg prüft die Anklage, bei Verurteilung droht der Verlust der Beamtenrechte
17 Jahre lang krankgeschrieben, aber weiterhin volles Gehalt kassiert: Eine Lehrerin aus Nordrhein-Westfalen soll ihren Arbeitgeber jahrelang getäuscht haben. Jetzt hat die Staatsanwaltschaft Duisburg Anklage gegen die 62-Jährige erhoben. Der Vorwurf: Betrug in elf besonders schweren Fällen und Urkundenfälschung in zwei Fällen.
Die Frau unterrichtete am Berufskolleg Wesel, ging aber seit August 2009 nicht mehr zur Arbeit. Stattdessen reichte sie immer wieder Krankmeldungen ein und bezog weiterhin ihre vollen Beamtenbezüge. Zwischen März 2021 und März 2025 soll sie so mehr als 248'000 Euro (knapp 230'000 Franken) zu Unrecht erhalten haben. Für frühere Zeiträume seien die Vorwürfe verjährt.
Gefälschte Tauchnachweise?
Zusätzlich soll die Frau zwei Tauchtauglichkeitsbescheinigungen selbst erstellt haben. Die Dokumente einer angeblich existierenden Ärztin seien bei einer Hausdurchsuchung entdeckt worden. Die Ermittler gehen davon aus, dass die Frau tatsächlich Sporttaucherin war. Ob und inwiefern dies für ihre Dienstfähigkeit relevant ist, ist Teil der Vorwürfe.
Bekannt wurde der Fall, als sich die Lehrerin juristisch dagegen wehrte, sich amtsärztlich untersuchen zu lassen. Gegen sie wurde ein Disziplinarverfahren eingeleitet. Zudem wurde sie in den Ruhestand versetzt – dagegen klagte sie.
Droht der Verlust ihrer Beamtenrechte?
Nun muss das Landgericht Duisburg entscheiden, ob es die Anklage zulässt und einen Prozess eröffnet. Bei einer Verurteilung zu mindestens einem Jahr Freiheitsstrafe könnte die Frau ihren Beamtenstatus und damit auch ihre Ruhebezüge verlieren, wie unter anderem der «Spiegel» berichtet.
Bis zu einem rechtskräftigen Urteil gilt die Unschuldsvermutung. Die Staatsanwaltschaft teilte mit, dass sich die Beschuldigte bislang nicht zu den Vorwürfen geäussert habe.
Zwei Schulen, kein Direktor
Ein ähnlicher Fall sorgt ebenfalls in Nordrhein-Westfalen für Kopfschütteln: Ein seit 2019 krankgeschriebener Schulleiter besetzt laut der «Rheinischen Post» offiziell zwei Direktorenposten, ohne an einer der Schulen zu arbeiten. Als seine Bezüge gekürzt werden sollten, wehrte er sich erfolgreich – und kassiert weiter sein volles Gehalt.
Ein weiterer Fall betrifft einen Lehrer, wieder in Nordrhein-Westfalen, der während einer krankheitsbedingten Auszeit in Kochshows aufgetreten sein soll. Die «Westdeutsche Allgemeine Zeitung» berichtete im September 2026 unter Berufung auf den Bericht des NRW-Innenministeriums über den Fall. Der Name des Lehrers, sein genauer Dienstort, die Dauer seiner Krankschreibung und die Zahl der Fernsehsendungen wurden dabei nicht genannt.