Darum gehts
- Warren Buffett, 95, zieht sich aus Berkshire Hathaways Tagesgeschäft zurück.
- Buffett formte die Firma seit den 1960er-Jahren zu einem Finanzgiganten.
- Er spendete in 20 Jahren 60 Milliarden Dollar seines Vermögens.
Es ist ein historischer Moment für die Wall Street: Warren Buffett (95) räumt sein Büro. Er zieht sich aus dem operativen Tagesgeschäft seines Investmentgiganten Berkshire Hathaway zurück. Nach Jahrzehnten an der Spitze gibt die wohl bekannteste Investoren-Legende der Welt das Steuer ab. Buffet, der über Jahrzehnte besser performt hat, als der Markt, hat Millionen von kleinen Investoren inspiriert. Mit seinen Visionen und mit seinen Prinzipien, nach denen er gelebt hat. Jetzt geht eine Ära zu Ende.
Buffett formte Berkshire Hathaway seit den 1960er-Jahren von einer kleinen, angeschlagenen Textilfirma zu einem der mächtigsten Finanz- und Industriekonzerne der Welt. Heute hält der Riese breit diversifizierte Beteiligungen an Versicherungen, Energieversorgern, Industriefirmen – und betreibt mit der Burlington Northern Santa Fe (BNSF) eine der grössten Eisenbahngesellschaften der USA. Sein Erfolgsrezept: langfristiges Denken, Disziplin und ein unerschütterlicher Glaube an Qualitätsfirmen.
Frühstück immer von McDonald's
150 Milliarden Dollar schwer ist Buffet heute – und damit einer der reichsten Menschen der Welt. Gefrühstückt hat er aber ganz bodenständig am liebsten bei McDonalds. Buffet ist sparsam und grosszügig zugleich. In den vergangenen 20 Jahren hat er 60 Milliarden Dollar gespendet. Reich wurde Buffett nicht durch schnelle Zockerei, sondern mit seiner grossen Geduld.
Legendär sind seine Investments in Coca-Cola, wo er seit den 80er-Jahren investiert und mit einem Anteil von 9 Prozent der grösste Privataktionär ist. Auch mit langjährigen Beteiligungen an American Express oder Apple schrieb er Börsengeschichte – und machte Berkshire zu einem Leuchtturm für Investoren weltweit. Buffett arbeitete stets nach dem Credo: «Investiere nur in das, was du verstehst. Verstehst du ein Unternehmen oder ein Produkt nicht, dann lass die Finger davon.»
«Werde noch herumhängen und nützlich sein»
Nun übernimmt Greg Abel (63), Buffets langjähriger Vertrauter und bisheriger Verantwortlicher für zentrale Geschäftsbereiche. Abel gilt als Mann der zweiten Reihe. Buffet hat ihn bewusst gewählt. Denn Abel wird Buffets Lebenswerk weiterführen, er arbeitet seit 25 Jahren bei Berkshire. Radikale Kurswechsel erwarten Experten denn auch keine. Kontinuität statt Revolution lautet die Devise. Und doch: Die Fussstapfen, in die Abel tritt, sind riesig.
Immerhin und das dürfte auch die Investoren beruhigen: Ganz verabschiedet sich Buffett nicht. Er bleibt Verwaltungsratspräsident und will Greg Abel weiterhin beratend zur Seite stehen, ganz ohne Einfluss aufs Tagesgeschäft allerdings. In den Worten Buffetts heisst das dann: «Ich werde noch herumhängen und ab und an nützlich sein.» Ob das Buffett-Prinzp auch ohne dessen Erfinder funktioniert und das Berkshire-Imperium weiter prosperiert, wird sich weisen.