Darum gehts
- Modehaus Felber in Willisau schliesst nach 117 Jahren Ende Januar
- Tschachtli Klang und Bild AG beendet nach 49 Jahren im März
- Nur 470 Fachhändler verbleiben in der Schweiz von einst 2000
Kleine Geschäfte haben es schwer in der Schweiz – und zwar branchenübergreifend. Grosse Ketten sind günstiger und haben das breitere Sortiment. Und der Onlinehandel boomt. Kleine Player auf dem Land haben da kaum Überlebenschancen. So schliesst Ende Januar Modehaus Felber in Willisau LU einer dieser gutschweizerischen Läden – nach 117 Jahren. Derzeit werden die letzten Jackets oder Blusen mit 70 Prozent verkauft.
In Wohlen AG erwischts mit der Tschachtli Klang und Bild AG ein traditionsreiches Geschäft für Heim- und Unterhaltungselektronik. Inhaber und Gründer Lucien Tschachtli (78) gibt Ende März auf, wie die «Aargauer Zeitung» schreibt. Stolze 49 Jahre nach der Gründung. Der Entscheid fällt ihm schwer. «Der Fachhandel im Privatkundenbereich hat keine Zukunft mehr», sagt Firmengründer Lucien Tschachtli (78) der Zeitung.
«Talsohle ist noch nicht erreicht»
1976 gründete er das Unternehmen gemeinsam mit seinen Brüdern. Aus einem kleinen Laden wurde über Jahrzehnte eine feste Grösse im Freiamt – mit mehreren Filialen und zuletzt noch einem grossen Showroom in Wohlen. Doch genau dort endet jetzt die Geschichte. «Ich bin vor kurzem 78 Jahre alt geworden und wollte alles im Guten geregelt haben.» Tschachtli fügt an: «Ich will die Firma nicht einfach jemandem aufs Auge drücken», so der ehemalige Präsident des FC Wohlen im Bericht.
Auch weil sich die Branche dramatisch verändert hat. Das Konsumverhalten der Kundschaft habe sich gewandelt. Beratung im Laden verliere an Wert, viele Kunden informierten sich im Netz – und kauften dort auch gleich. Die Zahlen sind eindrücklich: Gab es früher rund 2000 Fachhändler in der Schweiz, sind es heute noch etwa 470. Die Umsätze sinken weiter. «Die Talsohle ist noch nicht erreicht», glaubt Tschachtli.
«Alles muss raus!»
Immerhin: Für die zwölf Mitarbeitenden gibt es gute Nachrichten. Alle haben bereits eine Anschlusslösung gefunden. Zwei langjährige Techniker machen sich mit einem eigenen Servicebetrieb selbstständig, andere wechseln zu regionalen Firmen. Auch für Geschäftskunden wurde eine Lösung gefunden. Bis zur Schliessung läuft in Wohlen ein Totalausverkauf. «Alles muss raus», sagt Tschachtli.