Darum gehts
- Donald Trump nennt Schweiz Beispiel für seine Zollpolitik in TV-Interview
- Trump erhöhte US-Zölle auf 39 Prozent nach Gespräch mit Keller-Sutter
- Gesprächspartnerin sei am Telefon «sehr aggressiv» gewesen.
- Schweizer Firmen investieren 200 Milliarden Dollar in US-Werke bis November 2026
Der WEF-Knall ist nicht einmal vier Wochen her. Wir erinnern uns: Als der US-Präsident Finanzministerin Karin Keller-Sutter (62) nachmachte («Sie sagte: ‹Nein nein nein, das können Sie nicht machen!›») und die tollkühne Behauptung in den Raum stellte, dass die Schweiz nur dank Amerika existiere. Jetzt legt der US-Präsident gegen uns nach.
Donald Trump (79) gibt in einem neuen Interview zu: Er habe die Zölle auf die Schweiz erhöht, weil ihm die Art und Weise, wie die Schweizer Bundespräsidentin mit ihm sprach, nicht gefiel. Trump nimmt die Schweiz dabei als Beispiel für die Logik hinter seiner Zollpolitik. Der Wohlstand von Ländern wie der Schweiz begründe darauf, dass es die USA zulasse, «dass sie uns ausnehmen», sagte er zum US-Sender Fox Business.
Bei der Schweiz denke man an ein «ultra schickes» Land, sagte Trump in dem am Dienstagabend (Ortszeit) ausgestrahlten Interview. Das sei sie jedoch nur, weil die USA es ihr erlaube, viel Geld zu machen, so der US-Präsident. Er könne 40 weitere Länder nennen, bei denen dies auch der Fall sei.
Im Gespräch erwähnte Trump erneut das Handelsdefizit mit der Schweiz, das er diesmal auf 42 Milliarden Dollar bezifferte. Auch das Telefongespräch von vergangenem Sommer mit der damaligen Bundespräsidentin Karin Keller-Sutter (62) griff der US-Präsident einmal mehr auf. Er glaube, es sei die «Premierministerin» gewesen, mit der er gesprochen habe, sagte Trump erneut fälschlich. Und gibt unumwunden zu, dass er den Zollsatz erhöht habe, weil ihn die Art, wie die damalige Schweizer Bundespräsidentin mit ihm sprach, genervt habe.
Bekam sie nicht vom Telefon weg
«Wir hatten einen Vorfall mit einem sehr schönen Land, der Schweiz», begann Trump seine Ausführungen «Sie zahlten keine Zölle und schickten Sachen hierher, wie es niemand glauben konnte. Und wir hatten ein Defizit von 42 Milliarden Dollar und haben nichts genommen.»
Keller-Sutter beschrieb er als «nett, aber sehr aggressiv». Sie habe wieder und wieder gesagt: «Wir sind ein kleines Land.» Trump nannte ihren Namen nicht, behauptet aber, er habe sie nicht aus der Leitung bekommen, da sie sich gegen die Zölle wehrte. «Es waren also 30 Prozent, und mir gefiel ihre Art nicht, mit uns zu reden. Anstatt ihr also eine Senkung zu gewähren, erhöhte ich sie auf 39 Prozent», prahlte Trump. «Dann wurde ich von Leuten aus der Schweiz überrannt, und ich dachte mir: ‹Wisst ihr was, wir machen etwas, das etwas erträglicher ist›», erklärte er und bezog sich damit auf die Senkung auf 15 Prozent Ende vergangenen Jahres.
Schon vergangenen Monat am WEF in Davos hatte sich Trump ähnlich über das Telefongespräch geäussert. «Sie war repetititiv, sie ging mir wirklich auf die Nerven», sagte Trump damals in seiner Rede – und schüttelte der Bundesrätin kurz später mit Lob die Hand. Jetzt sagte er zu Fox Business: «Mir gefiel die Art, wie sie mit uns sprach, überhaupt nicht.»
Für Trump gehe Rechnung auf
Für den US-Präsidenten geht seine Zollpolitik offenbar auf. Seither hätten viele Firmen, die die Zölle nicht bezahlen wollten, ihre Produktion in die USA verlagert, sagte er zu Fox Business.
Die Schweizer Pharmakonzerne Roche und Novartis wollen in den USA zum Beispiel Milliarden in neue Werke investieren. Die Investitionen sind Teil des mit der Trump-Regierung im November erzielten Zoll-Deals, der auch 200 Milliarden Dollar an Investitionen von Schweizer Firmen in den USA vorsieht. Im Gegenzug soll der US-Strafzoll auf zahlreiche Güter von 39 Prozent auf 15 Prozent gesenkt werden.