Darum gehts
- Joung Gustav verliert Geschäftspartner nach kritischen Aussagen über Asylwesen
- Migros und Coop stoppen Verkauf seiner Vyte-Drinks wegen Verkaufszahlen und Kritik
- Joung Gustav hat 5,6 Millionen Follower auf Tiktok
«Meine Karriere ist vorbei, weil ich kritisch über das Asylwesen gesprochen habe», sagt Influencer Joung Gustav in einem aktuellen Video. Er hat es sich mit politischen Aussagen in Social-Media-Clips mit mehreren Geschäftspartnern verscherzt. Die Migros kippte seine Vitamindrinks mit Name Vyte aus dem Sortiment. Gemäss Gustav beendeten noch zwei weitere Geschäftspartner die Zusammenarbeit. Rechte Positionen seien bei den Firmen unerwünscht. «Sei links oder sei ruhig», sagt der Influencer. Auch Coop hat den Verkauf der Vyte-Getränke eingestellt, als Grund jedoch die tiefen Verkaufszahlen angeführt.
Das Geschäft mit Influencern habe sich in den letzten Jahren stark professionalisiert, sagt Marken- und Reputationsexperte Stephan Oehen (57). «Von bekannten Influencern werden heute ähnlich professionelle Standards wie von Führungspersonen in der Wirtschaft erwartet.» Für Personen von öffentlichem Interesse heisst das: Politik ist ein heisses Eisen, auch auf privaten Kanälen. «Influencer sollten sich mit politischen Äusserungen zurückhalten. Besonders, wenn diese sehr polarisierend sind», so Oehen.
«Reaktion von Migros und Coop war verständlich»
Gustavs Vorwurf, dass man nur bei rechten Positionen ins Abseits gerät, lehnt der Experte entschieden ab. «Es spielt keine Rolle, ob eine Aussage als sehr links oder rechts wahrgenommen werden kann. Beides ist problematisch.»
Einem Unternehmen drohe dabei rasch ein Imageschaden. «Deshalb war die Reaktion von Migros und Coop verständlich. Sie wollten sich schützen und die Risiken so früh wie möglich eliminieren.» Weniger geschickt ordnet Oehen die Reaktion des Influencers ein. «Er wirft der Migros indirekt vor, links zu sein. Das ist etwas naiv.»
Auf Tiktok zählt Joung Gustav 5,6 Millionen Follower. Könnte der Influencer mit seiner Kritik nun seine Anhängerschaft gegen ehemalige Geschäftspartner aufbringen? «Das kann ich mir nicht vorstellen. Dafür muss ein Influencer ein politischer Meinungsmacher in einem Bereich sein, der zu einem Shitstorm führen kann», so Oehen. Das trifft auf Joung Gustav nicht zu. Er hat seine Follower durch humorvolle Videos und Gesangseinlagen gewonnen.
Firmen sichern sich mit Klauseln ab
Agenturen und Unternehmen setzen bei der Zusammenarbeit mit Influencern häufig auf Verhaltensklauseln, damit sich das Risiko eines geschäftsschädigenden Verhaltens reduzieren lässt. Darin können sie ihre Werbeträger bei politisch kontroversen Themen zur Zurückhaltung anhalten. Kann eine Aussage als diskriminierend, rassistisch oder extremistisch eingestuft werden, führt dies in der Regel zur Kündigung der Partnerschaft. Auf den konkreten Fall Gustav angesprochen, wollen die Influencer-Agenturen Kingfluencer und Co. nichts sagen.
Während Politik tendenziell tabu ist, müssen Influencer aber immer öfter Haltung zeigen. Das erwartet gerade ein jüngeres Zielpublikum und wird deshalb auch von den Agenturen und Markenpartnern gewünscht. Hier kann es um Themen wie ein bewusster Konsum oder die psychische Gesundheit gehen.