Nach Nestlé-Rückruf von giftiger Babynahrung
Nach dem Tod eines Säuglings schaltet sich in Frankreich die Justiz ein

Im französischen Bordeaux wurden Ermittlungen wegen dem plötzlichen Tod eines Neugeborenen eingeleitet. Das Baby soll zuvor über mehrere Tage hinweg zurückgerufene Babynahrung von Nestlé konsumiert haben.
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Nestlé rief bislang Babynahrung in über 70 Ländern zurück.

Darum gehts

  • Nestlé ruft seit Jahresbeginn mehrere Babynahrungsprodukte in rund 70 Ländern zurück
  • Die betroffenen Produkte könnten mit dem Gift Cereulid belastet sein
  • Nach dem plötzlichen Tod eines Kleinkindes in Frankreich ermittelt jetzt die Justiz
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Der jüngste Nestlé-Skandal um mit Gift belastete Babynahrung zieht immer weitere Kreise. Seit Jahresbeginn rief der Konzern in rund 70 Ländern Produkte der Marken Beba und Alfamino zurück. Der Grund: Das in den Produkten enthaltene ARA-Öl – das die für Babys wichtige Omega-6-Fettsäure Arachidonsäure (ARA) enthält – könnte mit dem Gift Cereulid verunreinigt sein. Dieses kann zu Durchfall, Erbrechen, aber auch schweren Komplikationen bei Säuglingen führen. Eltern wurden aufgefordert, die betroffenen Produkte aus bestimmten Chargen nicht mehr zu verwenden und im Handel zurückzugeben.

Jetzt ruft der Vorfall die französische Justiz auf den Plan: Nach dem Tod eines Neugeborenen, dem die betroffene Säuglingsnahrung von Nestlé zugeführt wurde, hat die Staatsanwaltschaft von Bordeaux eine strafrechtliche Untersuchung eröffnet. Dies teilte die Behörde am Donnerstag mit, zwei Tage nach der Anordnung einer gesundheitspolizeilichen Untersuchung zu diesem Todesfall.

Baby bekam drei Tage lang Nestlé-Produkt

Nach Angaben von Staatsanwalt Renaud Gaudeul war das Kind nach der Entlassung aus der Geburtsklinik zwischen dem 5. und 7. Januar 2026 mit einer künstlichen Säuglingsnahrung der Marke Guigoz ernährt worden.

Gaudeul habe Analysen angeordnet, um festzustellen, ob das Gift in der konsumierten Milch vorhanden gewesen sei. Die betroffene Milchpulver-Charge der Marke Guigoz gehört ebenfalls zu den Produkten, die Anfang Jahr von Nestlé aus dem Handel zurückgerufen worden waren.

In einer Mitteilung erklärten die französischen Ministerien für Landwirtschaft und Gesundheit, es bestehe eine «umfangreiche, noch dynamische» Gesundheitswarnung. Zugleich sicherten die Behörden eine «kontinuierliche Überwachung» des Vorfalls zu. Und betonten, dass ein Zusammenhang zwischen dem Produkt und dem Todesfall zum jetzigen Zeitpunkt nicht belegt sei.

Auch in Brasilien und Grossbritannien gab es mehrere Medienberichte über erkrankte Babys in Zusammenhang mit der zurückgerufenen Babymilch.

Weitere Konzerne starteten Rückrufaktionen

Auch die Luzerner Firma Hochdorf musste ihr Ziegenmilchpulver der Marke Bimbosan zurückrufen. Betroffen seien 10'000 von insgesamt 1,2 Millionen Packungen, teilte Hochdorf mit.

Zwei weitere Produzenten – der Grosskonzern Danone und Lactalis aus Frankreich – zogen ebenfalls nach. Auch dort könnte die Säuglingsmilch dieselben Verunreinigungen aufweisen.

Verunreinigtes Öl stammt aus China

Nestlé machte bislang keine konkreten Angaben dazu, welcher Lieferant für das verunreinigte ARA-Öl verantwortlich ist. Gemäss dem «Tages-Anzeiger» stammt es von Cabio Biotech aus China. Dies bestätigte eine Sprecherin des Bundesamts für Lebensmittelsicherheit (BLV) gegenüber der Zeitung. Die chinesische Cabio Biotech ist einer von drei globalen Herstellern des Öls.

Zudem habe das Bundesamt für Gesundheit (BAG) keine Kenntnisse von Krankheitsfällen in der Schweiz, erklärte ein Sprecher auf Anfrage. Allerdings seien Erkrankungen im Zusammenhang mit Cereulid auch nicht meldepflichtig.

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