«Kein rentabler Betrieb mehr»
Bürozubehör-Firma Office World macht drei Filialen dicht

Zehn Angestellte verlieren wegen Standortschliessungen in Bern, Luzern und Zürich den Job. Der Bürobedarf-Anbieter ächzt unter der Online-Konkurrenz. Von ehemals 13 Standorten bleiben noch zehn übrig.
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In drei Office-World-Filialen gehen die Lichter aus. Darunter jene am Berner Waisenhausplatz (im Bild).
Foto: Office World

Darum gehts

  • Office World schliesst per Ende Januar und Februar drei Filialen
  • Filialnetz verkleinert sich damit von zwölf auf nur noch neun Standorte
  • Migros verkaufte Office World 2017 an österreichische MTH Retail Group
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Nathalie BennRedaktorin Wirtschaft

Wer heutzutage sein Büro mit neuem Zubehör ausstatten will, erledigt das immer häufiger übers Internet: Drucker, Laptops oder Schulmaterial für die Kinder kann man relativ einfach bei den grossen Onlinehändlern kaufen. Und Ordner, Stifte und Blöcke gibts auch bei den Grossverteilern oder Discountern. 

Fachgeschäfte mit physischen Verkaufsstandorten haben es da schwer. Dies bekommt jetzt auch der Bürobedarf-Anbieter Office World mit Sitz in Bolligen BE zu spüren. Ende dieses Monats schliessen zwei Filialen – in der Berner Altstadt und in Sursee LU – ihre Türen für immer. Ende Februar geht auch der Standort in Winterthur ZH zu, wie die Berner Zeitung zuerst berichtet hat. Das Filialnetz schrumpft damit von ehemals 13 auf noch 10 Läden. 

Zehn Angestellte betroffen – vier ohne Anschluss

Die drei Standorte gehen zu, weil sie sich nicht mehr lohnen. «Ein rentabler Betrieb ist langfristig nicht mehr möglich», sagt Dominik Engeler, Leiter Filialgeschäft bei Office World, gegenüber Blick. Konkret: «Die Erträge im stationären Verkauf sind kaum noch mit den Kosten für Miete, Logistik und Löhne ins Gleichgewicht zu bringen.» Als Auslöser dieser Entwicklung macht er die zunehmende Verlagerung des Handels ins Internet aus. «Das ist leider die harte Realität, der auch wir uns stellen müssen», so Engeler. 

Von den Schliessungen betroffen sind insgesamt zehn Angestellte – je drei in Bern und Sursee, vier in Winterthur. Mit diesen habe man bewusst frühzeitig das Gespräch gesucht, so Engeler. Bei sechs Angestellten konnte eine Nachfolgelösung organisiert oder intern eine Stelle angeboten werden. Vier stehen hingegen noch ohne Lösung da. 

Ist das Aus der drei Standorte erst der Anfang? «Ich kann nicht ausschliessen, dass längerfristig weitere Anpassungen nötig sein werden», sagt der oberste Filialleiter dazu. Und weiter: «Wir dürfen uns nichts vormachen und werden sicher flexibel bleiben müssen angesichts der unaufhaltsamen Digitalisierung und der Verlagerung der Nachfrage zum Onlineshop.»

Unternehmen gehörte lange zum Migros-Imperium

Trotz der Abbaupläne: Die Office-World-Gruppe mit ihren schweizweit gut 300 Mitarbeitenden will «führender Full-Service-Anbieter für Büroartikel und -dienstleistungen in der Schweiz mit dem grössten Sortiment» bleiben, wie Engeler ausführt. Die jüngste Entwicklung zeigt jedoch, dass das Unternehmen seine besten Jahre hinter sich hat.

Einst war Office World sehr begehrt. 1997 kaufte die Migros das sechs Jahre zuvor gegründete Unternehmen. Zwei Jahrzehnte lang war Office World eine Tochter des orangen Riesen. 

2017 verkaufte die Migros-Gruppe das Bürozubehör-Unternehmen aufgrund zunehmender Umsatzrückgänge an die österreichische MTH Retail Group, die sämtliche Mitarbeitende und alle Verkaufsstellen übernahm. Dies markierte den Einstieg des ausländischen Konzerns in den Schweizer Markt. Die MTH Retail Group betreibt in Deutschland und Österreich über 770 Filialen im Papeterie- und Schreibwarenbereich.

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