Darum gehts
- Salt-Mitarbeitende in Bern verkauften Senioren unnötige Verträge und Geräte
- 92-Jährige erhielt fünf Abos, vier Handys und fünf Musikboxen
- Salt forderte zuerst 4200 Franken für Kündigung
Vier Handys, fünf Verträge und fünf Musikboxen für eine 92-jährige Seniorin? Die Sendung «Kassensturz» des Schweizer Fernsehens erhebt schwere Vorwürfe gegen Mitarbeitende der Salt-Filiale am Bärenplatz in Bern.
Diese drehten alten und teilweise dementen Menschen immer wieder unnötige Produkte und Verträge an. Besonders übel erging es Elisabeth Lange (92): Als sie wegen eines technischen Problems mit ihrem Handy die Filiale aufsuchte, ging sie mit vier zusätzlichen Handy-Abos, vier Smartphones und fünf Musikboxen nach Hause.
Kosten: 200 Franken im Monat. Für eine frühzeitige Kündigung der Verträge wollte Salt rund 4200 Franken von der Seniorin.
«Das Alter der Kunden ausgenützt»
Im gleichen Shop drehte ein Mitarbeiter einem dementen 83-Jährigen fünf Abos und fünf Handys an. Auch hier beharrte der Kundendienst auf den Verträgen. Erst als sich «Kassensturz» einschaltete, lenkte der Telekomanbieter ein und stornierte die Abos.
Für Ombudsmann Oliver Sidler ist klar: «In diesen Fällen hat man die Unerfahrenheit und das Alter der Kunden ausgenützt.» Im Internet hat es zahlreiche weitere negative Bewertungen zu der Filiale, wobei von ähnlichen Fällen berichtet wird.
Sara Stalder vom Konsumentenschutz sieht im Provisionssystem für Verkäufer einen Anreiz für missbräuchliche Verkaufspraktiken. «Es ist sehr verlockend für die Verkäufer, möglichst viel zu verkaufen.»
Salt: «Disziplinarmassnahmen ergriffen»
Salt bestätigte gegenüber der Sendung das Provisionssystem und räumte Fehler ein. «Das hätte nicht passieren dürfen und entspricht nicht den Beratungsstandards von Salt.»
Gegen die verantwortlichen Mitarbeiter seien Disziplinarmassnahmen ergriffen worden. «Verkaufsabschlüsse, die nicht am tatsächlichen Bedarf der Kund:innen ausgerichtet sind, tolerieren wir nicht.»