Darum gehts
Eigentlich sollen Business-Apartments Geschäftsreisenden in fremden Städten ein vorübergehendes Zuhause bieten. Die Zimmer sind meist möbliert wie Hotelzimmer, kosten aber weniger. Es hat in der Regel auch eine Küche, deshalb eignen sie sich besonders für längere Aufenthalte.
Doch Business-Apartments erfreuen sich nicht nur bei Geschäftsmännern in weissen Hemden grosser Beliebtheit. Auch Prostituierte haben die Vorzüge der möblierten Zimmer für sich entdeckt. «Für selbständige Sexarbeiterinnen sind Business-Apartments eine diskrete und anonyme Alternative zu Bordellen und anderen Etablissements», sagt Cornelia Zürrer Ritter (59), Leiterin Heilsarmee Rahab Zürich. Seit 28 Jahren berät und begleitet sie mit ihrer Abteilung der christlichen Hilfsorganisation Menschen aus dem Sexgewerbe in der Stadt Zürich.
«Die Wohnungsnot zeigt sich auch hier»
Zürrer Ritter bestätigt, dass es «vermehrt Sexarbeiterinnen gibt, die ihre Dienste in Business-Apartments anbieten». Die Gründe dafür seien vielschichtig. Einige arbeiten in Business-Apartments, andere leben sogar dort, so Zürrer Ritter. «Diese Apartments sind eine Alternative zu den häufig völlig überteuerten Zimmern, die sie sonst mieten können», so die Streetworkerin. «Und auch zu Bordellen, bei denen sie immer einen abgemachten Teil des Verdiensts abliefern müssen.»
Zürrer Ritter weist zudem auf ein strukturelles Problem hin, das Prostituierte knallhart trifft: «Die grosse Wohnungsnot zeigt sich auch hier», sagt sie. «Als ich meine Arbeit im Kreis 4 begann, gab es unzählige Möglichkeiten, Zimmer zu mieten.» Dann kam die Gentrifizierung – alles wurde aufgewertet. «Heute will hier niemand mehr einer Sexarbeiterin eine Wohnung vermieten.»
Das gilt längst nicht mehr nur für den Kreis 4 in Zürich. «Eine Wohnung zu finden, ist für Sexarbeiterinnen fast unmöglich geworden», sagt Zürrer Ritter.
Das neue Rotlichtmilieu
Für die Streetworkerin ist es deshalb schwieriger geworden, sich mit den Prostituierten auszutauschen und ihnen zu helfen. Früher wusste sie genau, wo sie sich aufhielten. Heute können Prostituierte von überallher arbeiten. Denn Business-Apartments gibts in den Zentren genauso wie in den Agglomerationen von Städten. «Das macht es schwierig, einen Überblick zu haben», sagt Zürrer Ritter.
Anbieter möblierter Wohnungen stöhnen unter der Verschiebung des Rotlichtmilieus in ihre Liegenschaften. Anja Graf (48), Gründerin und CEO von Visionapartments, sagte Blick vor kurzem: «Das ist ein Übel, mit dem jeder im Hotelgewerbe zu kämpfen hat.» Graf betonte jedoch: «Wir gehen sehr strikt dagegen vor.»
Kontrolle schwierig
Visionapartments hält fest, es sei verboten, in ihren Zimmern einer gewerblichen Tätigkeit nachzugehen. Das Problem: Die Business-Apartments haben keinen besetzten Empfang. Wer ein Apartment bucht, bekommt einen Code, um ins Zimmer zu gelangen. Das macht eine Kontrolle schwierig.
Wie erfolgreich Visionapartments im Kampf gegen das Sexgeschäft in ihren Zimmern tatsächlich ist, ist schwierig zu sagen. Blick weiss: In der Zürcher Nachbarschaft ist Visionapartments oft nicht gern gesehen. Wegen der «Laufkundschaft», wie ein Nachbar einer der Liegenschaften in Zürich sagt.
Ein zwielichtiges Geschäft
«Letztendlich ist das ein Geschäftsmodell, das muss man ganz klar sagen», sagt Zürrer Ritter von der Heilsarmee. Und die Betreiber von Business-Apartments werden damit reich. Auch für Graf läuft das Geschäft. Allein in und um Zürich betreibt sie über 1000 Business-Apartments. Laut der «Bilanz» beläuft sich Grafs Vermögen heute auf 550 Millionen Franken.
Im März eröffnete sie einen neuen Standort direkt hinter dem Zürcher Hauptbahnhof. Blick war vor Ort und schaute sich die Zimmer an. Sie sind alle fast identisch eingerichtet. An der Wand neben den Betten hängt jeweils ein grosses Bild, auf dem die Silhouette einer nackten Frau zu sehen ist.
Ein interessantes Motiv für ein Unternehmen, das an einem verruchten Image angeblich kein Interesse hat.