Darum gehts
- Visionapartments eröffnet neue Liegenschaft in Zürich mit 68 Zimmern
- Gründerin Anja Graf investierte 29 Millionen Franken in Kauf und Sanierung der Liegenschaft
- 2025 machte Visionapartments einen Umsatz von 60 Millionen Franken
Die Immobilien-Millionärin Anja Graf (48) ist nicht mehr oft in Zürich anzutreffen. Die erfolgreiche Schweizer Unternehmerin lebt aktuell im rumänischen Bukarest. Doch ihre Erfolgsgeschichte hat sie Zürich zu verdanken. Hier ist sie mit dem Kauf von Liegenschaften und dem Vermieten von möblierten Apartments reich geworden.
Diesen Mittwoch stattete sie ihrer alten Heimat einen Besuch ab. Der Grund: Sie eröffnete eine neue Liegenschaft. Das Haus mit 68 Zimmern an der Leonhardstrasse ist nur ein paar Hundert Meter vom Hauptbahnhof entfernt. Graf, Gründerin und CEO von Visionapartments, hat das einstige Hotel Royal vor sechs Jahren gekauft – es war in die Jahre gekommen und stark sanierungsbedürftig. «Seither haben wir nochmals mehr als 4 Millionen Franken in die Sanierung gesteckt», sagt Graf im Gespräch mit Blick. Ihr Blick ist scharf, ihre Antworten auf den Punkt. Graf redet nicht um den heissen Brei.
Betongold machte sie reich
Die Idee, möblierte Wohnungen an Geschäftsleute zu vermieten, hat Graf zur Multi-Millionärin gemacht. Laut der «Bilanz» beläuft sich ihr Vermögen heute auf 550 Millionen Franken. Allein in und um Zürich betreibt sie über 1000 Business-Apartments, europaweit sind es 2500. Graf war zudem als Investorin bei «Die Höhle der Löwen» beim Sender 3+ zu sehen.
Alle Liegenschaften, in denen sich ihre Business-Apartments befinden, gehören ihrer Firma. In Zürich und Umgebung sind es mit der neusten Liegenschaft 31 Gebäude, dazu kommen eines in Bukarest, eines in Berlin und eines in Wien.
Das Geschäft läuft rund
Das Geschäft läuft rund. Die Vermietung ihrer Wohnungen brachte ihrer Firma letztes Jahr 60 Millionen Franken ein. 2026 sollen es nochmals 5 Millionen Franken mehr werden. Der neue Standort an der Leonhardstrasse hat seit zwei Wochen geöffnet. «Er wird gut ausgelastet», so Graf. Die Zimmer kosten je nach Grösse und Aussicht zwischen 80 und 200 Franken pro Nacht.
Ihre erste Liegenschaft kaufte Graf im Jahr 1999. Damals war sie 22 Jahre alt. Im selben Jahr gründete sie ihre Firma – und traf damit den Puls der Zeit. Die Nachfrage war gross, die Immobilienpreise noch deutlich tiefer als heute. «Wir waren Pioniere im Bereich Serviced Apartments», sagt Graf. Heute ist Visionapartments eigenen Angaben zufolge der führende Anbieter von möblierten Wohnungen in der Schweiz.
Graf ist im zürcherischen Winterthur aufgewachsen, lebt aber derzeit in ihrer aktuellen «Lieblingsliegenschaft» von Visionapartments in Bukarest. Sie hat vier Kinder von verschiedenen Vätern. Graf lebt ein modernes Familienmodell, die Väter übernehmen die Erziehung der Kinder mit. Die Patchwork-Familie lebt nicht nur in verschiedenen Häusern, sondern gar in verschiedenen Ländern.
Apartments mit zwielichtigem Ruf
Doch es ist nicht alles Gold, was glänzt. Immer wieder muss sich die Unternehmerin auch Kritik gefallen lassen. Etwa, weil ihre Apartments nicht nur von Geschäftsleuten in weissen Hemden genutzt werden. Sondern auch von Prostituierten. Für sie sind die möblierten Apartments eine gute Alternative zu Bordellen. Sie schätzen die Diskretion und Anonymität. Graf bestreitet nicht, dass die Branche ein Problem hat. «Das ist ein Übel, mit dem jeder im Hotelgewerbe zu kämpfen hat», sagt sie. Betont aber: «Wir gehen sehr strikt dagegen vor.»
«In unseren Apartments darf man keiner gewerblichen Tätigkeit nachgehen», so Graf. Das Problem: Die meisten ihrer Liegenschaften haben keinen besetzten Empfang. Es gibt keine Angestellten, die die Gäste im Eingangsbereich willkommen heissen. Wer ein Apartment bucht, bekommt einen Code, um ins Gebäude zu gelangen. Das macht eine strikte Kontrolle schwierig. Jeder, der die Zahlenkombination kennt, kann sich Zugang verschaffen.
Überwachungskamera für mehr Kontrolle
«Alle unsere Häuser haben eine Kameraüberwachung», so Graf. Zudem werde täglich kontrolliert, wie oft ein Gast die Zahlenkombination beim Eingang benutzt, um ins Gebäude zu gelangen. «Wenn wir feststellen, dass der Zugangscode abends und nachts mehrere Male benutzt wurde, gehen wir konsequent dagegen vor», sagt die Geschäftsfrau. Wer ein Apartment missbräuchlich benutze, erhalte am nächsten Tag ein europaweites Hausverbot für die Vision Group.
Auch den Einheimischen sind die möblierten Wohnungen längst ein Dorn im Auge – nicht nur wegen des zwielichtigen Rufs. Business-Apartments trocknen den Wohnungsmarkt zusätzlich aus. Besonders angespannt ist die Lage in Zürich, wo es kaum mehr bezahlbare Wohnungen gibt.
Graf winkt ab: «Visionapartments hat noch nie reguläre Wohnhäuser zu Serviced Apartments umgenutzt», sagt sie. Die Unternehmerin kauft entweder sanierungsbedürftige Hotels, baut Gewerbeflächen zu Wohnungen um oder baut selbst.