Feldschlösschen verliert Umsatz – und zelebriert 150-Jahr-Jubilaum
Feiern in der Bierkrise

Der Bierkonsum in der Schweiz sinkt seit Jahren deutlich, das Biergeschäft wird immer härter. Feldschlösschen existiert seit 150 Jahren – und setzt zunehmend auf alkoholfreie Biere. Wie die Rheinfelder zur Nummer 1 der Schweiz wurden.
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Am 8. Februar 2026 fällt mit einem Fest für geladene Gäste in Rheinfelden der Startschuss zum Feldschlösschen-Jubiläumsjahr.
Foto: Keystone

Darum gehts

  • Feldschlösschen feiert 150 Jahre
  • Jedes vierte Bier in der Schweiz stammt von Feldschlösschen
  • Bierkonsum sank 2025 auf 46 Liter pro Kopf in der Schweiz
Die künstliche Intelligenz von Blick lernt noch und macht vielleicht Fehler.
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Marco LüssiBlattmacher

Zu feiern gibt es in der Brauereibranche eigentlich nichts. Der Bierkonsum nimmt stetig ab. 2024 fiel er in der Schweiz erstmals knapp unter die Marke von 50 Litern pro Kopf, 2025 waren es gar nur noch 46. (Zum Vergleich: 1990 trank der Durchschnittsschweizer noch 70 Liter).

Der Craft-Bier-Boom ist vorbei, in der Gastronomie wird immer weniger Bier ausgeschenkt. Doch kaum haben viele Schweizerinnen und Schweizer den Dry January überstanden, wird ein Schweizer Bier gross gefeiert: In Rheinfelden AG fällt am Sonntag bei einem Festakt mit 250 Gästen der Startschuss zum Jubiläumsjahr, mit dem Feldschlösschen das 150-jährige Bestehen zelebriert. 

«Wo Menschen zusammenkommen, ist Feldschlösschen»

1876 gemeinsam vom Brauer Theophil Roniger und dem Bauern Mathias Wüthrich im Fricktal gegründet, ist Feldschlösschen heute die Nummer 1 unter den Brauern der Schweiz: Jedes vierte Bier, das in der Schweiz getrunken wird, ist ein Feldschlösschen.

«Überall dort, wo Menschen zusammenkommen, ist auch Feldschlösschen dabei», hält CEO Thomas Amstutz (58) im Magazin fest, das die Firma zu ihrem Jubiläum drucken liess. Darin findet sich auch ein Interview mit Bundesrat Albert Rösti (58), der sich offenbar auch als Bierminister versteht. «Ich wünsche Feldschlösschen, dass es weiterhin Menschen zusammenbringt», sagt der SVP-Bundesrat. «Und dass es damit auch in Zukunft ein Stück Schweizer Identität verkörpert.» Rösti ist auch der Stargast beim Jubiläumsfest.

Andere Brauereien aufgekauft – und geschlossen

Den Grundstein zum nationalen Erfolg von Feldschlösschen legten die Gründer, indem sie die Brauerei nahe an der neuen Bahnlinie bauten, die Basel und Zürich verband. Das machte es möglich, das Bier in alle Landesteile auszuliefern. Feldschlösschen wuchs aber auch, indem es Konkurrenten aufkaufte – und dann deren Produktionsstätten dichtmachte.

Das geschah mit Gurten, Warteck, Hürlimann, Cardinal. Die Marken existieren zwar noch dem Namen nach, gebraut werden sie jedoch nicht mehr in Wabern bei Bern, Basel, Zürich beziehungsweise Freiburg, sondern allesamt in Rheinfelden. 

Hayek-Bruder beendet Bierkartell

Bis Anfang der 90er-Jahre profitierte Feldschlösschen vom Schweizer Bierkartell. Den Markt teilten die Brauer untereinander auf, ohne sich einem lästigen Konkurrenzkampf stellen zu müssen, Konsumenten und Wirte standen den Produzenten machtlos gegenüber.

Doch als 1988 die Cardinal-Herstellerin Sibra Holding, damals unter der Leitung von Sam Hayek (1934–2016), dem Bruder von Swatch-Gründer Nicolas Hayek (1928–2010), aus dem Kartell austrat, war dessen Ende besiegelt. Für Sibra ging die Sache allerdings nicht gut aus: 1991 musste Hayek an Feldschlösschen verkaufen. Fünf Jahre später fusionierte Feldschlösschen mit der Zürcher Brauerei Hürlimann – faktisch war es eine Übernahme. 

Von Dänen übernommen

Im Jahr 2000 sah sich Feldschlösschen dann aber in der umgekehrten Rolle: Auf Betreiben ihrer Grossaktionäre wurde die Firma zerschlagen, die dank der vielen Aufkäufe über wertvolle Liegenschaften und Grundstücke im ganzen Land verfügte.

Aus der Immobiliensparte entstand die PSP Swiss Property, heute der grösste Immobilienkonzern des Landes. Die Getränkesparte wurde vom dänischen Brauereiriesen Carlsberg geschluckt. Der versprach, die Produktionsstandorte in Rheinfelden und Freiburg beizubehalten. Das Versprechen hielt für ein Jahrzehnt – 2011 wurde die Cardinal-Brauanlage stillgelegt.

Hinwendung zum Alkoholfreien

In Rheinfelden jedoch dürfte noch lange über das aktuelle Jubiläumsjahr hinaus Bier gebraut werden. Die Carlsberg-Gruppe, die sich im Mehrheitsbesitz einer Stiftung befindet, setzt bei Feldschlösschen weiter auf ein Schweizer Management. Und dieses bemüht sich, mit dem Zeitgeist zu gehen – etwa indem man das Angebot an alkoholfreien Alternativen ausbaut. 18 sind es mittlerweile. Immerhin ist dies das einzige Segment im Biermarkt, in dem die Zahlen noch steigen. Die übrigen Zahlen geben wenig Anlass zum Feiern: Der Gesamtumsatz des grössten Getränkehändlers der Schweiz ging 2025 um 3 Prozent zurück, der Bierabsatz gar um 5 Prozent.

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