«Erheben Sie Einsprache!»
Goldküsten-Gemeinden proben Aufstand gegen nervige Südstarts ab Kloten

Künftig sollen Flugzeuge ab dem Flughafen Zürich auch Richtung Süden starten. Das soll bei Bise sicherer sein, die betroffenen Gemeinden finden es aber vor allem laut und gefährlich. Es dürfte Einsprachen gegen das Betriebsreglement hageln.
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Künftig sollen Abflüge ab dem Flughafen in Kloten auch Richtung Süden möglich sein.
Foto: Sven Thomann

Darum gehts

  • Flughafen Zürich plant Südstarts ab Piste 16, sorgt für Widerstand
  • Gemeinden wie Küsnacht rufen Einwohner zur Einsprache gegen Fluglärm auf
  • Fluglärmforum Süd vertritt 300'000 Menschen, warnt vor erhöhtem Absturzrisiko
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Patrik BergerRedaktor Wirtschaft

Wer an der noblen Zürcher Goldküste wohnt, lebt privilegiert: Sonne satt, tiefe Steuern und freie Sicht auf den Zürichsee machen Immobilen begehrt und teuer. Wäre da nicht der nervige Fluglärm! Südanflüge reissen viele Bewohner von Stäfa bis Zumikon frühmorgens pünktlich um 6 Uhr aus dem Schlaf – seit 21 Jahren brauchen sie keinen Wecker mehr.

Und jetzt soll alles noch schlimmer werden. Der Flughafen Zürich will seine Maschinen künftig ab Piste 16 auch Richtung Süden starten lassen – vor allem bei Bise. Und so die Sicherheit erhöhen. Die Jets fliegen über Zürich-Witikon, Dübendorf und die Goldküste. Direkt über Wohngebiete hinweg. Seit kurzem liegt das neue Betriebsreglement öffentlich auf. Es legt fest, wann und vor allem wo gelandet und gestartet wird. Und ist höchst umstritten.

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«Erheben Sie Einsprache!»

Bei den betroffenen Gemeinden am See kommt es gar nicht gut an. Sie schlagen Alarm und rufen ihre Einwohnerinnen und Einwohner offen zum Widerstand auf, wie die «Zürichsee-Zeitung» berichtet. Küsnacht etwa kündigte offiziell an, Einsprache zu erheben – und fordert auch die Bevölkerung dazu auf. «Erheben Sie Einsprache und setzen Sie ein Zeichen für den Schutz der dicht besiedelten Wohngebiete und die Bewahrung der Lebensqualität in Küsnacht», schreibt Gemeindepräsident Markus Ernst (53, FDP) in einer Mitteilung.

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Auch Meilen, Zumikon, Herrliberg und Männedorf wollen juristisch gegen die Südstarts vorgehen. Gleichzeitig machen sie ihre Einwohner darauf aufmerksam, dass auch Einzelpersonen Einsprache erheben können. Dafür stellen sie sogar Mustervorlagen zur Verfügung. Weitere Gemeinden dürften folgen. Kommts wieder zu grossen Protestaktionen wie vor der Einführung der Südanflüge? Damals sorgten die sogenannten «Schneiser» mit ihren Demos für Schlagzeilen – etwa beim symbolträchtigen Wehrmännerdenkmal auf der Forch.

«Angesicht des Absturzrisikos nicht vertretbar»

Auch heute ist der Widerstand in der Bevölkerung gross. Das Fluglärmforum Süd ist die Plattform der Städte und Gemeinden im Süden des Flughafens mit 300’000 Einwohnerinnen und Einwohnern. Es nimmt «mit Bedauern zur Kenntnis, dass der Flughafen Zürich Südstarts geradeaus bei Bise beantragt». Man prüfe nun die Unterlagen und behalte sich vor, den Rechtsweg zu beschreiten, wie die Organisation in einer Medienmitteilung schreibt. Denn: Südstarts verringerten die Sicherheit, weil sie über dicht besiedeltes Gebiet führten. «Angesichts des Absturzrisikos ist das nicht vertretbar», warnt das Fluglärmforum Süd.

Auch in der Stadt Zürich und im Osten des Flughafens schaut man kritisch auf die Pläne des Flughafens. «Änderungen im Betriebskonzept dürfen den Osten gegenüber den anderen Himmelsrichtungen nicht benachteiligen», so die Winterthurer Stadträtin Katrin Cometta (50, GLP) in einer Mitteilung. Sie ist Präsidentin der Organisation Region Ost und fordert: «Die Nachtruhe von sieben Stunden muss gewährleistet sein.» Die Region Ost steht für 120 Gemeinden in den Kantonen Zürich, Thurgau, St. Gallen und Appenzell Ausserrhoden mit 744’300 Einwohnern.

Das neue Betriebsreglement liegt noch bis 17. Februar auf. Schon jetzt ist klar, dass ein stattlicher Stapel an Einsprachen eingehen wird.

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