Darum gehts
- Phishing-Mail täuscht Serafe-Rechnung vor, fordert Zahlung für 2026
- Serafe warnt vor E-Mails mit Links und TWINT-Zahlungsaufforderungen
- Rechnungsbetrag korrekt: 335 Franken, echte Rechnungen kommen per Briefpost
Die E-Mail sieht auf den ersten Blick professionell aus: Bei der Verarbeitung der Zahlung der Radio- und Fernsehgebühren fürs Jahr 2026 sei ein Problem festgestellt worden, schreibt der Absender. Dies könne auf eine abgelehnte Zahlungsmethode oder unvollständige beziehungsweise fehlerhafte Zahlungsangaben zurückzuführen sein, heisst es in der E-Mail an einen Blick-Lesereporter. Als Absender steht in der E-Mail oben gross Serafe, also jene Firma, die im Auftrag des Bundes die obligatorischen Gebühren erhebt.
«Bitte stellen Sie sicher, dass Ihre Zahlung für das Jahr 2026 vollständig und fristgerecht erfolgt. Andernfalls können Verzugszinsen, Mahngebühren sowie weitere Verwaltungskosten erhoben werden», heisst es weiter. Die E-Mail enthält gleich auch einen Link, über den die Rechnung per e-Bill bezahlt werden kann. Der angegebene Rechnungsbetrag ist korrekt: 335 Franken. Zudem wird auf den richtigen Webauftritt von Serafe verlinkt.
Betrüger wollen an Kontodaten kommen
«Im ersten Augenblick dachte ich, dass meine Frau die Rechnung bezahlt hat und etwas schiefgegangen ist», so der Leserreporter, der anonym bleiben möchte. «Dass sich die Serafe per E-Mail und nicht per Briefpost meldet, hat mich dann aber stutzig gemacht.» Beim genauen Hinsehen fiel ihm auch die merkwürdige E-Mail-Adresse des Absenders auf.
Ein klarer Fall einer Phishing-Mail, mit der Betrüger an die Kontodaten ihres Opfers kommen wollen. Wer die Zahlungsangaben unter dem Link ausfüllt, sollte umgehend sein Konto sperren lassen.
Der Zeitpunkt ist fies gewählt: Die Serafe-Rechnungen gehen bei den Haushalten übers Jahr gestaffelt ein. Aktuell werden solche Rechnungen verschickt.
Serafe verschickt keine E-Mails für Zahlungen
Der Serafe AG sind die Betrugsversuche bekannt. «In der Schweiz werden derzeit vermehrt Phishing-Angriffe verzeichnet. Diese nehmen sich zuweilen immer raffinierter aus. Die Serafe AG, beziehungsweise ihre Kundinnen und Kunden, sind davon vereinzelt ebenfalls betroffen», sagt Mediensprecher Erich Heynen auf Anfrage. Das Unternehmen warnt deshalb auf der eigenen Webseite vor den betrügerischen E-Mails.
«Die Serafe AG versendet keine E-Mails mit Links, über die Kontoinformationen eingegeben werden sollen, und sie fordert auch nicht dazu auf, TWINT-Zahlungen zu leisten», stellt Heynen klar.
Kantonspolizei warnt regelmässig vor neuen Betrugsmaschen
Auch die Kantonspolizei Zürich kennt die Betrugsmasche: Wer eine verdächtige E-Mail mit Zahlungslink oder Anhängen erhält, sollte diese nicht öffnen, keine Links anklicken und auf keinen Fall eine Zahlung auslösen, schreibt die Kantonspolizei Zürich gegenüber Blick. «Solche Nachrichten können gelöscht oder über die kantonale Polizei gemeldet werden.»
Die Kapo Zürich warnt auf ihrer Webseite regelmässig vor Betrugsfällen. Anfang 2024 verschickten Betrüger offiziell aussehende Fake-Rechnungen im Namen der Schweizerischen Erhebungsstelle für die Radio- und Fernsehabgaben. Statt «Serafe» stand als Absender jedoch «Searfe», wie Blick berichtet hat.
Die Serafe AG versucht, im Rahmen ihrer Möglichkeiten gegen die Betrüger vorzugehen. Man leite bei Betrugsfällen mit eindeutiger Absenderschaft die nötigen rechtlichen Schritte ein, so Heynen.
Am Mittwoch trudelte beim Leserreporter dann tatsächlich noch die richtige Serafe-Rechnung ein – wie üblich per Briefpost.