Sein Trainer ist eine Legende
Naoki Rossi (16) ist der nächste Schweizer Eisprinz

Am Wochenende hat der Eiskunstläufer Naoki Rossi die Gelegenheit, an den Sports Awards den Titel in der Kategorie Best Talent zu holen. Obschon er schon Grosses geleistet hat, ist er im Ausland berühmter als in seiner Heimat.
Publiziert: 06.12.2023 um 17:58 Uhr
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Im Training in Küsnacht ZH wird Naoki Rossi von seiner Mutter Rieko Rossi begleitet.
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Nina KöpferRedaktorin Sport

Während draussen der Regen den Schnee vom Vortag in Matsch verwandelt, ziehen in der Kunsteisbahn Küsnacht ZH eine Handvoll junge Eiskunstläuferinnen ihre Runden. Es ist kalt in der Halle. Die Jugendlichen frieren in ihren dünnen Anzügen. Auch Naoki Rossi (16) reibt sich immer wieder schlotternd die Hände. Er fällt besonders auf. Nicht nur, weil er der einzige Mann auf dem Eis ist, sondern auch weil seine Sprünge und Pirouetten mit Abstand die anspruchsvollsten sind.

Rossi machte zum ersten Mal vor fünf Jahren Schlagzeilen. Damals liess er als Zehnjähriger an der Schweizermeisterschaft seine 16-jährigen Konkurrenten hinter sich. Den Titel holte er sich ungefährdet. Doch danach wurde es still um ihn. Das lag nicht daran, dass sich seine Leistungen verschlechterten. Sondern eher daran, dass er aus der Rolle des Wunderkinds rauswuchs.

Lieber auf dem Eis als auf Instagram

Vom grössten Erfolg seiner Karriere, dem Vize-Weltmeistertitel an der Juniorenweltmeisterschaft in diesem Frühjahr, wurde in der Schweiz wenig Notiz genommen. Dabei darf diese Leistung durchaus als historisch bezeichnet werden. Seit 1977 gelang es keinem Schweizer Mann mehr, an der Junioren-WM Edelmetall zu holen. 

Auf die mangelnde Berichterstattung angesprochen, reagiert der Teenager verdutzt. «Stimmt, jetzt wo sie das so sagen…» Obwohl sich der Vizeweltmeister in vier Sprachen unterhalten kann (Japanisch, Italienisch, Englisch, Deutsch), fällt es ihm schwer, sich selbst zu vermarkten. Soeben wurde er als Best Talent Sport nominiert. Nun muss er die Werbetrommel rühren, wenn er den Titel an den Sports Awards am 10. Dezember holen möchte. Doch das liegt so gar nicht in seiner Natur. 

Ausdrucksstark auf dem Eis

Rossi ist im Gespräch zurückhaltend, spricht bedacht und leise. Vielleicht ist das der Grund, weshalb er auf dem Eis derart wohl ist. «Dort kann ich Emotionen ausdrücken ohne Worte. Alles ist leichter, es fliesst einfach.» Schwere Sprünge sind seine liebsten Elemente. «Das gute Gefühl nach der Landung beweist, dass all das Training sich ausgezahlt hat.»

Schon früh kam Naoki Rossi mit dem Eiskunstlauf in Berührung. Seine Mutter unterrichtete als Tanzlehrerin regelmässig Eiskunstläufer, auch der zweifache Weltmeister Stéphane Lambiel (38) arbeitete mit ihr zusammen. Auch heute noch besteht enger Kontakt – allerdings ist es nun Lambiel, der für Rossi die Choreografien plant. Der Walliser ist von seinem Schüler begeistert: «Ich liebe die Zusammenarbeit mit Naoki. Wenn ich ihm eine Idee gebe, entwickelt er diese gleich weiter. Er liefert immer mehr, als man erwartet. Artistisch ist er grossartig, auf dem Eis bewegt er sich wunderschön.» 

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Es braucht Geduld

Stéphane Lambiel sieht grosses Potenzial im jungen Schweizer. Doch er weiss auch, dass Rossi im Moment in einer schwierigen Phase steckt. Der Wechsel vom Junior zum Eliteläufer ist herausfordernd. Mental, aber auch körperlich: «Naoki ist jung, seine Muskulatur muss sich noch entwickeln. Dafür muss er sich Zeit nehmen.» Bei einem Perfektionisten wie Rossi einfacher gesagt als getan. Das weiss auch sein Choreograf: «Er macht sich oft grossen Druck, wenn etwas nicht sofort funktioniert», erzählt Lambiel. 

Im Gespräch bestätigt der junge Eiskunstläufer diesen Eindruck. Rossi erzählt: «Ich begann mit Eiskunstlaufen, weil es mir Spass gemacht hat. Doch nun kommt der Druck dazu, der Stress, abzuliefern. Da geht der Spass manchmal verloren.» In diesen Momenten erinnert er sich zurück und denkt daran, wie viel Freude ihm dieser Sport bereitet. Die Liebe zum Eiskunstlaufen ist beim Teenager aus Zumikon ZH gross. Beste Voraussetzungen für eine vielversprechende Zukunft.

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