Wegen lebensbedrohlichem Crash 2024 um Sandro Michel
Schweizer Bob-Team boykottiert deutschen Unglücks-Eiskanal

Michael Vogt tritt beim Weltcup-Final in Altenberg nicht an. Grund: Die Sicherheitsmängel, die 2024 fast zum Tod seines Anschiebers Sandro Michel führten. Am Wochenende bei der Heim-EM in St. Moritz ist er aber der Schweizer Hoffnungsträger.
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Die Schweizer Nummer 1 macht um das Weltcup-Finale im deutschen Altenberg einen Bogen: Michael Vogt (hier mit Anschieber Amadou Ndiaye) beendet nach den Heimrennen in St. Moritz die Weltcup-Saison vorzeitig.
Foto: AP

Darum gehts

  • Michael Vogt boykottiert Rennen in Altenberg nach dem Sturzdrama 2024
  • Stammanschieber Sandro Michel erlitt lebensbedrohliche Verletzungen
  • 23-jähriger Kilian Rohn gibt Weltcup-Debüt wegen Vogts Altenberg-Verzicht
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Matthias DubachLeiter Reporter-Pool Blick Sport

Im legendären Natureiskanal zwischen St. Moritz und Celerina GR geht es dieses Wochenende neben Weltcuppunkten auch um die EM-Medaillen. Heisser Anwärter, wie an der Heim-WM 2023 den übermächtigen Deutschen eines auszuwischen und einen Podestplatz einzuheimsen? Michael Vogt (28), die Schweizer Nummer 1.

Ganz egal, wie die Heim-EM rauskommt: Für den Piloten aus Wangen SZ sind die Rennen im Engadin schon die letzten Weltcup-Auftritte vor den Olympischen Spielen im Februar in Cortina (It). Denn Vogt verzichtet in der Woche nach St. Moritz auf das Weltcup-Finale im deutschen Altenberg. Er fährt mit seinem Team stattdessen an den Europacup-Event in Innsbruck.

Das Vogt-Team ist mit der Aufarbeitung nicht einverstanden

Vogt verzichtet also auf die Rückkehr nach Altenberg, wo im Februar 2024 im Training der verheerende Sturz mit seinem Viererschlitten geschah. Sein Stammanschieber Sandro Michel (29) wurde damals mit lebensbedrohlichen Verletzungen ins Krankenhaus nach Dresden geflogen und notoperiert. Der Aargauer kam durch, kämpfte sich durch eine monatelange Reha ins Leben zurück und schuftet weiter an seinem Comeback-Traum im Bob.

«Ich fahre nicht auf einer Bahn, wo einer unserer Anschieber fast gestorben wäre und sich seither nichts geändert hat», erklärt Pilot Michael Vogt gegenüber Blick klipp und klar seinen Boykott. Durch Vogts Fehlen kommt nun Nachwuchspilot Kilian Rohn (23) aus Wiedlisbach BE zu seiner Weltcup-Feuertaufe.

Auch wenn Vogt bewusst ist, dass ein Boykott von lediglich einem einzigen Team begrenzte Wirkung hat – das Team macht klar, dass es auch fast zwei Jahre nach dem Michel-Drama mit der Aufarbeitung in Altenberg nicht einverstanden ist.

Denn der Crash wurde in Deutschland rasch als normaler Teil des Business ad acta gelegt. Auf der ohnehin besonders gefährlichen Bahn können nach wie vor gestürzte Schlitten vom ansteigenden Zielauslauf in die Zielkurve zurückrutschen – und einen allenfalls wie Michel dort liegenden, bewusstlosen und aus dem Bob gefallenen Anschieber schwer verletzen.

Verband steht hinter dem Startverzicht des schnellsten Teams

Seit dem Unfall kehrt der Bob-Weltcup bereits zum zweiten Mal auf die Unglücksbahn zurück. Letzten Winter fehlte Vogt ohnehin wegen einer Rücken-OP. Er kriegt bei seinem Altenberg-Verzicht Rückendeckung vom Verband. «Die Selektionskommission hat Verständnis für diese ausserordentliche Situation», heisst es im Schreiben über die Teamzusammenstellungen für die beiden letzten Rennen vor Olympia.

Swiss Sliding wirbelt nach dem Anschieber-Stichtag in der Altjahreswoche mit den für Olympia entscheidenden Leistungstests die drei Schweizer Teams mächtig durcheinander. Die schnellsten Anschieber sollen für bessere Medaillenchancen in die schnellsten Bobs – allerdings ist das im Viererbob eine komplizierte Sache, weil auch Faktoren wie die Teamharmonie beim Einsteigen, Zwischenmenschliches, Gewichtsverteilung und Aerodynamik und nicht nur der reine Sprint-Speed eine Rolle spielen.

So verzichtet Vogt in St. Moritz auf den schnellen Luca Rolli (28) und auf den Anschieber-Senkrechtstarter aus der Leichtathletik, Enrico Güntert (28), weil sich beim Stichtag-Besten zuletzt in Winterberg im Vierer die Unerfahrenheit zeigte.

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