Das Podest
1. Atle Lie McGrath (No) 1:44,50
2. Clément Noël (Fr) +0,30
3. Loïc Meillard (Sz) +0,39
Das Rennen
Loïc Meillard ist definitiv in der Slalomsaison angekommen. Seinen 2. Platz von Val d'Isère (Fr) bestätigt der Westschweizer auf der Gran Risa in Alta Badia (It) mit dem 3. Rang.
Meillard, der das Rennen eröffnet, zeigt ebenfalls eine sehr flüssige, fehlerfreie Fahrt und hält als Dritter die Podest- und auch die Siegchancen intakt. 26 Hundertstel beträgt sein Rückstand auf den amtierenden Slalom-Olympiasieger und Halbzeit-Führenden Clément Noël. Ein grober Fehler im zweiten Sektor des 2. Laufs kostet ihn dann aber eine noch bessere Zeit – und vielleicht auch den Sieg. Schon letztes Jahr stand Meillard als Zweiter auf dem Alta-Badia-Podest.
Für Noël hätten es tatsächlich «Joyeux Noël» werden können, also «fröhliche Weihnachten». Nach dem ersten Lauf liegt der Franzose in Führung, muss diese im zweiten dann aber noch abgeben – an Atle Lie McGrath. Der Norweger feiert seinen vierten Weltcup-Sieg, seinen ersten seit Wengen im Januar.
Die Schweizer
7. Tanguy Nef +0,93
26. Daniel Yule +1,76
27. Matthias Iten +1,92
Den 2. Lauf verpasst: 39. Marc Rochat (+2,11), 46. Ramon Zenhäusern (+2,48), 52. Luca Aerni (+2,69), 57. Sandro Simonet (+3,69).
Tanguy Nef hat im ersten Lauf mehrmals Probleme, zweimal scheidet er fast aus – und ist dann nicht mal so langsam, wie man vermuten würde. Knapp neun Zehntel verliert er auf die Bestzeit und geht als Zehnter des 1. Laufs in die Entscheidung. Am Ende fährt er aber wie schon in Gurgl (Ö, Platz 5) in die Top 10.
Viele Fehler hat Daniel Yule nicht drin, aber schnell ist er auch nicht. Mit der Nummer 17 gestartet, kommt er als Letzter ins Ziel. Danach sagt er im SRF-Interview: «Ich muss nun hoffen, dass es für den 2. Lauf reicht.» Tut es, wenn auch knapp. Als 29. schafft er die Quali, seine Position kann er um drei Ränge verbessern.
In Val d'Isère raste Matthias Iten auf den sensationellen 10. Platz. Und auch in Alta Badia sorgt der Mann aus Unterägeri ZG für Furore: Mit Startnummer 47 fährt er auf Rang 23 und schafft die Quali für den 2. Durchgang. Dort verliert er dann aber viel Zeit und vier Plätze.
Ramon Zenhäusern, der Alta-Badia-Sieger von 2020, kommt nicht richtig rein, verliert schon in den ersten zwei Sektoren 1,70 Sekunden. Er kommt als 29. ins Ziel, beide nachfolgenden Athleten schieben den Walliser direkt aus den Top 30. Damit kommen nach den ersten Weltcup-Punkten, die er sich in Val d'Isère geholt hat (25. Platz), keine weiteren hinzu.
Ein paar Plätze weiter vorne reiht sich Marc Rochat ein, aber auch er schafft die Qualifikation für den 2. Lauf nicht. Im Gegensatz zu Zenhäusern wartet der 33-Jährige in dieser Saison aber noch auf Punkte. In Levi und Gurgl verpasste er ebenfalls den 2. Durchgang, in Val d'Isère schied er aus.
Nach einem sehr überzeugenden Auftritt im Riesenslalom am Samstag setzt es für Luca Aerni einen herben Dämpfer im Slalom ab. 2,69 Sekunden verliert der Berner auf Noël und verpasst ebenfalls den 2. Lauf. Eine Sekunde mehr verliert Sandro Simonet (30). Allerdings ist es für den Bündner auch der erste Weltcup-Slalom seit Februar 2024.
Die Stimmen (gegenüber SRF)
Loïc Meillard: «Einerseits ärgere ich mich, weil ich mit dem Fehler wohl den Sieg weggeworfen habe. Andererseits freut es mich, dass ich mit diesem Fehler doch noch aufs Podest fahren kann. Ich habe versucht, zu attackieren, oben ist es aufgegangen. Ich habe dann weiter versucht, den Speed mitzunehmen und plötzlich hatte ich es nicht mehr unter Kontrolle. Das kostet dann halt viel. Wir haben im Sommer viel so trainiert, dass die Läufe den Rhythmus oft wechseln, deshalb funktioniert es. Jetzt kann ich Weihnachten geniessen, ein Glas Wein trinken, dann gehts aber schon bald wieder weiter.»
Tanguy Nef: «Es waren viele gute Schwünge dabei, aber auch einige Fehler im ersten Lauf. Ich wollte im zweiten Lauf nicht zu viel Risiko nehmen. Ich nehme aber trotzdem viel Positives mit und ich fahre gut. Ich bin da, wo ich sein will. Jetzt kommt der grosse Monat und ich habe ein gutes Gefühl. Meine Technik ist da und ich würde gerne mit Loïc aufs Podest fahren. Heute hätte es mit dem Podest klappen können, wenn ich im ersten Lauf etwas mehr Risiko genommen hätte und einen sauberen zweiten gehabt hätte.»
Daniel Yule: «Ich würde mir schnelle Schwünge wünschen. Ich hatte im 2. Lauf das Gefühl, dass etwas mehr Tempo drin war, dass einige Kurven schnell waren. Trotzdem war es putzlangsam. In der Weihnachtspause muss ich über die Bücher. Der Hang und Schnee sind sehr einfach, ich habe vielleicht etwas zu viel gewollt. Mit Gewalt hat es nicht funktioniert.» Nach dem ersten Lauf sagte er: «Es war kein guter Lauf. Ich habe es nicht geschafft, den Ski freizugeben und zu beschleunigen. Die Kurssetzung ist nicht so schnell, der Schnee ist ziemlich langsam und ich habe kein Tempo gemacht – das ist kein Erfolgsrezept.»
Matthias Iten: «Ich nehme die Punkte, aber ich wollte mehr angreifen und habe einen Fehler gemacht. Das tut weh. Ich wollte noch etwas rausholen, dann kann das halt passieren. Man kann sich an den Weltcup gewöhnen, aber ich muss jetzt einfach weiter so Ski fahren. Dann gibts hoffentlich noch ein paar Rennen im Weltcup.»
Das gab zu reden
Im vierten Slalom gibts den vierten Sieger. Nach Lucas Pinheiro Braathen (Levi), Paco Rassat (Gurgl) und Timon Haugan (Val d'Isère) schlängelt sich McGrath am schnellsten durch den Stangenwald. Doch alle Rennen sind knapp: 0,31 Sekunden betrug der bisher grösste Vorsprung. Es ist das totale Gegenteil zur Frauen-Konkurrenz im Slalom: Alle vier Rennen hat Mikaela Shiffrin gewonnen, mit insgesamt 6,01 Sekunden Vorsprung auf Platz 2.
Das gab zu reden II
Apropos verschiedene Sieger: Es ist der achte Slalom, der auf der Gran Risa ausgetragen wird, und bislang haben sieben verschiedene Athleten triumphiert. Markus Larsson (Sd, 2006), Jean-Baptiste Grange (Fr, 2007), Ivica Kostelic (Kro, 2008), Reinfried Herbst (Ö, 2009), Marcel Hirscher (Ö, 2011), Ramon Zenhäusern (Sz, 2020) und Timon Haugan (Nor, 2024) hiessen die bisherigen Sieger. Letzterer verpasst in diesem Jahr die Titelverteidigung, wird aber trotz starker Rückenschmerzen Vierter und behält das Leadertrikot.
Das gab zu reden III
Am Sonntag ist Marco Schwarz (30) im Riesenslalom noch der grosse Sieger, erstmals seit fast genau zwei Jahren gewinnt der Österreicher wieder ein Weltcuprennen. Am Montag ist er dann der Unglücksrabe: Im zweiten Lauf gerät er ins Straucheln und scheidet beim allerletzten Tor aus.
Die Bedingungen
Die Temperaturen liegen knapp unter dem Gefrierpunkt, der Himmel leichten Schleierwolken verdeckt. Der Schnee ist im Vergleich zu anderen Jahren weicher, gemäss SRF-Experte Marc Berthod (42) aber immer noch kompakt und aggressiv.
So gehts weiter
Die Slalom-Cracks werden erst im neuen Jahr wieder an den Start gehen, am 7. Januar steht das Nachtspektakel in Madonna di Campiglio (It) an. Ein Rennen gibts bei den Männern in diesem Jahr aber noch: Am 27. Dezember geht in Livigno ein Super-G über die Bühne.



