Das Podest
1. Mikaela Shiffrin (Us) 1:43,35
2. Emma Aicher (De) +0,94
3. Wendy Holdener (Sz) + 1,00
Das Rennen
Camille Rast ist nach ihrem Ausscheiden als Halbzeit-Führende beim zweiten Durchgang im Riesenslalom in Are auf Revanche aus. Am Morgen kommt die Walliserin im Slalom aber nicht auf Touren. Bei ihr passt wenig zusammen, vor allem im Mittelteil fällt sie deutlich zurück und fährt schliesslich mit einem Rückstand von über einer Sekunde ins Ziel. Zur Halbzeit ist sie «nur» Neunte. Auch am Nachmittag greift Rast nicht voll an. Der Vorsprung schmilzt von Zwischenzeit zu Zwischenzeit. Unten im Ziel ist sie nicht zufrieden und schüttelt den Kopf. Am Ende muss sie mit Platz zehn vorliebnehmen.
Die Schweizer Podest-Hoffnungen liegen so auf Wendy Holdener, die zum baldigen Saisonende nochmal richtig aufdreht. Die Schwyzerin verschafft sich zur Halbzeit eine gute Ausgangslage für den Nachmittag. Sie kommt im ersten Lauf zunächst nicht gut vom Start weg, kann unten dann aber aufdrehen und etwas Zeit gutmachen. Holdener liegt am Morgen als beste Schweizerin auf Rang vier und schielt auf das Podest. Ihr fehlen nur 13 Hundertstel auf die Österreicherin Katharina Truppe auf dem dritten Platz. Am Nachmittag gibt Holdener auf dem Kurs des Schweizer Trainers Christian Brill richtig Vollgas und kommt ohne Fehler durch. Am Ende setzt sie die zwischenzeitlich deutliche Bestzeit, wird aber am Ende von Tagessiegerin Mikaela Shiffrin und Emma Aicher noch abgefangen. Holdener fährt so zum zweiten Mal nach Kranjska Gora im Januar auf den dritten Rang.
Unangetastet bleibt die Zeit von Shiffrin, die das Rennen überlegen gewinnt. Die Amerikanerin, die sich die Slalom-Kugel bereits gesichert hat, nimmt den Stangenwald als Dritte in Angriff und baut von Anfang an Tempo auf. Sie ist so in allen Abschnitten am schnellsten unterwegs und setzt eine Zeit, an die keine Fahrerin herankommt. Am nächsten kommt ihr ihre Konkurrentin um den Gesamtweltcup. Emma Aicher verliert auf dem Kurs ihres Trainers Markus Lenz am Morgen eine halbe Sekunde auf Shiffrin. Am Nachmittag geht die Allrounderin in Führung, sieht diese jedoch wenig später von Shiffrin egalisiert. Mit ihrer nächsten Machtdemonstration sichert sich die Saison-Dominatorin vor der Deutschen mit fast einer Sekunde ihren achten Saisonsieg.
«Ich war am Morgen noch müde», verriet die Amerikanerin nach dem ersten Lauf gegenüber SRF. Die Müdigkeit sei danach bis zum zweiten Lauf nicht weggegangen, sagt sie nach dem Rennen im Siegerinterview. «Ich habe zwei Powernaps gemacht: Direkt nach dem ersten Lauf 20 Minuten, danach nach der Besichtigung des zweiten Laufs nochmals eine Viertelstunde. Das hat mir geholfen», so Shiffrin. Und trotz der Müdigkeit siegt sie schlussendlich klar.
Die Schweizerinnen
10. Camille Rast +2,29
16. Melanie Meillard +2,63
27. Eliane Christen +4,82
DNF1: Nicole Good, Selina Egloff
Den 2. Lauf verpassen: 32. Janine Mächler +3,22, 34. Aline Höpli 3,39 und Aline Danioth 3,66.
Melanie Meillard hat am Morgen nach dem Start einige Wackler drin und fällt daher früh zurück. Im zweiten Durchgang rutscht die Walliserin oben einige Male weg und kommt so von der Linie weg. Ihren Vorsprung verliert sie daher bereits im Mittelteil. Den Rückstand kann sie bis ins Ziel nicht mehr aufholen.
Auch Eliane Christen hat oben Probleme und kommt aus dem Rhythmus. Die Fehler kann sie bis unten nicht wettmachen, weshalb sich ein grosser Rückstand zur Halbzeit ansammelt. Am Nachmittag scheint sie mit gezogener Handbremse zu fahren und verliert so schnell viel Zeit. Am Ende klassiert sie sich am Ende des Klassements.
Aline Höpli startet zwar gut, verliert danach aber viel Zeit. Am Ende reicht es mit über drei Sekunden Rückstand nicht für den zweiten Lauf. Auch Janine Mächler legt fulminant los, hat oben bei der ersten Zeitmessung noch die neuntbeste Zwischenzeit und kommt anschliessend als 30. ins Ziel. Die Zürcherin wird allerdings noch abgefangen und verpasst den zweiten Durchgang als 32. nur knapp. Auch Aline Danioth verliert zu viel Zeit und ist am Nachmittag nicht dabei.
Nicole Good scheidet bereits am Morgen aus. Es hebt sie bei einer Welle aus und sie verpasst das nächste Tor. Auch für Selina Egloff ist das Rennen im ersten Lauf schon nach wenigen Toren zu Ende.
Die Stimmen (gegenüber SRF)
Wendy Holdener nach dem Rennen: «Ich wusste, dass die Konkurrentinnen auf dem salzigen Untergrund gut fahren. Daher musste ich richtig gut Ski fahren. Ich konnte es noch nicht einschätzen, als ich die Zeit sah, musste ich jubeln, weil ich grosse Freude hatte. Nachher wurde es richtig spannend. Ich hatte das Gefühl, dass ich sauber in den Spuren gefahren bin und auch die Schlüsselstelle gut gemeistert habe. Ich hatte die Saison aber auch schon ein gutes Gefühl und lag dann eine Sekunde hinten. Es war schön, das nachher Schwarz auf Weiss zu sehen. Ich hatte auch einen strengen Morgen. Es waren aber persönliche Sachen, nichts, was mit Skifahren oder der Piste zu tun hatte.»
Holdener nach ihrem ersten Lauf: «Ich hatte sehr viel Gutes drin. Oben kam ich dem Ski nicht hinterher, da war es mehrmals knapp. Ab der Mitte bis ins Ziel bin ich sehr zufrieden. Ich bin frech gefahren und habe die Linie angegriffen. Ich habe versucht, von oben bis unten Gas zu geben und stehe jetzt gut da. Ich bin schon viel näher dran, als ich es mir vorgestellt habe.»
Camille Rast nach dem Rennen: «Ich habe heute den Schlüssel nicht gefunden. Auf dieser Piste ist es entweder sehr gut oder sehr schlecht. Dieses Wochenende war es sehr schlecht. Ich muss mitnehmen, was ich daraus lernen kann. Die Geschwindigkeit war das grosse Problem. Ich hätte heute schneller fahren sollen. Ich wollte zu schön und zu fehlerfrei fahren. Auf dieser Strecke muss man aber all-in gehen. Das Wochenende war sicher nicht optimal.»
Camille Rast nach ihrem ersten Lauf: «Ich bin gefahren, als wäre es steil und hart, leider ist das aber nicht so. Ich kam daher am Hang nicht vorwärts. Ich muss etwas anpassen für den zweiten Lauf. Es gibt wenige Kurven, die steil sind. Die muss man genau treffen, um Geschwindigkeit mitzunehmen. Ich habe mich zu wenig angepasst.»
Melanie Meillard nach dem Rennen: «Es ist immer interessant zu wissen, wo wir Zeit verloren haben. Es ist schwierig zu sagen, wo das bei mir war. Es hat sich im zweiten Lauf besser angefühlt als im ersten. Es ist aber noch nicht gut und noch nicht dort, wo ich es haben möchte. Ich hatte aber ein paar gute Tore und gute Schwünge drin.»
Eliane Christen nach dem Rennen: «Mit dem ganzen zweiten Lauf kann ich nicht wirklich zufrieden sein. Es war von oben bis unten nicht gut. Ich habe jeweils etwas Mühe, wenn es so salzig ist. Ich habe zu wenig angegriffen, stand zu hart auf den Ski. Es hat alles gar nicht wirklich gepasst. Ich habe noch viel Arbeit vor mir. Wenn es diese Verhältnisse sind, muss ich noch einen Schritt machen.
Der Kugel-Kampf
Die kleine Kristallkugel im Slalom bei den Frauen ist bereits vergeben. Saison-Dominatorin Mikaela Shiffrin hatte sich ihre neunte Slalom-Kugel bereits Ende Januar im tschechischen Spindlermühle vorzeitig gesichert. Und dies mit einer Machtdemonstration: Mit 1,67 Sekunden Vorsprung gewann sie damals vor der Schweizerin Camille Rast.
Der Gesamtweltcup ist derweil noch offen. Zwei Fahrerinnen kommen noch infrage: Mikaela Shiffrin führt in der Wertung aktuell 140 Punkte vor Emma Aicher. Die Entscheidung fällt somit erst am Weltcupfinale in Norwegen. Die Deutsche startet im Gegensatz zur Amerikanerin in allen vier Disziplinen und hat so noch viele Möglichkeiten, Boden gut zu machen.
Das gab zu reden
Für Ana Bucik Jogan ist der Slalom in Are das letzte Rennen ihrer Karriere. Die Slowenin gab kurz vor dem Heimrennen in Kranjska Gora bekannt, Ende Saison Schluss zu machen. Die 32-Jährige fährt in Schweden auf den 23. Rang und sammelt so zu wenig Punkte, um in der Disziplinenwertung noch in die Top 25 vorzurücken, die für das Weltcupfinale in Lillehammer (No) berechtigen würde. Nach 110 Rennen ist somit Schluss für die Technik-Spezialistin.
Bucik Jogan war seit 2014 im Ski-Weltcup dabei. In den Jahren 2022 und 2023 gehörte sie zu den Top Ten der Slalomfahrerinnen, danach kämpfte sie in den letzten Jahren darum, in den Top 20 zu bleiben. Ihren einzigen Podestplatz fuhr sie in der Schweiz ein: 2018 belegte sie bei der Alpinen Kombination in der Lenzerheide Rang drei. Bucik Jogan ist nicht die einzige Slowenin, die sich nach diesem Winter aus dem Ski-Zirkus zurückzieht. Am Samstag gab auch die zweifache Abfahrtsweltmeisterin Ilka Stuhec ihren Rücktritt bekannt.
Die Bedingungen
Am Morgen präsentiert sich das Wetter in Are von seiner besten Seite. Nur wenige Wolken sind am Himmel zu sehen. Die Temperaturen bewegen sich knapp um den Gefrierpunkt. Mit jeder Fahrerin ist die Piste stärker gezeichnet, wodurch sich Spurrillen bilden. Dennoch haben auch noch Fahrerinnen mit einer hohen Startnummer die Chance, sich für den zweiten Durchgang zu qualifizieren, die Italienerin Emilia Mondinelli fährt etwa mit Nummer 54 noch auf den 22. Platz vor. Auch am Nachmittag herrscht Sonnenschein bei blauem Himmel. Die Temperaturen sind über die Nullgradgrenze gestiegen, der Schnee somit etwas weicher.
So gehts weiter
Der Slalom in Are war die letzte Station vor dem Weltcupfinale. In diesem Winter steht nun in jeder Disziplin noch ein Rennen auf dem Programm. Der Slalom in Lillehammer (No) findet am 24. März statt, der 1. Lauf startet dabei um 10.30 Uhr.



