Schweizer Duo in Top 10
Iten nach Aufholjagd sprachlos – Meillard total bedient

Matthias Iten glänzt nach Aufholjagd als Sechster – Loïc Meillard ist nach Platz 4 total bedient. Sieger ist wie im Vorjahr Atle Lie McGrath – er jubelt vor Lucas Braathen und Henrik Kristoffersen.
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Ramona BieriRedaktorin Sport

Das Podest

1. Atle Lie McGrath (No) 1:45,99
2. Lucas Braathen (Bra) +0,47
3. Henrik Kristoffersen (No) +0,81

Das Rennen

Schweizer Slalom-Podestplätze sind in Wengen eine Seltenheit (siehe «Das gab zu reden»). Zur Halbzeit dürfen die einheimischen Fans aber auf eine Ski-Party hoffen. Loïc Meillard liegt auf Platz 2. Bevor der Weltmeister in der Entscheidung an der Reihe ist, lässt aber ein anderer Schweizer Wengen beben: Matthias Iten. Er braucht eine Rettungstat, um im Lauf zu bleiben und setzt sich dennoch deutlich an die Spitze. Und das, nachdem er schon am Morgen glänzt und sich mit Startnummer 44 als 23. für den 2. Lauf qualifiziert hat.

Was danach kommt, ist ein Riesensprung nach vorne. Iten kann es sich auf dem Leaderthron so richtig gemütlich machen und dabei zuschauen, wie ein Konkurrent nach dem anderen an seiner Zeit scheitert. Schon bald ist klar: Er erfüllt nach Platz 10 in Val d'Isère (Fr) auch die zweite Hälfte der Vorgaben fürs Olympia-Ticket. Aber wie weit nach vorne gehts? Erst als der Halbzeit-Fünfte Timon Haugan 1,61 Sekunden Vorsprung mit in den Stangenwald nimmt, ist die Zeit von Leader Iten vorbei. Am Ende ists Platz 6 – sein Karriere-Bestresultat.

Und Meillard? Der probiert alles, hat aber mit der gezeichneten Piste zu kämpfen. Und fällt zwei Positionen zurück. Als Vierter schrammt er am Treppchen vorbei. Das ist wie schon im Vorjahr in Norweger-Hand – wenn auch dieses Mal nicht ganz zu 100 Prozent. Atle Lie McGrath wiederholt seinen Triumph vor dem für Brasilien startenden Ex-Norweger Lucas Braathen. Komplettiert wird das Podest von Henrik Kristoffersen. Der dreifache Wengen-Sieger knackt damit eine besondere Marke. Er gehört nun zum elitären 100er-Klub (siehe «Das gab zu reden II»).

Die Schweizer

4. Loïc Meillard +1,30
6. Matthias Iten +2,07
18. Daniel Yule +2,99
Den 2. Lauf verpassen: 40. Sandro Simonet +3,07, 45. Ramon Zenhäusern +3,54, 47. Luca Aerni +3,82
DNF 1: Tanguy Nef, Marc Rochat

Nur auf Platz 17 ist Daniel Yule zur Halbzeit. Nicht das, was seinen Ansprüchen entspricht. Gibts deswegen am Nachmittag den grossen Angriff? Nein. Er kann sich nicht steigern. Und beisst sich an der Zeit von Teamkollege Iten die Zähne aus.

Die Enttäuschung ist Ramon Zenhäusern ins Gesicht geschrieben. Er handelt sich im 1. Lauf einen derart grossen Rückstand ein, dass er die Entscheidung deutlich verpasst. Der Walliser kämpft im SRF-Interview gar mit den Tränen. Denn für ihn geht es noch um die Olympia-Quali, er braucht eine zweite Top-15-Klassierung. Dafür bleibt nur noch eine Chance: der Slalom in Kitzbühel.

Luca Aerni und Sandro Simonet kommen im 1. Lauf ebenfalls nicht auf Touren. Wie Zenhäusern verlieren sie sehr viel Zeit und müssen am Nachmittag mit der Zuschauerrolle vorliebnehmen.

Letztes Jahr hat Tanguy Nef das Wengen-Podest als Vierter um vier Hundertstel verpasst. Dieses Mal kommt er den Top 3 nicht einmal ansatzweise in die Nähe. Mit einem Einfädler scheidet er im 1. Lauf aus. Auch Marc Rochat schaffts am Morgen nicht ins Ziel.

Die Stimmen gegenüber SRF

Daniel Yule: «Die Fahrt war ganz okay, aber zwei Fehler, die ziemlich viel Zeit kosten. Das ist ärgerlich, vor allem wenn man sieht, dass nach vorne nur wenige Hunderstel fehlen. Aber es ist ein Schritt in die richtige Richtung. Gute Kurven und schnelle Passagen waren dabei – darauf muss ich aufbauen.»

Matthias Iten: «Platz sechs ist unglaublich, der Wahnsinn. Ich glaube, das war etwas vom Besten, was bei mir aktuell möglich ist. Am Start habe ich mir vorgenommen, das Herz in die Hand zu nehmen und anzugreifen. Der Plan ist voll aufgegangen. Vor heimischen Publikum – das ist unglaublich. Die Olympia-Limite erfüllt zu haben – das ist Wahnsinn. Das habe ich mir Anfang Saison nicht erträumt. Da fehlen mir die Worte.»

Loïc Meillard: «Im zweiten Lauf hat alles gefehlt, um es aufs Podest zu schaffen. Es war eigentlich richtig schlecht, ich kann gar nicht zufrieden sein damit. Am Ende fehlen neun Zehntel – das kann nicht gut sein. Ich war weder im Rhythmus noch in der richtigen Spur.»

Ramon Zenhäusern: «Ich weiss nicht, was sagen. Ich habe mich nicht so langsam gefühlt, aber es war putzlangsam. Ich war im Ziel und hatte fast das Gefühl, die Zeitmessung sei falsch. Irgendwas im Kopf war wohl. Ich wollte zu viel mit der Olympia-Quali und den Punkten, es unbedingt gut machen. Da funktionierts irgendwie nicht mehr. Noch schlimmer wäre es, wenn ich es nicht in den Beinen hätte. Und das hab ich, in den Trainings funktionierts. Das Leben geht weiter. Aber klar, lustig ist es nicht. Weiter hoffen und probieren, vielleicht klappts noch, vielleicht nicht – das sehen wir dann. Momentan ist die Enttäuschung gross. Ich bin richtig langsam runtergefahren. So hab ich das nicht erwartet, vor allem mit der Form, die ich habe. Unter der Woche habe ich super trainiert. Dass ich mich so einschüchtern und verkopfen lasse, ist schon eindrücklich mit der Erfahrung, die ich habe.»

Das gab zu reden

Schweizer Podestplätze im Wengen-Slalom sind rar. In 46 Austragungen hat es erst zehnmal ein Einheimischer in die Top 3 geschafft. Siege gab es nur zwei: 1968 durch Dumeng Giovanoli und 1987 durch Joël Gaspoz. Die Durststrecke ist lang – vor allem wenn man bedenkt, dass in der Abfahrt dank Marco Odermatt der Sieg am Samstag zum vierten Mal hintereinander an die Gastgeber ging. Und auch nach dem Slalom 2026 ist klar: Das Warten auf den nächsten Heimsieg geht mindestens ein Jahr weiter.

Das gab zu reden II

Wengen ist für Henrik Kristoffersen ein gutes Pflaster. Achtmal ist der Norweger schon aufs Podest gefahren – je dreimal als Sieger und Dritter sowie zweimal als Zweiter. Bei seiner zwölften Teilnahme winkt Kristoffersen eine besondere Marke. Er jagt den 100. Podestplatz seiner Karriere. Eine beeindruckene Zahl, die bisher nur von drei Fahrern erreicht wurde: Ingemar Stenmark, (Sd, 155), Marcel Hirscher (Ö, 138) und Marc Girardelli (Lux, 100). Nun zählt dank eines weiteren 3. Platzes auch Kristoffersen zu diesem exklusiven Klub – der wohl schon bald noch ein weiteres Mitglied begrüssen darf. Denn Marco Odermatt steht derzeit bei 98 Podestplätzen.

Die Bedingungen

Der Himmel über Wengen ist am Morgen etwas bewölkt, aber die Sonne drückt schon durch. Die Piste hingegen sorgt vor dem Start für Ärger. Gemäss SRF soll Henrik Kristoffersen nach der Besichtigung ziemlich wütend gewesen sein. Der Grund: Sie ist nicht einheitlich, hat weiche, aber auch eisige Stellen. Etwas, das dem Norweger offensichtlich nicht passt – auch wenn er im Rennen dann doch bestens damit zurechtkommt. Die Organisatoren haben wegen der fast frühlingshaften Temperaturen mit Wasser und Salz gearbeitet. Die Piste ist dennoch schon früh gezeichnet. Gegenüber SRF sagt OK-Präsident Urs Näpflin, dass überall gleich präpariert wurde – die Sonneneinstrahlung und weitere äussere Bedingungen sorgen für die Unterschiede.

So gehts weiter

Die Reise geht weiter nach Österreich, genauer gesagt nach Kitzbühel. Dort stehen am Freitag ein Super-G (11.30 Uhr), am Samstag die legendäre Hahnenkammabfahrt (11.30 Uhr) und zum Abschluss der Slalom auf dem Ganslernhang (1. Lauf 10.30 Uhr) auf dem Programm.

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