Iten zaubert im Wengen-Slalom Traumlauf auf die Piste
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Olympia-Limite erfüllt:Iten zaubert im Wengen-Slalom Traumlauf auf die Piste

Olympia-Qualifikation nach Slalom-Show in Wengen geschafft
Das steckt hinter dem Aufstieg von Swiss-Ski-Ass Iten

Hochs und Tiefs beim Slalom in Wengen: Loïc Meillard verpasst das Podest und ist enttäuscht, während Matthias Iten mit Laufbestzeit auf Platz sechs stürmt und die Olympia-Qualifikation schafft.
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Loïc Meillard gelingt der zweite Lauf in Wengen nicht wunschgemäss.
Foto: Getty Images

Darum gehts

  • Loïc Meillard und Matthias Iten erleben unterschiedliche Gefühle beim Wengen-Slalom
  • Iten sichert mit Platz sechs Olympia-Qualifikation nachdem er an Rücktritt dachte
  • Swiss-Ski-Cheftrainer Tom Stauffer erklärt, warum es für Iten nun aufgegangen ist
Die künstliche Intelligenz von Blick lernt noch und macht vielleicht Fehler.

Aus Schweizer Sicht ist es ein Slalom der gemischten Gefühle in Wengen. Während Loïc Meillard (29) nach dem Rennen mit hängendem Kopf durch den Zielraum stapft, strahlt Teamkollege Matthias Iten (26) über das ganze Gesicht. Beide fahren in die Top 10 – doch ihr Innenleben könnte unterschiedlicher kaum sein.

Meillard liegt nach dem ersten Lauf sensationell auf Platz zwei hinter dem späteren Sieger Atle Lie McGrath (25), doch in der Entscheidung rutscht er auf Rang vier ab. Ein starkes Ergebnis, doch den eigenen Ansprüchen wird Meillard damit nicht gerecht, wie man aus seinen Antworten klar heraus zu hören ist: «Der zweite Lauf war schwierig für mich, weil ich einfach nicht gut gefahren bin. Ich habe den Rhythmus und die Spur nie gefunden», sagt er zu Blick. «Ein Podest wäre mit dieser Fahrt nicht verdient gewesen.»

Überrascht ist der Romand deshalb nicht, als die Zeit im Ziel rot leuchtet: «Das Gefühl war richtig schlecht. Ich habe gewusst, dass es kein guter Lauf war.»

«Das Publikum im Ziel hat mich angezogen»

Ganz anders ist die Stimmung bei Matthias Iten. Der Zuger, welcher in Val d'Isère die erste Top-10-Platzierung für seinen Kanton herausgefahren hat, startet als 23. in den zweiten Lauf – und zündet dort eine Slalom-Show.

Mit Laufbestzeit katapultiert er sich am Ende auf Rang sechs, holt zum dritten Mal Weltcuppunkte und erfüllt damit die Olympia-Selektionskriterien. «Es ist unglaublich, hier in Wengen vor heimischem Publikum eine solche Fahrt zu zeigen», sagt er. Während viele Fans plötzlich vom Podest träumen, bleibt Iten aber realistisch: «Dafür waren die schnellsten zu weit weg. Aber ich wusste, dass man einige Plätze gutmachen kann, weil die Abstände hinten auf der Rangliste klein waren.»

Besonders stolz darf Iten auf seinen letzten Abschnitt sein: «Der Trainer sagte mir vorher, wie gut der letzte Sektor war. Dort habe ich voll angegriffen, aber das Publikum im Ziel hat mich auch richtig angezogen.»

Iten ist trotz Rückenproblemen nie verzweifelt

Auch Swiss-Ski-Herrencheftrainer Tom Stauffer lobt den Aufsteiger. «Das ist eine konsequente Entwicklung. Wir wussten, dass er Gas geben kann», sagt er. Iten sei nie verzweifelt: «Seit er seine Rückenprobleme im Griff hat, kann er normal trainieren und wenn man mehr trainiert, kommt auch das Selbstvertrauen. Man muss einfach ruhig bleiben und weiterarbeiten. Wenn man die Geschwindigkeit hat, kommt so irgendwann auch das Resultat.»

Dass Iten überhaupt noch aktiv ist, ist aber nicht selbstverständlich. Die von Stauffer angesprochenen Rückenprobleme bremsten ihn jahrelang aus. 2020/21 bestritt er wegen starker Schmerzen nur vier Rennen. «Ich habe eine Bandscheibe im Lendenbereich, die zu wenig Flüssigkeit hat. Bei zu grosser Belastung wird es problematisch. Ich habe deshalb mehrmals an den Rücktritt gedacht», erklärt er.

Gute Ergebnisse haben ihn schliesslich aber immer wieder zum Weitermachen animiert. In Wengen wird er nun dafür belohnt wie nie zuvor. Iten ist deshalb der strahlende Sieger ohne Medaille.

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