Odermatt verpasst Podest
Überragender Meillard jubelt unter Flutlicht

Der Walliser siegt beim Riesenslalom dank eines starken zweiten Laufs vor Lucas Braathen. Marco Odermatt verpasst als Vierter das Podest, alle anderen Schweizer die Entscheidung.
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Fährt im 2. Lauf allen davon: Loïc Meillard.
Foto: Getty Images
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Ramona BieriRedaktorin Sport

Das Podest

1. Loïc Meillard (Sz) 2:14,38
2. Lucas Braathen (Bra) +0,73
3. Alban Elezi Cannaferina (Fr) +0,90

Das Rennen

In den letzten beiden Jahren war Marco Odermatt zur Halbzeit auf der Planai Elfter und Zwölfter. Am Ende stand er als Sieger und Dritter auf dem Podest. Dieses Mal gelingt ihm der 1. Lauf vor 14'950 Fans besser – dennoch braucht er erneut eine Aufholjagd. Als Siebter liegt er fast eine Sekunde hinter Halbzeit-Leader Lucas Braathen. «Die Verhältnisse sind mit dem vielen Eis doch brutal», meint Odermatt ins SRF-Mikrofon. Der Nacht-Riesenslalom verlangt den Athleten alles ab. Odermatt greift an – und wird schon früh ausgebremst. Er hängt an einem Tor an, rettet sich akrobatisch. Den eingehandelten Rückstand kann er unten raus aber nicht mehr wettmachen, knappe vier Zehntel reiht er sich hinter dem 22-jährigen Franzosen Alban Elezi Cannaferina ein. Und die beiden lassen sich nicht von der Spitze verdrängen. 

Auch als der Halbzeit-Zweite Loïc Meillard auf der Piste im Kurs seines Trainers unterwegs ist, sind sie noch vorne. Schafft Odermatt erneut den Sprung aufs Podest? Meillard setzt sich mit einer überragenden Fahrt an die Spitze – und Odermatt muss zittern. Lucas Braathen nimmt nur einen Mini-Vorsprung mit in die Entscheidung, diesen ist er schon früh los. Während er gegen Meillard keinen Stich hat, lässt er den Rest hinter sich. Und schubst Odermatt vom Treppchen. Auch wenn ihm erneut eine Aufholjagd gelingt – dieses Mal reichts nicht fürs Podest. Dafür steht Elezi Cannaferina erstmals auf diesem. Und Meillard triumphiert an dem Ort erneut, an dem er vor drei Jahren seinen ersten Sieg im Riesenslalom feierte. Damals in Abwesenheit von Odermatt, dieses Mal ist der Nidwaldner mit dabei.

Die Schweizer

4. Marco Odermatt +1,26
Den 2 Lauf verpassen: 31. Fadri Janutin +3,06, 42. Gino Caviezel +4,68
DNF1: Thomas Tumler, Luca Aerni, Sandro Zurbrügg

Gino Caviezel ist zurück – 13 Monate nach seiner schweren Knieverletzung gibt er sein Comeback (siehe «Das gab zu reden»). Die Entscheidung verpasst er allerdings deutlich. Weniger klar ist die Sache bei Fadri Janutin. Ihm fehlt nur eine Zehntelsekunde, um noch einmal starten zu dürfen.

Gleich drei Schweizer scheiden im 1. Lauf hingegen aus. Thomas Tumler, Luca Aerni und Sandro Zurbrügg schaffen es allesamt nicht ins Ziel.

Die Stimmen gegenüber SRF

Loïc Meillard nach dem 1. Lauf: «Ich hatte das Gefühl, dass ich attackieren muss. Auf diesem Eis ist es nicht einfach, ein gutes Gefühl zu haben. Ich will nochmal angreifen, ein paar Kleinigkeiten verbessern – etwa im Mittelteil, wo ich gemerkt habe, dass noch ein bisschen mehr drin liegt.»

Marco Odermatt nach dem 1. Lauf: «Das Skifahren war nicht ganz schlecht – aber auch nicht ganz gut. Das Vertrauen mit nur einem Tag Riesenslalom seit längerem ist noch nicht ganz da. Im Vergleich zu den Vorjahren ist die Ausgangslage besser, aber die Verhältnisse waren anders, wo man mit einer besseren Nummer profitiert hat. Letztes Jahr haben sie gesalzen, dieses mal wirds wohl noch eisiger sein.»

Das gab zu reden

2024 ist Gino Caviezel im Super-G von Bormio (It) schwer gestürzt, hat sich dabei neben einem Totalschaden im rechten Knie auch eine Schulterverletzung zugezogen. 13 Monate später gibt er in Schladming sein Comeback. Und sagt vorab: «Ich habe bei den letzten Trainingsvergleichen mit meinen starken Teamkollegen bemerkt, dass ich den Speed habe, um die Qualifikation für den zweiten Durchgang zu schaffen.» Das gelingt nicht. Über viereinhalb Sekunden büsst er auf die Bestzeit ein. Dennoch gibts vom Publikum einen herzlichen Applaus. «Ich habe nicht das einfachste Rennen ausgesucht», sagt er gegenüber SRF. «Denn ich fahre definitiv besser Ski als ich heute gezeigt habe.» Trotzdem ist er froh, wieder zurück zu sein. «Es hat dem Herz gut getan.» Und zu Hause haben seine mitunter jüngsten Fans mitgefiebert: Die Zwillinge von Bruder Mauro Caviezel, wie dieser in seiner Instagram-Story zeigt.

Das gab zu reden II

Letzten März hat Manuel Feller erklärt, dass er künftig nicht mehr Riesenslalom fahren wird. Nur zwei Monate später hat der Österreicher eine Rolle rückwärts gemacht und angekündigt, dass er sicher beim Saisonstart in Sölden (Ö) wieder Riesenslalom fahren wird. Tatsächlich bestreitet er das Rennen – und scheidet aus. Danach lässt er das eine oder andere Rennen aus, verpasst sowohl in Val d'Isère (Fr) als auch in Adelboden BE die Qualifikation für die Entscheidung. Nun kündigt Feller erneut den Abschied von seiner zweiten Disziplin an. Zwei Tage, nachdem er sich mit dem Sieg im Slalom von Kitzbühel (Ö) einen grossen Traum erfüllt hat, schreibt er auf Instagram: «Einmal gehts noch, einmal gehts noch leicht. Letzter Riesenslalom heute.» Mit 4,89 Sekunden Rückstand wird er 44. und verpasst den 2. Lauf deutlich. Das Publikum feiert ihn trotzdem – wohl vor allem noch einmal für den Kitzbühel-Sieg. «Das war schon ein extremer Kampf da runter heute», sagt er gegenüber der «Kleine Zeitung». Und fügt an: «Bei jedem anderen Rennen wäre ich wahrscheinlich nicht runter bis ins Ziel gefahren. Aber ich habe mich noch einmal runter gekämpft, ich wollte die Ziellinie einfach sehen.» Der Abschied vom Riesenslalom scheint endgültig. Denn Feller meint weiter: «Ich werde das nicht vermissen.»

Die Bedingungen

Klare Nacht über Schladming. Die Sicht unter dem Flutlicht ist perfekt. Die Piste dafür äusserst anspruchsvoll. Sie ist hart und vor allem sehr eisig. Damit kommen nicht alle Athleten zurecht, einige haben sichtbar Probleme mit dem Grip. «Es war das eisigste Rennen, das ich je gefahren bin», meint denn auch Halbzeit-Leader Lucas Braathen gegenüber ORF.

So gehts weiter

Am Mittwochabend wird in Schladming ein Nacht-Slalom (1. Lauf 17.45 Uhr) gefahren. Danach geht die Reise weiter in die Schweiz, wo am kommenden Sonntag als letztes Rennen vor Olympia die Abfahrt in Crans-Montana VS (11 Uhr) stattfindet. Um die Medaillen im Riesenslalom gehts am 14. Februar.

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