Emotionaler Odermatt vergiesst bittere Tränen
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Sieg knapp verpasst:Emotionaler Odermatt vergiesst bittere Tränen

Odermatt-Tränen und klare Feuz-Worte
Der traurigste Podestplatz der Hahnenkamm-Geschichte

Marco Oderammt verpasst 24 Stunden nach seinem zweiten Super-G-Triumph am Hahnenkamm seinen ersten Abfahrtssieg auf der Streif ganz knapp. Der Superstar lässt seiner Enttäuschng freien Lauf, während Beat Feuz deutliche Worte findet.
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Auch im neunten Anlauf klappt es für Marco Odermatt nicht mit dem ersten Abfahrtssieg in Kitzbühel.
Foto: Sven Thomann

Die Stimmung hat in Kitzbühel ihren Siedepunkt erreicht. Die 45'000 Zuschauer verursachen einen höllischen Lärm, als Marco Odermatt (28) mit der Startnummer 12 über den Hausberg in Richtung Zielschuss donnert. Eine Zehntelsekunde liegt der Nidwaldner bei der letzten Zwischenzeit hinter Italiens Shootingstar Giovanni Franzoni (24), der mit der Nummer 2 eine grandiose Zeit realisiert hat.

Schon so oft hat der vierfache Gesamtweltcupsieger in den letzten fünf Jahren den Unterschied mit seiner überragenden Physis im letzten Abschnitt gesetzt. Auch diesmal? Nein! Lumpige sieben Hundertstel fehlen Odermatt zu seinem ersten Abfahrtssieg auf der Streif. Odermatt vergiesst danach bittere Tränen. «Mir ist eine sehr gute Fahrt gelungen, dennoch habe ich mein Ziel knapp verpasst. Das tut mir weh. Ich fühle mich auch ein bisschen blöd, weil ich mich über einen zweiten Rang am Hahnenkamm ärgere und es Athleten gibt, die mich trösten, obwohl sie in ihrer Karriere viel weniger erreicht haben als ich. Aber ja, das ist eine echte Niederlage für mich.»

Danach ist es Beat Feuz, welcher 2022 als letzter Schweizer die Hahnenkamm-Abfahrt gewonnen hat, welcher seinen ehemaligen Teamkollegen aufmuntern will. Ein richtig tiefgründiges Gespräch entwickelt sich dabei allerdings nicht. «Das war eher Smalltalk», sagt der Abfahrts-Olympiasieger von 2022 danach. «Es ist ja völlig klar, dass Marco im ersten Moment richtig enttäuscht ist.»

2022 gewann Feuz vor Odermatt

Der Emmentaler kann Odermatts Gefühlslage besonders gut nachempfinden, weil er selbst fast 34 Jahre alt werden musste, ehe er seinen ersten Streif-Sieg bejubeln konnte. Bis dahin musste sich der bald 39-Jährige auf der berüchtigten Abfahrt der Welt viermal mit dem zweiten Rang begnügen. «Weil man als Abfahrer den Sieg auf dieser Strecke ganz besonders haben will, weiss ich, dass es kein besonders schönes Gefühl ist, wenn du hier mehrmals Zweiter wirst», betont Feuz.

Odermatt muss sich bei der Hahnenkamm-Abfahrt zum dritten Mal mit dem zweiten Platz begnügen. 2022 war es Feuz höchst persönlich, der dem Buochser vor der Sonne stand. 2024 musste sich der Stöckli-Pilot dem Franzosen Cyprien Sarrazin geschlagen geben. Bis zu seinem schweren Sturz im letzten Winter in Bormio war Sarrazin der Einzige, welcher in den Speed-Disziplinen eine genau so enge Linie wie Odermatt fahren konnte.

Jetzt ist es Franzoni, der die Odi-Linien fahren kann. Und im Gegensatz zu Sarrazin wirkt Franzoni sehr viel stabiler. So wird Odermatt durch Franzoni an Sarrazin erinnert. Feuz: «Giovanni ist bezüglich des Werdeganges das Pendant zu Cyprien. Sarrazin hat 2024 in Gröden erstmals bei einer Weltcupabfahrt den Sprung auf das Podest geschafft und hat danach den Lauberhorn-Super-G und die Hahnenkamm-Abfahrt gewonnen. Auch Franzoni war in Gröden erstmals in den Top 3 und hat anschliessend den Lauberhorn-Super-G gewonnen.»

Aber was hat in Kitzbühel nun wirklich die Differenz zwischen Franzoni und Odermatt gemacht? «Die Lärchenschuss-Kurve war noch nie meine Lieblingspassage, aber diesmal hatte ich das Gefühl, dass ich sie ganz gut erwischt habe. Der Blick auf den Zeitmonitor belegt aber, dass ich hier erneut Zeit verloren habe», so Odermatt.

Für Feuz war es «ein Duell auf absoluter Augenhöhe, welches haarscharf zu Ungunsten von Marco ausgegangen ist.» Zum Abschluss spricht Feuz besonders deutliche Worte aus: «Mir geht es auf den Sack, dass einige Leute immer behaupten, dass nur dann ein anderer Rennfahrer gewinnen kann, wenn Marco einen Fehler gemacht hat.» Feuz wird konkret: «Als Odermatt beim Super-G in Livigno Vierter wurde, haben viele behauptet, dass er das Rennen gewonnen hätte, hätte er im Schlussabschnitt nicht einen Fehler begangen. Aber es haben dort eben auch andere Fehler gemacht. Wir sollten jetzt alle einsehen, dass Giovanni Franzoni in Kitzbühel um einen Hauch besser war als Marco.»

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