Das Podest
1. Henrik Kristoffersen (No) 1;53,80
2. Atle Lie McGrath (No) +0,34
3. Clément Noël (Fr) +0,54
Das Rennen
Mit einem überragenden 2. Lauf hat Loïc Meillard am Dienstag den Riesenslalom gewonnen. Zumindest kurz ist er diesen Erfolg feiern gegangen. Trotzdem ist die Erholung nicht zu kurz gekommen. Auch im Slalom legt Meillard los wie die Feuerwehr. Erst in der zweiten Hälfte kann er nicht mehr mithalten, fällt noch etwas zurück. Die Fahrt reicht dennoch, um zur Halbzeit als Dritter auf Podestkurs zu sein. Gelingt erneut eine Fabelfahrt und damit der Sprung an die Spitze? Etwas mehr als vier Zehntel muss er dafür wettmachen.
Als er sich zum zweiten Mal in den Stangenwald wagt, liegt Clément Noël in Führung. Kann Meillard ihn von der Spitze verdrängen? Er legt erneut stark los, baut seine Reserve aus. Doch dann fangen die Probleme an. Und kurz darauf passierts. Meillard scheidet aus. Bitter! Damit wirds nichts mit dem zweiten Podestplatz innert 24 Stunden. Den Sieg machen so die Norweger unter sich aus. Henrik Kristoffersen kann Landsmann Atle Lie McGrath noch überflügeln und seinen fünften Schladming-Sieg feiern. Damit stellt er einen neuen Rekord auf (siehe «Das gab zu reden II»).
Die Schweizer
9. Tanguy Nef +2,40
17. Daniel Yule +3,40
20. Ramon Zenhäusern +4,07
Den 2. Lauf verpassen: 38. Marc Rochat +3,14, 47. Joel Lütolf +3,83
DNF1: Matthias Iten, Sandro Simonet
DNF2: Loïc Meillard
Tanguy Nef legt im 2. Lauf los wie die Feuerwehr. Oben ist er ganz stark unterwegs, macht sich drauf und dran, eine grosse Aufholjagd zu starten. Und dann das: Ein grosser Fehler sorgt quasi für einen Stillstand. Dieser bremst nicht nur, sondern kostet ihn auch die zwischenzeitliche Führung. Schade. Weil danach auch die Konkurrenten nicht fehlerfrei bleiben, verbessert er sich dennoch in die Top 10.
Daniel Yule ist in Kitzbühel zu seiner zweiten Top-15-Klassierung gekurvt und hat damit das Olympiaticket gelöst. Wie gelingt ihm die Hauptprobe? In Schladming ist er von 2018 bis 2020 dreimal in Serie Dritter geworden. Dieses Mal hat er mit den vordersten Rängen nichts zu tun. Nach Platz 22 zur Halbzeit bleibt die grosse Aufjoljagd aus.
In Wengen hat Ramon Zenhäusern den Vorstoss in den 2. Lauf verpasst, in Kitzbühel den 1. Lauf nicht ins Ziel gebracht. Dieses Mal kommt er ins Ziel und muss zittern. Als 29. schafft er es haarscharf in die Entscheidung. Und kann die tiefe Startnummer nicht ausnutzen. Zenhäusern verpasst die zwischenzeitliche Führung. Weil danach Konkurrenten patzen, macht er dennoch einige Positionen gut.
Vor zwei Jahren hat Marc Rochat in Schladming als Vierter seinen ersten Podestplatz um sechs Hundertstel verpasst. Davon ist er dieses Mal weit entfernt. Sein Rückstand ist zu gross, um sich für die Entscheidung zu qualifizieren. Gleiches gilt für Joel Lütolf. Gar nicht erst ins Ziel schaffen es Matthias Iten und Sandro Simonet.
Die Stimmen gegenüber SRF
Tanguy Nef: «Der Fehler nervt mich noch ein Jahr. Bis nächstes Jahr. Ich habe mich sehr gut gefühlt. Der Lauf war ganz komisch, so langsam. ich wusste, dass ich schnell sein kann und habe alles ausgepackt. Momentan fahre ich sehr gut, die Form ist da. Und ich weiss auch, wie mein Material funktioniert.»
Loïc Meillard: «Das Skifahren war da. Aber am Ende bringts nichts. Es ist ein Nuller, ich hab das Ziel nicht gesehen. Ich war zu spät und zu direkt in der Spur und dann ging es nicht gut. Die Kurssetzung hat keinen Fehler erlaubt, deswegen konnte ich mich nicht retten. Wir werden sehen, ob das Selbstvertrauen leidet. Ein Ausscheiden tut immer weh. Aber jetzt haben wir ein bisschen Zeit, jetzt heisst es sich gut vorbereiten für Olympia. Es war ein langer Monat auch mit viel Training neben der Piste. Das hat auch viel Energie gekostet. Deswegen wird es gut tun, auch ein bisschen runter zu kommen.»
Ramon Zenhäusern: «Der erste Lauf ist ein Silberstreifen, im Zweiten ist es schade, dass ich nicht ganz von der Ausgangslage profitieren konnte. Der Lauf hat gedreht, ich hab versucht rund zu fahren, dann war ich zu direkt – irgendwie hab ich den Rhyhtmus nicht gefunden. Mir tuts jetzt schon gut, mal etwas runterzufahren und einen Restart zu machen. Die letzten Wochen haben mich schon etwas gebraucht, Niederlagen brauchen mehr Energie, die Batterien sind schon ziemlich leer.»
Daniel Yule: «Eigentlich habe ich nicht so viel gemacht, nur die Einstellung etwas angepasst. Im zweiten Lauf hats noch mehr gedreht und das Tempo war tief. Ich glaube ich habe hier selten so gekämpft. Bis Olympia steht ein bisschen Erholung auf dem Programm. Der Januar war intensiv, auch von der Nervosität und allem her. Ich glaube, ich habe durch den Monat eine Steigerung gehabt. Aber jetzt brauchts noch eine Steigerung, um bei Olympia dann höher zu zielen.»
Das gab zu reden
2021 hat Marco Schwarz den Nacht-Slalom in Schladming als bisher letzter Österreicher gewonnen. In diesem Jahr setzt es für ihn beim Heimrennen eine Enttäuschung ab. Im 1. Lauf büsst er 2,95 Sekunden auf die Bestzeit von Atle Lie McGrath ein. Zu viel, um noch einmal starten zu dürfen. Als 32. verpasst er die Entscheidung um elf Hundertstel. Sein Landsmann Michael Matt ist noch zwei Hundertstel langsamer.
Das gab zu reden II
Gemeinsam mit dem Österreicher Benjamin Raich ist Henrik Kristoffersen Rekordsieger des Weltcup-Slaloms in Schladming. Beide haben viermal triumphiert. Das Ziel des Norwegers ist deswegen klar: «Ich will diesen fünften Sieg.» Nach der Enttäuschung im Riesenslalom – Kristoffersen wird nur 18. und poltert danach wegen der Piste – läufts im Stangenwald besser. Nach dem 1. Lauf liegt er auf Zwischenrang 2. Und schafft es am Ende, seinen Teamkollegen Atle Lie McGrath noch zu überflügeln.
Die Bedingungen
Die Planai präsentiert sich erneut von ihrer harten, eisigen Seite. Unter dem Flutlicht ist die Sicht perfekt, um die Spuren zu sehen, die sich dennoch im Verlauf des Rennens bilden.
So gehts weiter
Der nächste Slalom steigt bei den Olympischen Spielen. Am 16. Februar gehts im Stangenwald um die Medaillen (1. Lauf 10 Uhr). Davor bestreiten die Männer im Weltcup noch ein Rennen: am Sonntag die Abfahrt in Crans-Montana VS (11 Uhr).


