Der grosse Ski-Check
Suters kurze Rücktrittsgedanken – Hoffnung für Zenhäusern?

Das drittletzte Rennwochenende des Ski-Winters 2025/26 ist Geschichte. Im Ski-Check lassen wir die wichtigsten Geschichten Revue passieren.
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Slalomchef macht sich für Zenhäusern stark

Wendet Swiss Ski bei Ramon Zenhäusern (33) Gnade vor Recht an? Diese Frage drängt sich nach dem Slalom in Kranjska Gora (Sln) auf. Mit dem 24. Rang hat der Walliser die Qualifikation für den Weltcupfinal deutlich verpasst, in der Disziplinenwertung fungiert er nur auf Rang 36. Der Doppelmeter, der zwischen 2018 und 2023 sechs Weltcupsiege eingefahren hat, sagte am Sonntag zu Blick: «Ich werde mich nach dieser Saison an einen Tisch setzen und überprüfen, welche Optionen es für mich noch gibt. Eine Option wird auch der Rücktritt sein.» Zenhäusern würde wohl dann seine Rennfahrerlaufbahn beenden, wenn ihm die sportliche Leitung von Swiss Ski den Kader-Status entziehen würde. Und normalerweise ist es so, dass über 29-jährige Athleten, die im Weltcup nicht in den Top-30 klassiert sind, aus dem Swiss Ski-Kader aussortiert, und an den Regionalverband zurückgegeben werden.

Aber der bald 34-jährige Zenhäusern hatte bereits im Vorjahr die Selektionskriterien nicht erfüllt und hat dann trotzdem aufgrund von einem Trainerentscheid den C-Kader-Status erhalten. Slalom-Chef Matteo Joris macht sich auch diesmal für den Silbermedaillengewinner vom Olympia-Slalom 2018: «Wir dürfen nicht vergessen, dass Ramon im zweiten Durchgang in Adelboden die zweitschnellste Zeit ablieferte. Zudem haben wir in der Schweiz derzeit nicht viele junge Slalom-Talente. Deshalb würde ich einen so routinierten Athleten wie Ramon nicht fallen lassen. Aufgrund der starken Leistungen, die ich von ihm in den Trainings sehe, traue ich ihm zu, dass er im nächsten Winter noch einmal den Sprung auf das Podest schafft.» Was sagt Swiss-Ski-Alpinchef Hans Flatscher zum Fall Zenhäusern? «Unabhängig davon, ob Ramon in unserem Kader bleibt oder nicht wird es Möglichkeiten geben, um unsere Unterstützung zu erhalten.»

Wie gehts in der Ski-Karriere von Ramon Zenhäusern weiter?
Foto: keystone-sda.ch

Die grosse Versöhnung

Hinter Atle Lie McGrath (25) liegen die schlimmsten Wochen seiner Karriere. Kurz nach dem Tod seines geliebten Grossvaters ist er im Olympia-Slalom als Halbzeit-Leader ausgeschieden. Danach wird der Schweizer Co-Trainer Thierry Menet in den norwegischen Medien zum Staatsfeind ausgerufen, weil dieser unmittelbar nach McGraths Out vor dessen Augen überschwänglich jubelte. Als McGrath später auf diese Szene angesprochen wurde, schüttelte er den Kopf: «Ich brauche nichts dazu zu sagen, es ist klar, was ich davon halte.»

Ein Bild, das Olympia prägte: Während Atle Lie McGrath seine Skistöcke wegwirft, jubelt Thierry Menet im Hintergrund.
Foto: keystone-sda.ch

Doch mittlerweile hat sich die Lage entspannt. McGrath hat am Sonntag beim Kranjska-Gora-Slalom seinen sechsten Weltcupsieg gefeiert. Und die ultimative Versöhnung mit dem impulsiven Schweizer Slalom-Coach steht unmittelbar bevor. «Ich habe bereits kurz nach dem Olympia-Slalom mit Atle telefoniert», hält Menet fest. «Ich habe Atle versichert, dass ich grossen Respekt vor ihm habe. Ich war ja schon Trainer, als sein Papa Felix in den 80er-Jahren für die USA gefahren ist. Aber ich habe nach seinem Ausfall so emotional reagiert, weil Loïc Meillard dadurch Olympiasieger geworden ist. Und ich habe lange von einem so grossen Erfolg geträumt. Ich habe mit Atle ausgemacht, dass wir bald einen Kaffee zusammen trinken.»

Slalom-Star boykottiert TV-Sender

Wie in einem falschen Film dürften sich während der Weltcup-Übertragung aus Kranjska Gora auch einige ZDF-Zuschauer vorgekommen sein. Was ist passiert? Obwohl Deutschlands Linus Strasser (33) mit dem fünften Rang sein zweitbestes Saisonergebnis verbucht hat, haben seine Fans im deutschen Fernsehen vergeblich auf ein Interview mit ihrem Slalom-Helden gewartet. Hintergrund: Skirennfahrer dürfen im ZDF keine Trinkflasche in die Kamera halten, die mit dem Logo des Sponsors bestückt ist. Um ein Zeichen zu setzen, hat Strasser deshalb dem Zweiten Deutschen Fernsehen in Slowenien kein Interview gegeben. Österreichs Vincent Kriechmayr (34) hat das ZDF aus demselben Grund bereits im Dezember 2019 boykottiert. Der Bündner Manager Giusep Fry, der einst Beat Feuz und Carlo Janka vermarktete, hat dieses Verhalten damals kritisiert: «Ich finde das nicht gut, weil ein Athlet mit einem solchen Boykott vor allem seinen Kopfsponsor und den Ski-Ausrüster bestraft, die wesentlich mehr Geld zahlen als der Geldgeber auf der Trinkflasche.»

Linus Strasser verweigert das TV-Interview beim ZDF.
Foto: Getty Images

Hat Braathen einen grossen Vorteil im Duell mit Odermatt?

Im Kampf um die kleine Riesenslalom-Kugel zeichnet sich ein echter Krimi ab. Nachdem sich Marco Odermatt (28) in Kranjska Gora mit dem fünften Rang begnügen musste und Pinheiro Braathen (25) triumphiert, liegt der Nidwaldner vor dem finalen Riesen in Hafjell (No) noch 48 Punkte vor dem in Norwegen gross gewordenen Brasilianer. Deutschlands Ski-Papst Felix Neureuther (41, 13 Weltcupsiege) glaubt, dass es für Odermatt in diesem Duell richtig eng werden wird: «Braathen hat den Vorteil, dass er als ehemaliges Mitglied von Norwegens Ski-Team schon sehr oft auf dem Hang in Hafjell trainiert hat.» Im Vorjahr war Odermatt beim Riesenslalom in Hafjell as Zweitplatzierter hinter Loïc Meillard rund fünf Zehntel schneller als Braathen.

Deshalb bleibt auch Odermatts Trainer Helmut Krug ziemlich entspannt: «Ich bin davon überzeugt, dass Marco die Bedingungen im hohen Norden wesentlich mehr entgegenkommen werden als der Frühlingsschnee in Kranjska Gora.» Als der gebürtige Tiroler Krug dann Chef von der Schweizer Riesen-Gruppe wurde, brachte er als Co-Trainer Hannes Hassler aus Österreich mit. Die gigantischen Erfolge von Odermatt in den letzten sechs Jahren sind ein Beleg dafür, dass die Trainer super zusammen harmonieren. Denoch könnte es sein, dass Hassler die Odermatt-Gruppe verlassen wird. Der gebürtige Kärntner wird von Swiss Ski-Insidern als Anwärter auf den Trainerposten bei Wendy Holdener genannt.

Marco Odermatt oder Lucas Pinheiro Braathen – wer holt sich die Riesenslalom-Kristallkugel?
Foto: keystone-sda.ch

Aicher: «Habe nur Scheisse im Kopf»

Offen und direkt oder frech und uneinsichtig? Lange wurde Deutschlands Ski-Juwel Emma Aicher (22) für ihre geradlinige Art gelobt. Vor ihrem Ausfall im Super-G scheint ZDF-Experte Marco Büchel das Unheil bereits zu ahnen: «Mir macht es jeweils etwas Sorgen, wie schnell Emma den Kurs besichtigt. Ich denke dann immer, schaue es lieber zwei- oder dreimal an.» Prompt verpasst Aicher ein Tor – ihr vierter Ausfall im achten Super-G. Auf die Frage, ob sie nicht länger besichtigen sollte, antwortet sie: «Wenn ich länger besichtige, habe ich sowieso nur Scheisse im Kopf. Für mich passt das so. Ich muss diese Welle kennen – das schiebe ich nicht auf die Besichtigung.»

Emma Aicher hat im Super-G eine (zu) hohe Ausfallquote.
Foto: keystone-sda.ch

Katzenjammer in Österreich: Nächste Hiobsbotschaft

Da ist Schadenfreude alles andere als angesagt. Schon wieder verletzt sich eine Austria-Fahrerin schwer. Leonie Zegg (21) erwischt es in der zweiten Abfahrt von Val di Fassa (It). Die Vize-Juniorenweltmeisterin im Super-G landet bei einem Sprung hart, fährt ins Ziel, legt sich hin und schreit vor Schmerzen. In Imst (Ö) folgt die brutale Diagnose: Kreuzband- und Innenmeniskusriss. Sie ist schon die fünfte von Rot-Weiss-Rot, die es heftig erwischt. Davor waren es bereits: Ricarda Haaser (Bruch des Schienbeinkopfs), Magdalena Egger (Kreuzbandriss), Katharina Liensberger (Meniskusriss, Bruch des Schienbeinkopfs) und Maja Waroschitz (Kreuz- und Innenbandriss).

Verletzungspech bei den Österreicherinnen: Leone Zegg verletzt sich in Val di Fassa schwer.
Foto: Getty Images

Suter: «Dachte auch schon an Rücktritt, aber …»

Joana Hählen (34) beendet nach 13 Jahren im Weltcup (5 Podestplätze) ihre lange Karriere. Ihre Teamkolleginnen und auch internationale Athletinnen lassen sie nochmals hochjubeln. Corinne Suter meint: «Ich bin mit Ana ins C-Kader gekommen, jetzt hört sie auf. Es ist schwierig, vorzustellen, wie es ohne sie sein wird. Aber für sie stimmt es, darum freue ich mich für sie.» Hat sie selbst auch schon einmal daran gedacht, aufzuhören? Suter schmunzelnd: «Einige Male, wenn ich langsam war. Aber jeweils nur fünf Minuten lang.» Ihr Feuer brenne definitiv noch, so die Drittplatzierte der zweiten Val-di-Fassa-Abfahrt. «Mein Ziel ist es definitiv, nächste Saison dabei zu sein.»

Corinne Suter hegt jeweils nur kurz Rücktrittsgedanken.
Foto: keystone-sda.ch

Heimvorteil gibt es nicht? Doch!

Drei Rennen, drei italienische Siege. Zuerst gewinnt Laura «Lolly» Pirovano (28) zweimal – davor stand sie nie auf einem Podest. Am Sonntag gewinnt dann Elena Curtoni (35) – ihr erster Weltcupsieg seit fast vier Jahren. Im Januar hatte Nicol Delago (30) erstmals überhaupt gewonnen. Wo? In Tarvisio. Damit hat die Squadra Azzurra drei von vier Heimrennen gewonnen. Dazu kommen die beiden Goldmedaillen von Federica Brignone (35) bei Olympia in Cortina. Dass die Italienerinnen immer wieder auf den eigenen Weltcupstrecken trainieren, zahlt sich aus.

Laura Pirovano nutzt den Heimvorteil – wie viele Italienerinnen in dieser Saison vor ihr.
Foto: keystone-sda.ch

Warum zwei Trainer? Flatscher kontert Russi

Vor dem Technik-Wochenende in Are (Sd) sind sowohl Wendy Holdener (32) als auch Camille Rast (26) auf Trainersuche. Da stellt sich die Frage: Warum machen die beiden nicht gemeinsame Sache? Genau diesen Vorschlag machen Blick-Reporter Marcel W. Perren und Ski-Legende Bernhard Russi im Après-Ski-Talk. «Wenn sie gemeinsam trainieren würden, wäre das die perfekte Kombination. Beide könnten voneinander profitieren, weil sie unterschiedliche Stärken haben», so Russi. Ist das bei Swiss-Ski ein Thema? Nein. Alpin-Direktor Hans Flatscher sagt: «Wenn sie kurzfristig ein Training ansetzen, in einem Bereich individuell arbeiten wollen, ist es gut, zwei Trainer zu haben.» Zudem seien ihre Prioritäten unterschiedlich – Rast legt den Fokus mehr auf den Riesenslalom als Holdener. Flatscher betont: «Camille und Wendy trainieren zu einem hohen Prozentsatz gemeinsam. Wir wollen beiden ein Setup bieten, damit sie ihre beste Leistung zeigen können.»

Sowohl Rast als auch Holdener suchen einen neuen Trainer.
Foto: imago/Eibner
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