Das Podest
1. Atle Lie McGrath (No) 1:38,85
2. Henrik Kristoffersen (No) +0,01
3. Lucas Pinheiro Braathen (Bra) +0,04
Das Rennen
Loïc Meillard will nach seinem Podestplatz beim Riesenslalom in Kranjska Gora am Sonntag beim Slalom nachdoppeln. Der Olympiasieger und Weltmeister beginnt seinen ersten Lauf stark, nimmt dem bis dahin führenden Lucas Pinheiro Braathen bei der zweiten Zeitmessung zwei Zehntel ab. Im dritten Sektor gerät der Walliser in Rücklage, sodass es ihn aushebelt. Für Meillard ist es der vierte Ausfall im Slalom in diesem Winter, der erste jedoch bereits im ersten Lauf. Damit verabschiedet sich der Schweizer nun auch definitiv aus dem Kampf um die kleine Kugel, auf die er sich vor seinem Ausfall zumindest noch minimale Chancen ausrechnen durfte.
Diesen liefern sich Braathen und Atle Lie McGrath. Am Morgen nimmt der disziplinenführende Norweger seinem Ex-Teamkollegen, der nun für Brasilien startet und in der Wertung knapp hinter ihm liegt, rund zwei Zehntel ab. McGrath startet somit bereits zum vierten Mal in Folge als Führender in den zweiten Durchgang. In Wengen holte er sich den Sieg, in Schladming wurde er Zweiter. Zuletzt schied er an den Olympischen Spielen in Bormio aus und wurde so zum Olympia-Pechvogel. Er sei vor dem Start sehr nervös gewesen, sagt McGrath zur Slalom-Halbzeit in Slowenien ins SRF-Mikrofon. Halten dieses Mal seine Nerven?
Die Antwort lautet Ja. Der Norweger findet am Nachmittag schnell in seinen Rhythmus und bringt seinen Vorsprung durch. Und das ultraknapp. Nur eine Hundertstelsekunde rettet er auf seinen Teamkollegen Henrik Kristoffersen, der dank einem soliden zweiten Lauf zwei Plätze gutmacht und am Ende als Zweiter den Sprung auf das Podest schafft. Hinter dem Vorjahressieger Kristoffersen klassiert sich Braathen, dem seinerseits auch nur vier Hundertstel auf McGrath, der seinen dritten Saisonsieg einfährt, fehlen. Wie im Vorjahr in Kranskja Gora feiern in diesem Hunderstel-Krimi die Norweger somit erneut einen Doppelsieg.
Die Schweizer
10. Tanguy Nef +0,50
23. Daniel Yule +1,24
24. Ramon Zenhäusern + 1,30
Den 2. Lauf verpassen: 33. Marc Rochat (+2,54), 38. Sandro Simonet (+2,94) und 46. Joel Lütolf (+3,44)
DNF1: Loïc Meillard, Matthias Iten
Tanguy Nef hält am Morgen mit dem führenden McGrath im oberen Streckenabschnitt gut mit. Unten lässt der Genfer dann viel Zeit liegen. Am Nachmittag ist Nef zunächst gut unterwegs. Im Mittelteil folgt dann jedoch der grosse Fehler, der viel Rückstand mit sich zieht. Der gute Auftritt vom Morgen wird somit nicht belohnt und die Podest-Träume sind verflogen. Auch wenn sich Nef dann gut von seinem Fehler erholt, fehlt ihm das Tempo, um den Rückstand wieder wettzumachen.
Daniel Yule kommt im ersten Lauf nach dem Start gut ins Rennen. Der Walliser stellt seine Ski im Mittelabschnitt mehrmals quer, weshalb er den Rhythmus und das Tempo verliert. Am Nachmittag verliert Yule konstant an Zeit, verliert seinen Vorsprung so bereits im oberen Abschnitt und kommt nie wirklich in seinen Rhythmus, wodurch sich der Rückstand schliesslich summiert.
Ramon Zenhäusern kommt mit den im Verlaufe des Rennens schwieriger gewordenen Bedingungen gut klar. Der Walliser, der den Slalom in Kranjska Gora 2019 gewonnen hat, zeigt einen tollen ersten Lauf und setzt am Morgen die zweitbeste Schweizer Zeit. Im zweiten Lauf fahrt Zenhäusern nicht mehr so flüssig wie im ersten. Er kann seine gute Linie nicht halten, ist teilweise weit von den Stangen weg und fällt noch hinter Yule zurück.
Bei Marc Rochat schleichen sich einige Fehler in der Fahrt ein, wodurch er viel Zeit verliert. Als 25. fährt er ins Ziel, am Ende reicht sein Wert nicht für den zweiten Lauf. Auch Sandro Simonet und Joel Lütolf handeln sich einen zu grossen Rückstand ein, um im zweiten Durchgang starten zu dürfen.
Nach Loïc Meillard bringt auch Matthias Iten seinen ersten Lauf nicht ins Ziel. Er scheidet nach einem Einfädler wenige Tore vor dem Ziel aus. Da es für Iten daher keine Punkte gibt, schafft der Zuger den Sprung in die Top 25 nicht, die zum Start beim Weltcupfinale in Lillehammer berechtigen.
Die Stimmen (gegenüber SRF)
Loïc Meillard nach seinem Aussscheiden: «Der Ausfall ist schnell analysiert. Ich hatte Rücklage und beim Skifahren sollte man vorne sein und nicht hinten. Ich war zu spät auf der Linie und hatte zu viel Druck auf den Ski nach dem Tor, dann kam ich in Rücklage. Ich habe gemerkt, dass es vorwärts geht und versuchte, zu attackieren und nicht viel zu überlegen. Ich wollte vielleicht zu viel pushen, auch im Rhythmus war ich immer etwas zu spät. Heute gibt es nicht viel mitzunehmen. Im Slalom darf man keine Fehler machen. Ich hatte in der Saison zu viele Ausfälle dabei. Das tut weh.»
Tanguy Nef nach dem ersten Lauf: «Ich konnte oben direkter fahren und kürzere Schwünge machen. Im Steilhang war es glatter und kompakt. Mein Material hat dort weniger funktioniert, das war auch bei Daniel Yule so. Ich wusste aber, dass sich das Material eher für den zweiten Lauf eignet, es war daher etwas eine Vorbereitung. Ich bin aber in einer guten Position. Es ist heute nicht wirklich glatt, aber es zieht einem etwas die Ski weg. Der Fehler unten kostet viel zeit. Im zweiten Lauf wird es warm, dort wird mein Ski funktionieren. Es wird ein guter Kampf.»
Ramon Zenhäusern nach dem ersten Lauf: «Es war eine saubere und solide Fahrt, ohne irgendetwas zu riskieren. Ich bin wunderbar gefahren und zufrieden. Die Unterlage war sensationell, es hat nicht mal richtig Spuren gegeben. Im zweiten Lauf muss man an einer Stelle direkter fahren, ansonsten ist nichts Ausserordentliches. Am Nachmittag will ich einfach aus der Hütte rausfahren und Spass haben.»
Ramon Zenhäusern nach dem zweiten Lauf: «Ich habe zwei Sachen verhauen: Ich habe bei den ersten Wellen die Ski nicht laufen lassen und Tempo verloren. Vor dem Ziel bin ich nicht mit dem Körperschwerpunkt mitgegangen, dann wird es eng und man verliert Zeit.»
Tanguy Nef nach dem zweiten Lauf: «Ich bin gut gefahren, aber es war einer der komischsten Läufe meines Lebens. Ich hatte oben den Fehler bei der speziellen Kombination. Ich wusste die ganze Zeit nicht, ob ich es richtig oder falsch gemacht hatte. Es ging so schnell. Ich fuhr dann locker und dachte, es gehe gut. Ich war enttäuscht vom Fehler, weil ich wusste, dass es schwierig wird. Jetzt sehe ich, wie eng das Rennen war.»
Der Kugel-Kampf
Einen Punkt Vorsprung hat Atle Lie McGrath vor dem Slalom in Kranjska Gora auf Lucas Pinheiro Braathen. Dank des Sieges baut der Norweger diesen nun auf 41 Punkte aus. McGrath hat jetzt 552 Punkte, Pinheiro Braathen 511. Es dürfte beim Weltcupfinale einen spannenden Zweikampf zwischen den beiden geben. Clement Noël (475) könnte zwar noch ein kleines Wörtchen im Kugel-Kampf mitreden, wäre allerdings auf Patzer seiner Konkurrenz angewiesen.
Das gab zu reden
Vor einem Jahr stand Manuel Feller beim Slalom in Kranjska Gora als Dritter auf dem Podest. Am Sonntag steht der Österreicher in Slowenien nicht am Start. Feller hat seine Saison nach den Olympischen Spielen vorzeitig beendet, weil sein «Körper nicht mehr mitmacht». Der Kitzbühel-Sieger hatte bereits während der ganzen Saison mit körperlichen und mentalen Problemen zu kämpfen. Inzwischen hat sich Feller bereits einer Operation am Rücken. und an der Leiste unterzogen. «Die Operation ist gut gelaufen», meldet er anschliessend in den sozialen Medien aus dem Spitalbett.
In der Abwesenheit des besten österreichischen Slalomfahrers in diesem Winter klassiert sich Michael Matt als bester Österreicher auf Rang vier – nur zwei Hundertstel fehlen ihm am Ende auf das Podest. Bemerkenswert ist bei unseren Nachbarn auch die super Leistung von Dominik Raschner, der den zweiten Lauf eröffnet und eine Zeit setzt, an der sich die weiteren Fahrer lange die Zähne ausbeissen. Der 31-Jährige macht insgesamt 23 Plätze gut.
Die Bedingungen
Frühlings-Wetter und viel Sonnenschein in Kranjska Gora. Die Piste wurde vor dem Rennen gesalzen. Trotz den immer wärmer werdenden Temperaturen hält die Strecke gut mit, so dass sich auch Fahrer mit hohen Startnummern für den zweiten Lauf qualifizieren können. Tommaso Saccardi (It) schafft es mit der Nummer 50 als 25. zum dritten Mal in seiner Karriere und erstmals in der Saison in den zweiten Slalom-Durchgang, Jesper Pohjolainen (Fi) fährt mit der Nummer 54 gar auf Rang 19 vor und ist zum zweiten Mal in diesem Winter im zweiten Lauf dabei. Am Nachmittag ist die Piste weicher und die Spuren deutlich sichtbarer.
So gehts weiter
Kranjska Gora war die letzte Station der Techniker vor dem Weltcupfinale in Lillehammer (No). Dort steigt der letzte Slalom des Winters in etwas mehr als zwei Wochen am 25. März.