Übrigens – die SonntagsBlick-Kolumne
Schwingen – eine Sportart mit drei Typen

Die Athleten dominieren den Schwingsport. Aber die Pykniker und die Leptosomen begehren immer wieder auf. Die Kolumne von Felix Bingesser.
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Foto: Thomas Meier

Die Schwingsaison nimmt Fahrt auf, die Popularität des Nationalsports im Land ist weiter gigantisch. Und die mediale Abdeckung bis in den hintersten Winkel und zu jedem Klubschwinget ist bald flächendeckend.

Darüber, ob die Sehnsucht nach Heimat, die Pflege des Brauchtums und die Suche nach Wurzeln in turbulenten Zeiten von globalen Verwerfungen noch grösser geworden sind, wird sicher bald eine breit angelegte Studie einer Universität Aufschluss geben. Mit dem Arbeitstitel «Friedlicher Kampfsport in kriegerischen Zeiten».

Dass wieder über Zweikämpfe im Sägemehl statt nur noch über die Strasse von Hormus berichtet wird, ist jedenfalls wohltuend. Und dass die Festplätze auch ohne 10-Millionen-Schweiz weiterhin bis auf den letzten Platz gefüllt werden können, ist garantiert. Dafür braucht es keine empirische Erhebung. Swissness bleibt Trumpf.

Faszinierend bleibt, dass alle drei Menschentypen im Kampf aufeinandertreffen. Die Griechen haben einst drei Kategorien geschaffen. Die Athleten (breite Schultern, kräftige Brust, schmales Becken, starkes Muskel- und Knochenrelief), die Pykniker (gedrungen, rundlich, breiter Kopf, kurzer Hals, Neigung zu Fettansatz) und die Leptosomen (mager, schmal, hochgewachsen).

Der amerikanische Philosoph William Sheldon hat die Typologie anders benannt. Bei ihm heissen die Körperformen: mesomorph (muskulös, athletisch, stark), endomorph (adipös, weich, rund) und ektomorph (dünn, gross, anfällig). Gemäss ChatGPT wird Donald Trump beispielsweise als endomorph (adipös, weich, rund) eingestuft. Sollte Trump das zu Ohren kommen, müsste sich Sam Altman, der Chef von ChatGPT, wohl vor einem Vergeltungsschlag fürchten. 

Zurück zum Schwingen. Da haben die Athleten (mesomorph) in den letzten Jahren von den Pyknikern das Zepter übernommen. Wäre Jeremias Gotthelf Holzbildhauer gewesen, er hätte aus Schweizer Eichenholz Leute wie Samuel Giger, Fabian Staudenmann, Michael Moser, Werner Schlegel oder Armon Orlik geschnitzt. Im Schnitt 1,95 Meter gross und 125 Kilo schwer.

Aber die Pykniker (endomorph) und selbst die Leptosomen (ektomorph) funken ihnen immer wieder dazwischen. Und dürfen sich beim Publikum auch grosser Sympathien erfreuen. Der Kampf David gegen Goliath ist Teil der Faszination.

Prognosen sind schwierig, besonders wenn sie die Zukunft betreffen. Klar scheint, dass die Athleten ganz an der Spitze die Sache bei den grossen Festen auch in dieser Saison unter sich regeln werden. Die Sieger der letzten Grossanlässe stammen ausschliesslich aus ihrer Kategorie.

Die Krux dabei: Die Athleten sind derart athletisch geworden, dass die Kräfte, die einwirken, halt immer mehr zu Verletzungen führen. 600 Verletzungen zählt man mittlerweile pro Saison. Die Muskeln wachsen, die Bänder und Gelenke nicht.

Dieser Umstand bleibt der einzige Wermutstropfen vor einer Saison, auf die ich mich persönlich sehr freue. Und sollte mal ein Pykniker oder ein Leptosome einem Athleten ein Schnippchen schlagen, dann kann auch ich mir ein Schmunzeln nicht verkneifen.


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