Die Schlussgänge
Thomas Burkhalter trifft wie schon im 3. Gang des Schaffhauser Kantonalen auf Martin Hersche. Da konnte er den Eidgenossen noch bodigen. Im Schlussgang gelingt dies nicht mehr. Hersche nutzt die Chance zur Revanche. Nach rund dreieinhalb Minuten kontert er einen Fussstich, kann Burkhalter am Boden festnageln und lässt ihn nicht mehr entwischen. Er drückt so lange nach, bis der Widerstand bricht. Burkhalter verliert den ersten Kranzfest-Schlussgang seiner Karriere, während Hersche nach dem Nordwestschweizer 2017 zum zweiten Mal triumphiert.
Damian Ott geht mit dem Wissen in den Schlussgang des Nordwestschweizer, dass er für den Festsieg Nick Alpiger bodigen muss. Entsprechend offensiv geht er zu Werke. Gleich mit dem Gut des Kampfrichters zieht er mit dem Kurz an. Und bringt Alpiger an den Rand der Niederlage. Auch danach ist Ott aktiver, macht mehr. Aber er findet das richtige Rezept lange nicht. Die Hälfte der Maximal 12 Minuten ist schon verstrichen, da packt er in der Gluthitze den Münger Murks aus. In zwei Anläufen kann er Alpiger so nicht auf den Rücken drehen. Aber er setzt nach, lässt ihn nicht entwischen und kann ihn letztlich doch auf den Rücken drücken. Alpiger verpasst den Heimsieg und zieht sich bei der Niederlage auch noch eine blutende Wunde am Kopf zu. Für Ott ist es derweil der achte Kranzfestsieg seiner Karriere und nach demjenigen beim Basellandschaftlichen und dem Nordostschweizer der dritte in diesem Jahr.
Beim Lüderenschwinget wird Michael Moser seiner Favoritenrolle gerecht. Er bezwingt im Schlussgang Fabian Stucki und holt sich mit fünf Siegen und einem Gestellten den Triumph beim Regionalfest.
Die Schlussranglisten
Die Siegerstimme
Damian Ott gegenüber SRF: «Der Schlussgang war sehr intensiv, wir haben uns gar nichts geschenkt. Das braucht brutal Power. Ich habe einen Monat Pause hinter mir, das hat mir gut getan. Darum hatte ich am Schluss wohl noch etwas Energie übrig. Der Stellenwert als Gast zu gewinnen ist extrem hoch – vor allem bei einem so starken Teilnehmerfeld.»
Darauf angesprochen, dass nun alle davon reden werden, wie sehr er mit diesem Triumph zum Königsanwärter wird, meint Ott: «Schöner Moment. Das nehme ich gerne.»
Die Titelverteidiger
Letztes Jahr hat ein Innerschweizer beim Nordwestschweizer gejubelt. Marcel Bieri setzte sich durch. In diesem Jahr ist er nicht dabei. Das Schaffhauser Kantonale entschied Damian Ott für sich. Er steht dieses Mal beim parallel stattfindenden Teilverbandsfest im Einsatz. Auch beim Lüderenschwinget fehlt mit Andreas Locher der Vorjahressieger.
Der letzte Teilverbandskranz
Ein Kranz fehlt Armon Orlik noch, um seine Sammlung von Teilverbandsfesten zu vervollständigen. Es ist derjenige des Nordwestschweizer Schwingfests. Er steigt als einer der Favoriten in die Zwilchhosen, wird von den beiden Gastgebern Nick Alpiger und Lars Voggensperger, die ihm jeweils einen Gestellten abtrotzen, aber schon am Morgen aus dem Rennen um den Schlussgang genommen. Trotzdem beendet er das Fest jubelnd und mit einem Lachen im Gesicht. Zum Abschluss legt er Marius Frank platt aufs Kreuz. Er komplettiert damit nicht nur seine Kranz-Sammlung, sondern wird am Ende auch Zweiter.
Die seltene Niederlage
Fabian Staudenmann und Michael Moser – so heissen vor dem Nordwestschweizer die einzigen Bezwinger von Adrian Walther in diesem Jahr. Und dann kommt schon im 1. Gang ein weiterer dazu. Denn Nick Alpiger gelingt der Coup, der Nordwestschweizer bodigt zur Freude des Publikums den Berner Gast. Es ist im dritten Duell der zweite Sieg für Alpiger.
Der Lokalmatador
Jeremy Vollenweider ist wohl der Schwinger mit der dramatischsten Lebensgeschichte. Er überlebte einen Herzstillstand und besiegte den Krebs. Das Schaffhauser Kantonale ist sein Heimfest. Und dieses lanciert der Lokalmatador mit einem Coup. Er bezwingt im 1. Gang den Glarner Eidgenossen Roger Rychen. Der verletzt sich dabei offenbar, bricht das Fest nach diesem Einsatz bereits wieder ab. Und Vollenweider? Gewinnt auch sein zweites Duell, ehe er mit zwei Gestellten in der Rangliste zurückfällt. Letztlich beendet er das Fest auf Rang 6 und holt sich den Kranz.
Der Wiederholungstäter
Letztes Jahr auf dem Stoos hat Marius Frank den Luzerner Brocken Sven Schurtenberger aufs Kreuz gelegt. Beim Nordwestschweizer kommts im 3. Gang zum grossen Wiedersehen. Und für Schurtenberger zu einem Déjà-vu. Denn erneut landet er auf dem Rücken. Einziger Unterschied: dieses Mal holt sich Frank die Maximalnote. Die Freude über den Sieg ist nicht nur bei ihm riesig, sondern auch beim Publikum.
Die starken Gäste
Können die Nordwestschweizer die starken Gäste stoppen oder werden sie von ihnen überrollt? Nach drei Gängen verrät der Blick auf die Rangliste: Von den Gästen sind gar nicht so viele vorne mit dabei. Denn von den 21 Schwingern, die auf den ersten fünf Rängen liegen, kommen nur zwei nicht aus der Nordwestschweiz: Damian Ott (Rang 2) und Fabian Staudenmann (Rang 3). Ganz vorne sind aber nicht die Nordwestschweizer Teamleader Nick Alpiger und Joel Strebel. In Führung liegen punktgleich Marius Frank und Samuel Brun. Diese können sie nicht behaupten, werden zwischenzeitlich vom Gäste-Duo Damian Ott und Fabian Staudenmann verdrängt. Dank Nick Alpiger steht am Ende dennoch ein Einheimischer im Schlussgang. Den Heimsieg kann er aber nicht sichern. Er unterliegt Damian Ott. Und am Ende sind es dann doch die starken Gäste, die auf den vordersten Rängen liegen. Ott triumphiert vor dem punktgleichen Duo Armon Orlik und Fabian Staudenmann, Alpiger wird Dritter. Und manifestiert damit zumindest seine Stellung als Nordwestschweizer Nummer 1.
Die Defensivqualitäten
Für Sinisha Lüscher gibts im 2. Gang ein Premieren-Duell. Erstmals in seiner Karriere trifft er auf Fabian Staudenmann. Und er schlägt sich mehr als wacker. Obwohl er nach kurzer Zeit schon in eine arg brenzlige Situation gerät, kann er sich befreien, auch danach stellt er seine starken Defensivqualitäten unter Beweis. Und trotzt dem Berner Königsfavoriten einen Gestellten ab. Weil so viel läuft, gibts für beide die Note 9,00.
Moser und die Eidgenossen
Michael Moser hat es schon wieder getan. Auch beim Lüderenschwinget legt er einen Eidgenossen aufs Kreuz. Er bezwingt Patrick Schenk. Und das nicht zum ersten Mal in diesem Jahr. Schon einmal hat es dieses Duell 2025 bei einem Regionalfest gegeben. Und auch beim Hallenschwinget Oberdiessbach hiess der Sieger Moser.
Das Comeback
Anfang Mai hat sich Matthieu Burger einen komplexen Wadenbeinbruch zugezogen. Seine Saison stand auf der Kippe. Doch der Berner hat hart gearbeitet, damit sein Traum von der ESAF-Teilnahme in Mollis GL nicht platzt. Nun hat er beim Lüderenschwinget sein Comeback gegeben. Und den ansprechenden 5. Rang erreicht. Er bezwingt Philipp Gehrig, Fabian Stucki, Marcel Stucki und Nick Stalder und trotzt Michael Moser einen Gestellten ab. Einzig dem Eidgenossen Matthias Aeschbacher muss er sich geschlagen geben.
Die verpasste Premiere
20 Kranzfeste hat Fabian Staudenmann schon gewonnen. Trotzdem gibts in seinem Palmarès eine Lücke, die auch nach dieser Saison offen bleibt. Denn der Berner hat noch kein auswärtiges Teilverbandsfest gewonnen. Auch das Nordwestschweizer verlässt er als Geschlagener. Im 5. Gang müsste er Damian Ott bezwingen, um in den Schlussgang einzuziehen. Das gelingt nicht. Die beiden stellen und Staudenmann verpasst, was er 2022 beim letzten Gastspiel in der Nordwestschweiz noch schaffte. Damals kostete ihn der Gestellte im Schlussgang den Festsieg. Weil er im 6. Gang die Maximalnote holt, kann er darauf hoffen, Co-Sieger zu werden. Da sich Ott gegen Alpiger durchsetzt, gibts für den Berner aber letztlich Rang 2.
Die ESAF-Hauptprobe
In drei Wochen kennen wir den neuen König. Für viele Schwinger ist der Einsatz an diesem Sonntag deswegen die Hauptprobe für das Saisonhighlight in Mollis GL. Armon Orlik, Fabian Staudenmann oder Adrian Walther – sie sind nur einige der zahlreichen Schwinger, die ihren Fokus nun voll Richtung Eidgenössisches Schwingfest richten. Anders siehts bei Damian Ott oder Marcel Räbsamen aus. Sie steigen kommendes Wochenende auch auf der Schwägalp in die Zwilchhosen.
Die Bedingungen
Die Sonne brennt vom Himmel – und das vom Morgen bis am Abend. In der Sommerhitze ist der Gang zum Brunnen bei den Schwingern noch eine Spur beliebter als sonst schon. Denn er bringt eine mehr als willkommene Abkühlung.
So gehts weiter
Nächstes Wochenende findet das letzte Kranzfest vor dem Eidgenössischen statt. In die Zwilchhosen wird auf der Schwägalp gestiegen.