Darum gehts
- Schwingerkönig Matthias Sempach versucht sich als Wahrsager
- Er warnt davor, Titelverteidiger Joel Wicki abzuschreiben
- Grosse Stücke hält er der Experte auch auf Samuel Giger
«Das würde mich erstaunen. Staudenmann hatte einen guten Winter. Er wirkt bereit. Für ihn spricht seine eindrückliche Konstanz. Er war in den letzten Jahren immer ganz vorne dabei. Auch Walther bringt die Voraussetzungen dafür mit. Körperlich ist er mit seinen zwei Metern Staudenmann überlegen. Zudem scheint er physisch so stark wie noch nie. Deshalb glaube ich, dass die Lücke zu Staudenmann kleiner geworden ist.»
«Ihn abzuschreiben, wäre ein riesiger Fehler. Vor allem nach dem, was am Jubiläumsfest im letzten Jahr passiert ist. Die Niederlage gegen Fabio Hiltbrunner war eine Motivationsspritze zum richtigen Zeitpunkt. Aufpassen muss er auf seinen Energiehaushalt. Joel ist als Landwirt auch neben dem Schwingen sehr aktiv. Wenn er aber bestens erholt nach Mollis reisen kann, ist ihm alles zuzutrauen. Schliesslich hat er bereits mehrfach bewiesen, am Tag X in Topform zu sein.»
«Das glaube ich nicht. Er ist in den letzten Jahren mental stärker geworden. Das hat allein sein Auftritt beim Sieg am Unspunnen Schwinget gezeigt. Ein Mann seiner Klasse bringt körperlich und technisch alles mit, um König zu werden. Aktuell gehört er für mich unbestritten zu den drei besten Schwingern. Eine mentale Herausforderung ist sicher der Fakt, dass das Eidgenössische in seinem Teilverband stattfindet. Ich habe das selber erlebt, als ich 2013 in Burgdorf Schiwngerkönig wurde. Mir gelang es, das Fest als normalen Wettkampf anzuschauen. Das war einer von vielen Schlüsseln zum Erfolg. Wenn Giger das auch schafft, ist er brandgefährlich.»
«Eine Verletzung ist nie ein Vorteil. Für Werner gilt es nun, das Positive in der Situation zu erkennen. Er hat jetzt Zeit, gezielt an seinem Körper zu arbeiten. Wenn er wieder fit ist, wird er zu den stärksten Schwingern gehören. Für mich ist er ein Geheimfavorit auf den Königstitel. Dabei hilft ihm die Erfahrung aus der letzten Saison. Da wirkte er am Ende ausgebrannt. Aus diesen Fehlern haben er und sein Team sicher gelernt. Durch seinen späteren Saisonstart sollte er in Mollis noch genügend Körner haben. Das kann ihm helfen.»
«Das wäre für mich eine riesige Überraschung. Bei Wenger darf man nicht vergessen, dass er in seiner Königssaison drei Kranzfeste gewonnen hat. Ähnliches dürfte für Moser schwierig werden. Aber für sein Alter ist er schon sehr weit. Und seine Entwicklung ist noch lange nicht abgeschlossen. Er kann in Zukunft einer der ganz Grossen werden. Am Eidgenössischen sollte ohnehin sein Ziel der Kranz sein. Den Sieg traue ich ihm noch nicht zu.»
«Ich würde es ihm von Herzen gönnen. Ich kenne Remo aus vielen gemeinsamen Trainings sehr gut. Er hat im Winter alles für ein erfolgreiches Comeback getan. Aber wenn man derart oft verletzt ist, wird der Abstand zur Spitze immer grösser. Denn gleichzeitig verbessern sich Teamkollegen wie Staudenmann oder Walther. Die Konkurrenz an einem Kranzfest mit Berner Beteiligung ist riesig. Deshalb bezweifle ich, dass es schon dieses Jahr für einen Sieg reichen könnte. Den Kranz am Eidgenössischen traue ich ihm aber zu. Seiner guten körperlichen Verfassung kommt es entgegen, dass das Fest zwei Tage dauert. Letztlich entscheidet bei ihm die Gesundheit. Das Talent für grosse Erfolge hat er.»
«Ich hoffe nicht. Das Berner Publikum war jahrelang ein Vorbild in Sachen Fairness. Leider gab es im letzten Jahr zwei unschöne Vorfälle. Pfiffe oder Beleidigungen gehören nicht an ein Schwingfest. Zu meiner Zeit habe ich so etwas nie erlebt. Manche Schwinger provozieren aber auch durch ihr Verhalten. Sie dürfen sich dann nicht wundern, wenn das Publikum darauf reagiert.»
«Wie alle Sportarten entwickelt sich auch das Schwingen weiter. Mittlerweile geht es um viel Geld. Deshalb können es sich einige leisten, alles dem Sport unterzuordnen. Wir haben Profis im Schwingen. Das stört mich nicht. Eine Sportlerkarriere ist zeitlich begrenzt, daher sollte man das Maximum herausholen. Nur Schwingen wollte ich aber nie. Das Berufsleben gab mir einen guten Ausgleich. So konnte ich abschalten und dachte nicht immer über den Sport nach. Ein Profi-Statement würde bestimmt nicht allen gefallen. Aber wer an die Spitze will, muss seinen eigenen Weg gehen. Ob jemand den Mut zu einer solchen Aussage hat, wird sich zeigen.»
«Nein, da hätte mein Körper keine Freude. Schnell bin ich noch immer, aber alles andere lässt zu wünschen übrig. Heute stehe ich nur noch im Schwingkeller, um die Trainings zu leiten.»