Tödliches Drama schweisste sie zusammen
Diese Italo-Bande will uns die Ski-Party bei Olympia versauen

Für die Olympia-Abfahrt vom Samstag zeichnet sich ein Zweikampf zwischen der Schweiz und Gastgeber Italien ab. Dabei haben die Azzurri vor allem drei Speed-Waffen, die uns in die Parade fahren könnten.
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Giovanni Franzoni ist bei der Olympia-Abfahrt heisser Anwärter auf Edelmetall.
Foto: AP

Darum gehts

  • Italiens Franzoni, Paris und Schieder kämpfen bei Olympia-Abfahrt um Medaillen
  • Franzoni gewann 2026 Lauberhorn Super-G nach schwerem Unfall von Teamkollege
  • Paris mit 24 Weltcupsiegen, Schieder zuletzt konstant in Top 10
Die künstliche Intelligenz von Blick lernt noch und macht vielleicht Fehler.
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Marcel W. PerrenSki-Reporter

Auf ihnen Lasten die Hoffnungen von ganz Italien: Das Trio Franzoni, Paris und Schieder soll für die Azzurri in der Abfahrt zu Edelmetall rasen. Die drei gelten als grösste Konkurrenten für die Schweizer Ski-Stars. Blick stellt die blitzschnelle Italo-Bande vor:

Giovanni Franzoni

Der am Gardasee wohnhafte Kitzbühel-Sieger stammt aus sehr gutem Haus. Franzonis Vater hat eine florierende Metallverarbeitungsfirma aufgebaut. Ein verwöhntes Millionärs-Söhnchen ist er aber trotzdem nicht. Der Vater hat in sportlicher Hinsicht eine harte Linie vorgegeben. Zeitweise wurde auch Giovannis Zwillingsbruder Alessandro als grosses Ski-Talent gehandelt. Doch dieser beendet seine Laufbahn nach ein paar FIS-Wettkämpfen 2019, während Giovanni den Sprung in den italienischen C-Kader schafft.

Auf dieser Stufe wird Giovanni Franzoni auch vom einstigen Abfahrts-Giganten Peter Fill (43, zweifacher Abfahrtskugel-Gewinner) betreut. Er erinnert sich an die erste Begegnung mit Franzoni: «Giovanni war seinen Konkurrenten damals körperlich unterlegen. Aber weil er sehr gerne trainiert hat, entwickelte er sich schnell zu einem Muskelpaket. Leider Gottes war er in dieser Phase ein echter Bruchpilot!» Fill liefert ein Beispiel: «Im Sommertraining habe ich einmal eine Einheit auf den Downhill-Mountainbikes organisiert. Ich habe den Jungs vor dem Start gesagt, dass diese Aktion vor allem Spass machen soll. Aber die Freude ist uns ganz schnell vergangen, weil sich Giovanni nach einem halsbrecherischen Sprung über den allerersten Buckel die Schulter gebrochen hat.»

Die erste Top-30-Klassierung in der Abfahrt (26. Rang) hat der technisch begnadete Draufgänger ein knappes Jahr später auf der Piste eingefahren, wo am Samstag die Olympia-Abfahrt gestartet wird – auf der Stelvio in Bormio. Der nächste Rückschlag hat aber nicht lange auf sich warten lassen.

Die schlimmste Zeit erlebt Franzoni aber im letzten September, als sein Zimmerkollege und Freund Matteo Franzoso (†25) im Abfahrts-Trainingscamp im chilenischen La Parva tödlich verunglückte. Der grösste Teil der italienischen Mannschaft ist unmittelbar nach diesem Drama aus Chile abgereist. Giovanni Franzoni ist allerdings genau wie Dominik Paris für eine weitere Trainingswoche in La Parva geblieben. «Giovanni hat mir erklärt, dass er sich nach diesem schrecklichen Ereignis wohl nie mehr auf die Abfahrtspiste getraut hätte, wenn er es nicht unmittelbar getan hätte», verrät Fill. Das vorläufige und versöhnliche Ende dieser Leidensgeschichte: Vor drei Wochen hat Giovanni Franzoni ausgerechnet beim Lauberhorn-Super-G seinen ersten Weltcupsieg gefeiert und gilt jetzt als ganz heisser Anwärter auf Olympia-Gold.

Franzoni feiert ersten Weltcupsieg
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Champagner-Party:Franzoni feiert ersten Weltcupsieg

Dominik Paris

Der 100-Kilo-Koloss aus dem Südtiroler Ultental stand zu Beginn seiner Karriere am Abgrund. «Weil ich zeitweise zu viel Alkohol konsumiert habe, war ich plötzlich nicht mehr leistungsfähig», offenbarte Paris 2021 in einem Blick-Interview. Doch nachdem er einen Sommer als Kuhhirte am Splügenpass abseits von Bars und Pubs verbrachte, hat Paris die Kurve gekratzt.

24 Weltcupsiege hat er in der Zwischenzeit verbucht, sieben davon auf der Stelvio. Logisch, dass der 36-Jährige vor den Olympischen Spielen in seinem «Wohnzimmer» besonders heiss ist. Dass seine Form trotz einer im November erlittenen Fussverletzung passt, hat der Vater von zwei Söhnen am letzten Sonntag mit dem zweiten Rang bei der Weltcup-Abfahrt in Crans-Montana aufgezeigt. «Die brutal starke Schweizer Mannschaft treibt mich und meine Teamkollegen an, jeden Tag noch ein bisschen schneller zu fahren», erklärt Paris, der sich im Mannschaftshotel so wohl wie selten zuvor fühlt. «Es kann sein, dass wir durch den Tod von Matteo Franzoso in unserem Team enger zusammengerückt sind. In den Jahren zuvor war das Klima in der Mannschaft nicht so gut, aber jetzt haben wir sehr viel Spass zusammen.»

Florian Schieder

Der 30-Jährige aus Kastelruth (It) liefert seit sechs Wochen konstant gute Abfahrts-Ergebnisse ab: Dritter und Sechster in Gröden, Zwölfter in Wengen, Vierter in Kitzbühel und Neunter in Crans-Montana. «In den technisch anspruchsvollen Passagen konnte ich schon immer gut mithalten, aber in den Gleitabschnitten habe ich bis zu dieser Saison zu viel Zeit verloren», gesteht Schieder.

Dass sich der eingefleischte Fan des FC Bayern München in der Zwischenzeit zu einem kompletten Abfahrer entwickelt hat, verdankt er einem Teamkollegen. «Dominik Paris hat mir viele wertvolle Inputs gegeben, damit ich auch in den flachen Streckenabschnitten schnell sein kann.» Mit Paris verbindet Schieder auch die Liebe zur Musik. Der «Flo» spielt zwar im Gegensatz zum «Domme» keinen Heavy Metal, stattdessen bläst er in der Musikkapelle Kastelruth die Posaune. «Im Sommer haben wir jeden Donnerstag ein Konzert», betont Schieder. Vielleicht tritt er dort ja bald mit olympischem Edelmetall um den Hals auf?

Mattia Casse

Der 35-Jährige gilt als Trainings-Weltmeister, welcher sehr oft im Rennen nicht das halten kann, was er in der Probe angedeutet hat. Erst einmal hat der Rossignol-Pilot ein Weltcuprennen gewinnen können - im Dezember 2024 hat Casse beim Super-G in Gröden triumphiert. Im zweiten Training zur Olympia-Abfahrt hat Casse die Bestzeit aufgestellt. Allerdings hat er ein Tor verpasst.

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