Darum gehts
- Sonija Derevyanko entdeckt Freundin auf Helm, IOC verbietet Symbol in Olympia
- Helm für Kateryna sollte an Verlust und Krieg erinnern
- Sonija Derevyanko trainiert täglich bis zu neun Stunden Gymnastik in München
Der Helm von Skeleton-Fahrer Wladislaw Heraskewitsch (27) mit den im Krieg verstorbenen Sportlerinnen und Sportlern ist der bekannteste Kopfschutz der Winterspiele – obwohl ihn der Ukrainer nach der umstrittenen Sperre nicht mal im Rennen tragen durfte.
Als Sonija Derevyanko (13) aus München im Internet die Bilder des Helms entdeckt, stockt ihr der Atem. Sie erkennt plötzlich das Gesicht ihrer besten Freundin Kateryna Diachenko (†11). Ein Mädchen, mit dem sie in Mariupol (Ukr) jahrelang in der Rhythmischen Sportgymnastik trainiert, gelacht und geträumt hatte – bevor der Krieg alles zerstörte.
Der Helm als Symbol gegen das Vergessen
Kateryna Diachenko kam 2022 bei einem Bombenangriff ums Leben. Ihr Vater starb mit ihr, ihr Bruder wurde schwer verletzt. Für Sonija Derevyanko war der Helm deshalb mehr als ein Sport-Statement. Er war ein Zeichen der Erinnerung.
Blick konnte mit Sonija Derevyanko sprechen. «Ich habe mich zuerst gefreut», sagt sie. «Dann habe ich Kateryna gesehen, und ich habe geweint.» Endlich, so empfand sie es, wurde ihre Freundin gesehen. Geehrt. Nicht vergessen. Doch das Symbol wurde vom IOC gestoppt.
Dass Heraskewitsch wegen seines Helms von den Spielen ausgeschlossen wurde, traf Sonija hart. Für sie war es ein Schlag ins Gesicht aller Familien, die Angehörige verloren haben. «Es geht um Menschlichkeit. Um Erinnerungen», sagt sie. «Er hat nichts Falsches gemacht. Das ist ehrenlos.»
Sonija versteht die Regeln des IOC – aber nicht deren Starrheit. «Man hätte ihn fahren lassen sollen. Damit die Leute sehen, was passiert ist.» Sie glaubt, dass viele Funktionäre die Schicksale hinter den Bildern nicht kennen. «Für uns war dieser Helm wichtig. Für die Eltern. Für die Freunde.» Für sie war die Entscheidung ein Zeichen von Kälte in einem Moment, der eigentlich Mitgefühl verlangt hätte.
Turnen für zwei – trotz Krieg und Flucht
Sonija Derevyanko selbst hat Schreckliches erlebt. Während der Kämpfe in Mariupol versteckte sie sich mit ihrer Mutter Olena (58) und ihrem Bruder Roman (30) wochenlang in einem Keller – ohne Strom, ohne Sicherheit, am Schluss ohne genug Essen. Bei der Flucht sah sie tote Menschen auf den Strassen. «Man hat mir die Mütze über die Augen gezogen», schildert sie.
Heute lebt sie mit ihrer Mutter und ihrem Bruder in München. Ihr ältester Bruder Jaroslav (32) ist weiterhin in der ukrainischen Armee und hatte das Asow-Stahlwerk bis zum Schluss verteidigt; er geriet kurzzeitig in russische Kriegsgefangenschaft und wurde später von Präsident Wolodimir Selenski (48) mit einem Orden ausgezeichnet.
Sonija besucht das Ludwigsgymnasium und trainiert täglich bis zu fünf Stunden Rhythmische Gymnastik – sie gehört zu den grössten Nachwuchstalenten Bayerns. Neben Schule und Sport übernimmt sie viel Verantwortung für ihre Familie, übersetzt bei Ämtern und Arztterminen für ihre Mutter. Sie spricht mit Blick auf Deutsch.
Aufgeben kam für sie nie infrage. «Der Sport hilft mir, weiterzumachen», sagt sie. «Bei jedem Wettkampf ist Kateryna in Gedanken bei mir.» Ihren Wettkampfanzug trägt sie in Erinnerung an ihre Freundin. Sie turnt nicht nur für sich – sondern für zwei.
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