Das Spiel
Luzern wendet in extremis die erste Niederlage gegen Lieblingsgegner St. Gallen in der Swissporarena seit Dezember 2019 ab. Nach einem 0:2-Rückstand gelingt Vasovic erst in der tiefen Nachspielzeit der Ausgleich. Die Espen geben wie gegen Servette (2:4-Niederlage) in den Schlussminuten einen sicher geglaubten Sieg aus der Hand.
Es ist wie gewohnt eine hitzige Partie zwischen den beiden Rivalen, die von vielen Zweikämpfen und kleinen Unterbrechungen geprägt ist. Erstmals richtig kochen die Emotionen nach rund einer halben Stunde über. Vogt bringt St. Gallen mit einem Traumschuss in Führung. FCL-Goalie Loretz fühlt sich danach provoziert, weil die Espen vor der Luzerner Heimkurve jubeln. So kommt es zu einer Rudelbildung, die sich aber rasch wieder löst.
Kurz vor der Pause wird es nochmals hitzig, als Vandermersch mit offener Sohle Winkler am Fuss trifft und aus Sicht der Luzerner, die danach mit Schiri San diskutieren, «nur» Gelb sieht. Nach der Pause steht Winkler gleich wieder im Fokus. Dem 22-jährigen Mittelfeldspieler springt der Ball an den Oberarm, San zeigt sofort auf den Punkt. Boukhalfas Schuss ist jedoch zu schwach, und so kann Loretz zur Ecke klären. Dort haben die Espen dann sogleich wieder die Möglichkeit, die Führung auszubauen. Vogt köpfelt den Ball auf das Tor, wo Loretz schon geschlagen ist, Villiger kann den Abschluss aber in extremis gerade noch vor der Linie klären.
Es ist dann Vogt, der das 2:0 und somit seinen Doppelpack erzielt. Nach dem erneuten Gegentreffer flammen die Luzerner Hoffnungen nochmals auf. Zuerst fliegt FCSG-Neuzugang Verinac in seinem ersten Spiel vom Platz, danach erzielt Joker Kabwit den Anschlusstreffer. Und in der tiefen Nachspielzeit passiert dann das Unglaubliche: Mit der letzten Luzerner Aktion gelingt Vasovic noch der viel umjubelte Ausgleich, mit dem die Luzerner den Vorsprung in der Tabelle auf GC und den Barrageplatz zumindest auf vier Punkte halten können.
Die Tore
32. Minute, Alessandro Vogt, 0:1. Görtler lanciert Vogt mit einem hohen Ball. Vogt setzt diesem nach und haut an der Strafraumecke einfach mal drauf. Der Stürmer versenkt den Ball mit einem wuchtigen Traumvolley an FCL-Goalie Loretz vorbei ins Netz.
68. Minute, Alessandro Vogt, 0:2. Witzig spielt einen Ball aus der eigenen Hälfte über rechts nach vorne, wo Vogt alleine auf das Luzerner Tor ziehen kann. Er erwischt Loretz in der nahen Ecke.
86. Minute, Oscar Kabwit, 1:2. Kabwit erhält im Zentrum die Kugel und zieht ab. Gaal verpasst es, den Ball auf der Linie noch abzuwehren. Das Anschlusstor.
90. + 5 Minute, 2:2. Andrej Vasovic, 2:2. Kabwit lanciert Vasovic von ausserhalb des Strafraums, der nur noch einzuschieben braucht und doch tatsächlich noch den Ausgleich verbucht.
Die Stimmen (gegenüber Blue)
FCL_Captain Pius Dorn: «Endlich haben wir wieder mal nach einem Rückstand gepunktet. Ich bin sehr glücklich, haben wir es heute noch so auf den Platz bringen können. Mit der Roten Karte kam für uns der Glaube wieder zurück, denn das 0:2 war zuvor schon der Nackenschlag für uns. Die Überzahl hat uns danach gut getan. St. Gallen ist danach auch etwas passiv geworden, so sind wir noch zu unseren Chancen gekommen. Es ist unbeschreiblich – dafür spielt man Fussball, dass man dann in der letzten Minute noch den Ausgleich erzielen kann. In unserer Situation hilft uns aktuell jeder Punkt. Es ist ein kleiner Schritt in die richtige Richtung.»
FCL-Torschütze zum 2:2 Andrej Vasovic: «Wir nehmen den Punkt gerne mit, drei wären natürlich schöner. Aber es ist ein guter Schritt in die richtige Richtung. Es ist ein Kindheitstraum. Ich bin sehr dankbar, habe ich die Chance vom Staff bekommen. Das konnte ich mit dem Tor zurückzahlen. Das werde ich nie vergessen. Ich habe beim Tor nichts gecheckt, ich war dann einfach nur glücklich, dass er reinging, und habe den Moment einfach genossen. Es ist unglaublich.»
FCSG-Captain Lukas Görtler: «Es ist extrem ärgerlich. Wir spielen 70 Minuten lang ein richtig gutes Spiel. Die erste Halbzeit war souverän, jeder ist im Zweikampf gefühlt besser als sein Gegenspieler. Das 2:0 mit dem Elfmeter machen wir dann aber nicht. Ich mag Spieler, die motiviert sind, die kommen und gleich aggressiv sind. Heute war es aber einen Ticken zu viel Motivation. Die Rote Karte bricht uns das Genick. Wir lassen danach in Unterzahl zu viele brenzlige Situationen zu. In den entscheidenden Momenten waren wir einfach nicht gut am Gegenspieler dran.»
FCSG-Doppeltorschütze Alessandro Vogt: «Es ist sehr bitter, in der letzten Minute einen eigentlich sicheren Sieg noch zu verspielen. Ich habe beim 1:0 nicht viel überlegt und einfach geschosssen. Beim Jubel habe ich mich einfach mit meiner Mannschaft zusammen gefreut, nichts weiter.»
Der Beste
Alessandro Vogt. Mit seinem Doppelpack ist er der Mann des Spiels beim FCSG. Nach zuletzt acht torlosen Spielen ist dies Balsam für die Stürmer-Seele.
Der Schlechteste
Antonio Verinac. Drei Minuten nach der Einwechslung beim Debüt die Rote Karte für eine Tätlichkeit zu sehen, ist dumm. Der Grund, warum Luzern in der Schlussviertelstunde zurückkommt.
Das gab zu reden
Die Mega-Durststrecke geht weiter. St. Gallen kann in Luzern einfach nicht gewinnen. Zuletzt gab es für die Espen im Dezember 2019 einen Sieg in der Zentralschweiz. Und dies klar, denn damals resultierte ein 4:1-Erfolg für St. Gallen.
Das gab zu reden II
Nach dem Schlusspfiff gibt es nochmals eine hitzige Szene. FCSG-Goalie Zigi legt sich nach dem Spiel mit den FCL-Fans an, Ersatzmann Watkowiak muss ihn wegziehen.
Die Fans
12’600 Fans sorgen an diesem sonnigen Sonntagnachmittag für tolle Stimmung in Luzern. Auch aus der Ostschweiz reisen viele Fans an, der Gästeblock ist komplett gefüllt.
So gehts weiter
Für beide Teams steht am Mittwoch der Cup-Viertelfinal an. Luzern spielt um 19.15 Uhr bei Stade-Lausanne-Ouchy, St. Gallen empfängt um 20.15 Uhr den FC Basel. In der Liga geht es für die Luzerner am Samstag mit dem Auswärtsspiel in Sion weiter (18 Uhr). St. Gallen duelliert sich am Sonntag (16.30 Uhr) mit Lausanne.
Mannschaft | SP | TD | PT | ||
|---|---|---|---|---|---|
1 | FC Thun | 31 | 37 | 71 | |
2 | FC St. Gallen | 31 | 23 | 56 | |
3 | FC Basel | 31 | 8 | 52 | |
4 | FC Lugano | 31 | 10 | 51 | |
5 | FC Sion | 31 | 9 | 46 | |
6 | BSC Young Boys | 31 | 5 | 46 |






