St. Gallen macht sich mit einem schmeichelhaften Dreier zum Thun-Verfolger Nummer 1. Anfang November musste dieses Spiel noch beim Stand von 1:0 für Lugano abgesagt werden. Und als hätten sie gedacht, bei 0:0 zu starten, wäre nicht ganz fair, finden die Espen in Halbzeit eins sozusagen nicht statt. Das Spiel drehen sie nach dem Tor von Koutsias (33.) aber im Stile eines Spitzenteams: ohne restlos überzeugen zu müssen und dank gnadenloser Effizienz sowie der individuellen Klasse von zwei ehemaligen Bundesliga-Spielern.
Denn: Lugano macht über 90 Minuten gesehen viel mehr für das Spiel, ist aktiver, hat mehr Ballbesitz. Doch die St. Galler können auf die individuelle Klasse von Boukhalfa (42.) und Daschner (62.) zählen. Hilfe kriegen die Espen auf dem Weg zum Sieg auch von den Unparteiischen: Chima Okoroji, den Maassen schliesslich zur Pause rausnimmt, kommt in Halbzeit 1 nach einem Kung-Fu-Tritt mit Gelb davon (siehe «die Schiris»). Anders in der 88. Minute: Da greift der VAR beim vermeintlichen 2:2 Luganos wegen eines Handspiels von Torschütze Papadopoulos korrekterweise ein.
Mattia Croci-Torti (an PK nach Spielschluss): «Ehrlich gesagt verstehe ich gar nichts mehr. Ich habe wirklich Mühe, das nachzuvollziehen. Wenn Bislimis Aktion Rot sein kann (auswärts in Thun, Anm. d. Red.); okay. Dann muss dieses Foul genau gleich Rot sein. Und ich glaube nicht, dass ich da etwas Falsches sage. Schliesslich hat St. Gallen Okoroji dann ja in der 45. Minute ausgewechselt – sie wussten ganz genau, dass er ein schweres Foul begangen hatte. Was mich aber wirklich stört ist, dass solche Situationen nie von den Schiedsrichtern noch einmal angeschaut werden. Solche Szenen beeinflussen ein Spiel massiv, und bei so einem Eingriff kann man nicht einfach darauf verzichten, sie sich nochmals anzusehen. Es ist unmöglich, da nicht hinzugehen. Diese fehlende Einheitlichkeit gefällt mir nicht, überhaupt nicht. Das Foul war zehn Meter vor mir und war brandgefährlich, wirklich brandgefährlich.»
Antonios Papadopoulos (an PK nach Spielschluss): «Wenn er ihn trifft, dann kann man vielleicht Rot geben. Ich muss aber die Bilder nochmals anschauen. Schliesslich ist es aber egal. Er hat so entschieden, dann geht's weiter.»
33. Minute, Georgios Koutsias, 1:0. Der erste Schuss auf Zigis Kasten sitzt gleich! Koutsias erhält nach einer flüssigen Kombination auf der rechten Seite den Ball. Er zieht zur Mitte, erhält maximal Begleitschutz und platziert die Kugel mit seinem linken Fuss sehenswert per Aufsetzer im linken Eck.
42. Minute, Carlo Boukhalfa, 1:1. Was für ein Strich! Nach einem weiten Einwurf spritzt die Kugel von Vogts Fuss weg. Boukhalfa hämmert aus 20 Metern einfach mal drauf – und zimmert den Ball halbhoch neben dem rechten Pfosten in die Maschen.
62. Minute, Lukas Daschner, 1:2. Was für ein feines Füsschen der Deutsche doch hat: Daschner holt eine ungenaue Ambrosius-Flanke zentral vor dem Tor mit der Zehenspitze runter und trifft mit seinem zweiten Kontakt von mehreren Gegnern umringt zur Führung.
95. Minute, Aliou Balde, 1:3. Luganos Defensive ist nach einem Fehlpass entblösst. Boukhalfa legt für Balde quer, der die Kugel über Saipis Fuss ins Netz lupft.
Lukas Daschner. Ist mit einem spektakulären Tor im dritten Spiel nach seinem Comeback der Matchwinner. Seine Rückkehr macht das Ostschweizer Mittelfeld noch stärker.
Chima Okoroji. Gehört eigentlich vom Platz gestellt. Zu gefährlich ist sein Foul an Doumbia. Nach 45 Minuten nimmt ihn Enrico Maassen vom Platz. Kluger Entscheid des Trainers.
St. Gallen mausert sich für Lugano zu einem wahren Angstgegner. Mit der Pleite von heute konnten die Tessiner die letzten vier Aufeinandertreffen im Cornaredo nicht für sich entscheiden. Der letzte Heimsieg gegen die Ostschweizer datiert vom 29. Juli 2023 – fast zweieinhalb Jahre her.
Das Schiri-Gespann um Alessandro Dudic und VAR Sandro Schärer müsste Chima Okoroji für sein Kung-Fu-Foul vom Platz stellen. Unverständlich, dass der Espe trotz VAR-Eingriff nur mit Gelb davonkommt. Es ist neben dem Handspiel von Papadopoulos kurz vor Spielschluss aber die einzige heikle Szene, die es für Referee Dudic zu beurteilen gibt. Aber da es spielentscheidend hätte sein können, kriegt er eine ungenügende Note 3.
3543 Fans sind bei diesem Nachholspiel im Cornaredo anwesend.
Für St. Gallen steht am Wochenende gleich die nächste schwere Auswärtspartie an: Am Sonntag tritt man um 16.30 Uhr im Joggeli gegen Basel an. Bereits am Samstag trifft Lugano zu Hause auf Sion (18 Uhr).
Mannschaft | SP | TD | PT | ||
|---|---|---|---|---|---|
1 | FC Thun | 19 | 16 | 40 | |
2 | FC St. Gallen | 19 | 16 | 37 | |
3 | FC Lugano | 19 | 5 | 33 | |
4 | FC Basel | 19 | 8 | 32 | |
5 | BSC Young Boys | 19 | 0 | 29 | |
6 | FC Sion | 18 | 4 | 27 | |
7 | FC Zürich | 19 | -7 | 24 | |
8 | FC Luzern | 19 | 0 | 21 | |
9 | FC Lausanne-Sport | 18 | 0 | 21 | |
10 | Servette FC | 18 | -6 | 20 | |
11 | Grasshopper Club Zürich | 19 | -9 | 17 | |
12 | FC Winterthur | 18 | -27 | 10 |






