Fertig lustig beim FCZ!
Geheime Krisensitzung im Canepa-Büro für Hediger & Co.

Die sportliche Talfahrt beim FC Zürich hat Konsequenzen. Die Klubbosse fordern von Trainer Hediger: Er muss die Zügel anziehen. Der Job des Coaches ist vorerst aber nicht in Gefahr.
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Zum Weglaufen und Verstecken: Der FCZ (hier Keny, Reverson und Di Giusto, v.l.) kommt derzeit nicht vom Fleck.
Foto: Martin Meienberger/freshfocus

Ein Lauf sieht anders aus. Zuletzt gabs vier Pleiten in Folge, seit Jahresbeginn gerade mal zwei Siege, daneben ein Remis und acht Niederlagen: Seit Anfang 2026 hat der FC Zürich lausige sieben Punkte eingefahren. Das ist zusammen mit Stadtrivale GC die mieseste Bilanz der Liga – bei den Hoppers wurde Anfang Woche Trainer Gerald Scheiblehner (49) gefeuert. «Der FCZ hat seine Identität verloren», sagte am Wochenende Ex-Zürich-Kicker Benjamin Kololli, der dem FCZ mit Sion die jüngste Niederlage (1:2) zugefügt hat. Vernichtend.

Nun scheint auch den FCZ-Bossen der Kragen geplatzt zu sein. Nach Blick-Informationen musste am Dienstagabend die sportliche Führung des Klubs im Büro des Präsidenten-Ehepaars Canepa am Zürcher Schanzengraben antraben: Cheftrainer Dennis Hediger, Co-Trainer Carlos Bernegger und der Technische Direktor Alessandro Mangiarratti. Inhalt des Gesprächs: die aktuelle Schieflage des Klubs. «Die sportliche Lage wurde dabei offen, kritisch und ohne Beschönigung analysiert», bestätigt der FCZ auf Blick-Anfrage das Treffen der sportlichen Verantwortlichen mit den Kluboberen. «Der Klub erwartet in dieser Phase eine klare Reaktion und eine deutliche Leistungssteigerung.» Eine klare Ansage in Richtung von Team und Trainern.

«Die Massnahmen sind konsequent umzusetzen»

Die gute Nachricht für Coach Hediger: Das Schicksal von Scheiblehner bleibt ihm zumindest vorerst erspart. Der Berner trifft am Samstag mit dem FCZ auf seine alte Liebe Thun und im Gegensatz zum einen oder anderen in der Branche herumgeisternden Gerücht soll es beim Duell mit dem designierten Schweizer Meister nicht zu einem Job-Endspiel für den ehemaligen U21-Trainer der Zürcher kommen. «Entgegen anderslautender Spekulationen wurden keine Ultimaten gestellt», heisst es beim FC Zürich. «Gleichzeitig ist unmissverständlich, dass die Verantwortung bei allen Beteiligten liegt und die definierten Massnahmen nun konsequent umzusetzen sind.»

Heisst: Hediger muss schleunigst die Zügel anziehen. Denn die Klubchefs in Person von Heliane und Ancillo Canepa und von Lead Independent Director Claudio Cisullo, der den Krisengipfel initiierte, sollen dem Vernehmen nach bei einem Teil des FCZ-Kaders den Schlendrian verortet haben. Zu viele Spieler im von Ex-Sportchef Milos Malenovic zusammengestellten Team scherten sich nicht um das Wohlergehen des Klubs, so der Eindruck in der Teppichetage.

Hediger könnte bald härtere Töne anschlagen

Ob damit bald auch verbal andere Saiten aufgezogen werden? Während der jüngsten Niederlagenserie hatte sich Hediger immer wieder vor die Mannschaft gestellt, von Angelegenheiten auf «Augenhöhe» mit dem Gegner gesprochen – auch wenn davon in Tat und Wahrheit im Spiel wenig zu sehen gewesen war. «Es fühlt sich ungerecht an», sagte er etwa nach dem Servette-Spiel, der 12. Niederlage in seinem 20. Spiel als Profitrainer. «Schliesslich geben die Spieler immer vollen Einsatz.» Eine Analyse, die im Klub zuletzt nicht überall geteilt wurde.

Was zudem sportlich zu kritisieren ist: Das Team ist mit den taktischen Ideen des Coachs entweder überfordert oder nicht willens, sie umzusetzen. So ist nur Leader Thun im Pressing aggressiver als die Zürcher. Dummerweise erobert aber gleichzeitig kein Team pro Spiel weniger Bälle als Zürich und nur ein Team gewinnt weniger defensive Zweikämpfe. Vereinfacht ausgedrückt: Die Zürcher rennen auf die Gegner los, werden dann aber ausgespielt. «Die perfekte Mischung für ein Debakel», schrieb Blick vor einer Woche.

«Der FC Zürich handelt geschlossen und mit der notwendigen Entschlossenheit, um die sportliche Entwicklung kurzfristig zu stabilisieren und nachhaltig zu verbessern», heisst es im FCZ-Statement abschliessend. Die nächste Chance auf dem Platz bekommen die Zürcher am Samstag (18 Uhr) zu Hause gegen Thun.

Brack Super League 25/26
Mannschaft
SP
TD
PT
1
FC Thun
FC Thun
30
38
71
2
FC St. Gallen
FC St. Gallen
30
23
55
3
FC Lugano
FC Lugano
30
10
50
4
FC Basel
FC Basel
30
6
49
5
FC Sion
FC Sion
30
9
45
6
BSC Young Boys
BSC Young Boys
30
5
45
7
FC Luzern
FC Luzern
30
2
36
8
FC Lausanne-Sport
FC Lausanne-Sport
30
-4
36
9
Servette FC
Servette FC
30
-8
33
10
FC Zürich
FC Zürich
30
-17
31
11
Grasshopper Club Zürich
Grasshopper Club Zürich
30
-18
24
12
FC Winterthur
FC Winterthur
30
-46
19
Meisterschaftsrunde
Abstiegsrunde
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