Manch einer bei GC dürfte mit einer schlaflosen Nacht in die neue Woche gestartet sein. Acht Spieltage vor Schluss herrscht bei den Hoppers wieder Alarmstufe Dunkelrot. Fünf Punkte hat der FC Winterthur in den letzten drei Spielen gutgemacht. Weitere fünf Punkte beträgt der GC-Vorsprung noch auf den Tabellenletzten – mit zwei ausbleibenden Direktbegegnungen. Die Gefahr eines direkten Abstiegs für den Rekordmeister ist deutlich näher gerückt. GC kann sich nun endgültig nicht mehr auf dem Motto «Winterthur ist zum Glück noch schlechter» ausruhen. Kein Team hat in der Super League seit der Winterpause weniger Punkte geholt als GC.
Die sportliche Führung um Alain Sutter reagiert prompt und entlässt Trainer Gerald Scheiblehner am Montag. «Ich denke, dass wir gemeinsam durch die Saison gehen. Das haben wir am Anfang ja gesagt», sagte der Österreicher noch in Thun als Blick ihn auf die Rückendeckung seiner Vorgesetzten angesprochen hatte. Zwei Tage später ist der gemeinsame Weg zu Ende. Doch was sind die Gründe für sein Scheitern?
Die Statistiken des Horrors
Schaut man bei GC auf die nackten Zahlen, gibt es nicht viel, das Mut macht. Nur einmal hatte man in der Historie noch weniger Punkte nach 30 Spielen auf dem Konto als in dieser Saison. In der Abstiegssaison 2019 hatte man zum gleichen Zeitpunkt 23 Punkte – einen Punkt weniger als jetzt. Zudem zeigen die Statistiken der bisherigen Saison: Kein Klub in der Super League ist so harmlos wie die Grasshoppers. Egal ob beim Herausspielen von Grosschancen, bei der Torwahrscheinlichkeit der Abschlüsse oder beim Ballbesitz im gegnerischen Strafraum – überall liegt GC auf dem letzten Platz der Statistiktabelle. Gleichzeitig gehört die Defensive des Rekordmeisters zum unteren Tabellendrittel, wenn es ums Zulassen von Grosschancen geht. Eine brandgefährliche Mischung.
Kein Spieler wird besser
Zugegeben: Die Hochrisiko-Transferstrategie im vergangenen Sommer machte die Ausgangslage für Gerald Scheiblehner (49) nicht gerade einfach, wenn man die Qualität der Spieler betrachtet. Das ändert aber nichts daran, dass es eine Hauptaufgabe des Trainers wäre, die Spieler besser zu machen und sie idealerweise für lukrative Transfers fit zu machen. Die Tendenz ist aber eine andere: Die Formkurven sämtlicher Spieler zeigen nach unten. Ein Paradebeispiel ist Abwehrchef Abdoulaye Diaby (25). In der Hinrunde ein standhafter Anführer, Stammspieler am Afrika-Cup – zuletzt aber fast bei jedem Gegentor involviert. Noch schlimmer: Die Winter-Neuverpflichtungen, die mit vielen Vorschusslorbeeren und Investitionen zu GC gekommen sind, scheinen bereits von der negativen Entwicklung angesteckt worden zu sein.
Verlust der klaren Handschrift
Bei Gerald Scheiblehner wusste man zu Beginn stets, was man von ihm erwarten kann. Eine 3-4-3-Formation, Vollgas-Pressing und klare Anweisungen an die Spieler. Doch eine Sieglos-Serie von acht Spielen seit dem 6:2-Sieg gegen YB hat aus dem Überzeugungstäter einen Zauderer gemacht. Plötzlich wurde gepröbelt und umgestellt, und man lief sogar mal in einer ungewohnten Viererkette auf. Was die defensive Stabilität leicht verbessert hat, scheint zugleich die Spieler verunsichert zu haben. Nicht nur, weil die Erfolge ausbleiben. Sondern auch, weil sie verwirrt sind von Aufgaben, die weit über den einfachen Fussball hinausgehen, der in Krisenzeiten angesagt ist. Sie haben nicht nur unterschiedliche Aufgaben im Offensiv- und Defensivverhalten, zuletzt mussten Spieler gleich mehrfach innerhalb eines Spiels unterschiedliche Positionen ausfüllen. Neuzugang Sven Köhler spielt zu oft im Mittelfeld, dafür, dass er eigentlich der bessere Innenverteidiger wäre. Verteidiger Dirk Abels ist neuerdings Mittelfeldspieler. Dafür durfte Mittelfeldakteur Tim Meyer zuletzt auch mal als Zehner ran. Neuling El Bachir Ngom wurde schon als Aussen- und Innenverteidiger aufgestellt, und Rookie Samuel Krasniqi war allein in den letzten fünf Spielen als Linksverteidiger, linker Flügel, Rechtsverteidiger und zentraler Mittelfeldspieler unterwegs.
Der Asp-Jensen-Faktor
Jonathan Asp Jensen (20) ist ohne Zweifel der Unterschiedsspieler bei GC. Der Marktwert der Bayern-Leihgabe hat sich seit der Ankunft in Zürich fast verdreifacht. 12 Scorerpunkte hat «Johnny» auf dem Konto – aber auch bereits 30 Pflichtspieleinsätze in seiner ersten Profisaison und allesamt in der Startelf. Wenig überraschend verlor der junge Däne zuletzt seine Magie, wirkte müde und überspielt. Doch statt einer richtigen Pause kassierte das Toptalent zweimal eine Quittung von Trainer Scheiblehner. Beim Spiel gegen Lausanne-Sport letzte Woche wechselte er seinen Schützling nach 45 Minuten aus, eine Woche zuvor war gar schon nach 30 Minuten Feierabend. Ob diese Massnahmen den jungen Offensivkünstler zur Hochform antreiben? Mehr als fraglich. Und gleichzeitig ist klar, dass der 20-Jährige schon in wenigen Monaten auf anderen Flughöhen unterwegs sein wird als im Super-League-Tabellenkeller. Vereine aus der Bundesliga und aus Belgien sollen am Dänen interessiert sein, der noch bis Sommer 2028 Vertrag bei Bayern hat. Es wäre nur menschlich, wenn er darob den Fokus im Abstiegskampf velieren würde.
Mannschaft | SP | TD | PT | ||
|---|---|---|---|---|---|
1 | FC Thun | 30 | 38 | 71 | |
2 | FC St. Gallen | 29 | 23 | 54 | |
3 | FC Lugano | 29 | 10 | 49 | |
4 | FC Basel | 30 | 6 | 49 | |
5 | FC Sion | 30 | 9 | 45 | |
6 | BSC Young Boys | 30 | 5 | 45 | |
7 | FC Luzern | 30 | 2 | 36 | |
8 | FC Lausanne-Sport | 30 | -4 | 36 | |
9 | Servette FC | 30 | -8 | 33 | |
10 | FC Zürich | 30 | -17 | 31 | |
11 | Grasshopper Club Zürich | 30 | -18 | 24 | |
12 | FC Winterthur | 30 | -46 | 19 |
