Der neue CC-Plan
«So bringen wir schon im Juli 3000 Fans ins Stadion»

Einerseits droht Sion-Präsident Christian Constantin damit, eine Geisterspiel-Saison zum Einsturz zu bringen. Andererseits präsentiert er eine revolutionäre Lösung für den Schweizer Profi-Fussball.
Publiziert: 07.05.2020 um 01:58 Uhr
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Aktualisiert: 08.05.2020 um 18:04 Uhr
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Christian Constantin hält nichts von Geisterspielen.
Alain Kunz

BLICK: Christian Constantin, warum wollen Sie unseren Profi-Fussball sabotieren?

Christian Constantin: Sabotieren? Ich? Warum?

Weil Sie sich vehement gegen eine Fortsetzung der Saison mit Geisterspielen wehren.

Aber das ist doch eine rein wirtschaftliche Frage. Wir verlieren mit Geisterspielen Geld. Zudem ist es eine furchtbare Sache ohne Fans zu spielen.

Sie würden niemals so argumentieren, wenn Sion mit zehn Punkten Vorsprung an der Spitze stünde.

Ich würde genau dasselbe sagen, wenn ich tausend Punkte Vorsprung hätte! Ich bin gegen alles, was ein Unternehmen in den Konkurs treibt.

Aber es gibt doch keine Alternative. Geisterspiele – oder gar nichts mehr bis im September.

Denken Sie?

Ja, denke ich.

Ich sehe das komplett anders. Es gibt eine Alternative.

Und die wäre?

Die alte Saison vergessen, das ist klar. Und mit der neuen bereits Anfang Juli beginnen. Mit zwölf Teams. Das ist mein Plan, den ich den Klubs und der Liga nun vorstelle.

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Wie soll denn das gehen, schon mit der neuen Saison zu beginnen, während wir im Fall von Geisterspielen noch mitten in der alten wären?

Aber die aktuelle Saison können wir nicht beenden.

Warum?

Weil wir dazu die Spielerverträge, die per Ende Juni auslaufen, verlängern müssten. Denn das kann die Fifa nicht einfach befehlen oder regulieren. Es würde zu Klagen kommen.

Weswegen?

Weil eine Verlängerung das Wettbewerbsrecht verletzen würde. Die Chancengleichheit wäre nicht mehr gewährleistet, weil einige Klubs mehr auslaufende Verträge haben als andere. Die Verletzung findet ausschliesslich deswegen statt, weil über den 30. Juni hinaus gespielt wird. Der Wettbewerb wird verfälscht, wenn dessen Regeln in seinem Verlauf geändert werden. Das ist wie bei einem Autorennen, das über 60 Runden gehen sollte, man aber während des Rennens entscheidet, doch 70 Runden zu fahren. Ein Auto, das Benzin für 60 Runden tankt, muss sich darauf verlassen können, dass auch nur 60 gefahren werden. Was denken Sie, warum will die Bundesliga die Saison unter allen Umständen bis Ende Juni beendet haben? Genau deswegen. Und wenn nun jemand klagt, müsste jedes Gericht die Fortführung der Meisterschaft mit einer superprovisorischen Verfügung verhindern.

Wer ist «jemand»? Wohl der FC Sion? Sie?

Ich würde klagen.

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Sie erpressen also die Liga.

Das ist doch keine Erpressung! Es wird so oder so passieren, dass jemand klagt. Ob wir das sind oder ein anderer. Die einzige Möglichkeit, das zu verhindern, ist, dass alle zwanzig Klubs ihr Okay geben die Meisterschaft fortzusetzen und auf Klagen zu verzichten.

Sie werden das nicht tun.

Nein, weil Geisterspiele eine dumme Idee sind und ich der tiefen Überzeugung bin, dass mein Vorschlag die gerechteste und beste Lösung ist.

Dann los.

Also: Am Montag nehmen wir die Trainings auf. Sobald die Klubs der Swiss Football League zugestimmt haben, können wir loslegen mit der Planung der neuen Saison. Das ist schon mal ein ganz wichtiger Punkt. Man hätte sofort Planungssicherheit. Die gäbe es mit der Fortsetzung der alten Saison nicht. Ab 8. Juni könnten wir mit Testspielen loslegen. Und Anfang Juli mit der Meisterschaft starten. Und das MIT Zuschauern.

Aber Veranstaltungen mit über 1000 Personen sind bis Ende August verboten!

Da muss man Fantasie entwickeln. Wir wollen doch, dass wieder ein bisschen Leben auf die Welt zurückkehrt. Im Moment ist alles trist. Also brauchen wir auch in den Stadien ein bisschen Leben. Mit einer limitierten Zahl an Zuschauern, welche alle die Abstands- und Hygieneregeln einhalten können.

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Wie denn das?

Jeder der vier Tribünenteile wird gesondert angeschaut und auch betreten. Im Tourbillon wäre es so, dass pro Seitentribüne maximal 1000 Zuschauer zugelassen wären. Hinter den Toren jeweils maximal 500. Die Kapazität läge also bei 3000 statt 12'000 Zuschauern. Es gäbe nur noch Sitzplätze. Und ins Stadion dürften nur Abonnenten, also auch keine Auswärtsfans. Man würde also jeden einzelnen Besucher kennen und könnte so eine Infizierung rückverfolgen. Auf den Tribünen würden die Abstandsregeln analog eines Restaurants eingehalten. Und beim Eingang ins Stadion kann jeder die Hände desinfizieren und auf Wunsch eine Maske kaufen.

Beim Zugang ins Stadion müssten die Abstandsregeln auch eingehalten werden. Das würde doch zu ellenlangen Schlangen führen.

Wegen der massiv eingeschränkten Kapazität wäre dieses Problem gut lösbar.

Nicht lösbar ist aber, dass sie das politisch niemals durchbringen können.

Warum nicht? Ich habe einen guten Draht zu Matthias Remund, dem Direktor des Bundesamts für Sport. Er müsste das gutheissen und durchbringen. Ich sehe nicht ein, weshalb Museumsbesuche nun wieder möglich sind, der Besuch eines Fussballspiels mit gleichen Regeln aber nicht.

Was wären die Vorteile?

Es gäbe viele. Die Kosten würden gesenkt, weil es praktisch kein Polizeiaufgebot mehr bräuchte, weil man weder Gästefans noch Hooligans im Stadion hätte. Und man würde ein bisschen Zuschauereinnahmen generieren.

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Wie lange würde so gespielt?

Bis wieder die totale Normalität einkehrt. Und das wird erst dann der Fall sein, wenn wir einen Impfstoff gegen das Virus haben.

Und danach?

Würde der Verkauf der restlichen Tickets wieder starten. Die Stadien könnten wieder normal gefüllt werden.

Wer ist Meister, wenn die Saison abgebrochen wird?

Wenn in der Vergangenheit ein Klub im Frühling aus dem Wettbewerb genommen wurde, zum Beispiel weil er konkurs ging, sind die bis Ende Jahr erzielten Punkte nicht angetastet worden. Das müsste in Analogie auch hier der Fall sein. Denn bis dann haben alle gegen alle zwei Mal gespielt. YB wäre Meister und spielte die Champions-League-Quali. Basel, St. Gallen und Zürich wären in der Europa League, weil der Cup erst wieder später aufgenommen würde.

Wann?

Im Herbst. Dann würden die Viertel- und Halbfinals steigen. Den Final könnte man zum Beispiel an Weihnachten spielen.

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Aber das wäre doch auch ein Verstoss gegen das Wettbewerbsrecht, denn die Kader wären andere als in der Saison, in welcher der Cup gestartet wurde?

Und was wäre diese Saison, wenn Promotion-League-Klubs nicht mal trainieren dürfen? Viertelfinalist Bavois ist auch für dieses Modell. Es müssten alle einverstanden sein, logisch. Abgesehen davon, würde der Cup im Kalenderjahr 2020 zu Ende gespielt. Im Reglement steht nirgends, dass das nicht erst Ende Jahr sein darf. Der einzige kleine Nachteil: Der Cupsieger wäre nicht für den Europacup qualifiziert.

Zurück zur Meisterschaft: Wer würde aus der Challenge League aufsteigen?

Lausanne und GC, die in der Winterpause vorn waren.

Vaduz, das aktuell Zweiter ist, hat bereits mit einer Klage gedroht.

Ich bin sicher, dass unsere liechtensteinischen Freunde, die in der SFL Gast sind, niemals klagen würden…

Hat Ihr Plan eine Chance an der zu erwartenden ausserordentlichen Generalversammlung nächste Woche?

Die Abstimmung der Aufstockung der Liga endete im April unentschieden. Für meinen Plan brauchts eine einfache Mehrheit, also elf Stimmen. Und Lugano war damals gegen eine Zwölferliga, unterstützt unsere Idee aber eins zu eins.

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Wissen Sie, was der grosse Nachteil des Plans ist?

Nein.

Dass er von Ihnen kommt…

Wenn einer so denkt, mangelt es ihm an geistiger Dimension. Was zählt, ist doch nur die Sache.

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