«David ist sehr impulsiv»
Heiko Vogel blickt auf seine Zeit beim FC Basel zurück

Ende Oktober wurde Heiko Vogel beim FC Basel entlassen. Seither zog sich der Ex-Sportdirektor und -Interimstrainer aus der Öffentlichkeit zurück. Jetzt hat er sich erstmals über seine Zeit in Basel zu Wort gemeldet – und blickt durchaus kritisch zurück.
Publiziert: 18.01.2024 um 11:32 Uhr
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Aktualisiert: 18.01.2024 um 12:52 Uhr
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Heiko Vogel blickt drei Monate nach der Entlassung als Interimstrainer auf seine Zeit beim FC Basel zurück.
Noah Merz

Fast drei Monate ist es her, dass der FC Basel Interimstrainer Heiko Vogel vor die Tür gesetzt hat. Letztlich kosteten vier Niederlagen in Folge mit einem Torverhältnis von 0:10 den Deutschen den Job. Überraschend kam das Aus am Ende nicht mehr. Denn die Rückkehr von Vogel im Januar 2023 – elf Jahre nach seinem ersten Engagement am Rheinknie – war da längst als ein einziges Missverständnis entlarvt.

Kaum im Amt fliegt der Trainer

Gegenüber dem Portal «Spox» spricht Vogel nun über seine zweite Zeit beim FCB: «Ich bin in einen anderen Verein gekommen. Personen und Strukturen haben sich verändert, die Finanzkraft hat nachgelassen. Dennoch ist und bleibt der FC Basel die Nummer eins in der Schweiz. Vielleicht nicht mehr sportlich, aber in Sachen Strahlkraft und Medienpräsenz.»

Ursprünglich sei er als Bindeglied zwischen dem damaligen Trainer Alex Frei und Präsident David Degen angestellt worden. Stattdessen habe er aber sogleich den neu geschaffenen Posten des Sportdirektors übernommen. Drei Wochen später entliess er Frei, den Mann, der ihn beim Verein überhaupt wieder ins Gespräch gebracht hatte. «Relativ schnell wurde klar, dass es keine Chance gibt, Alex zu schützen», sagt Vogel dazu.

«Es gab keine Datenbank mit interessanten Spielern»Heiko Vogel über die schwierige Transferphase beim FCB

Die Situation sei zu zerfahren gewesen, begründet Vogel die Entlassung. Damals befanden sich die Bebbi nach 19 Spieltagen auf dem siebten Tabellenrang. Als Nachfolger auf dem Trainerstuhl sprang Vogel, Ex-Nachwuchstrainer beim FC Bayern München, gleich selbst ein. Daneben arbeitete er weiter als Sportdirektor.

Keine einfache Angelegenheit. Umso dankbarer sei er deshalb den Spielern. «Sie waren immer kooperativ, sodass ich beide Ämter bestmöglich bedienen konnte. Anfänglich war es nicht angedacht, derart lange als Interimstrainer zu arbeiten. Wir hatten sehr bald schon Kontakt mit einem Kandidaten, der aber erst ab Sommer verfügbar war», sagt Vogel.

Opfer des eigenen Erfolgs

Deshalb habe er es durchgezogen, doch schliesslich hat sich diese Option zerschlagen – weshalb er nebenbei einen Trainer gesucht und die Transferphase geplant habe. Weiter fügt Vogel an: «Das war schwierig, weil die Scouting-Abteilung stark ausbaufähig war. Es gab beispielsweise keine Datenbank mit interessanten Spielern.»

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Im Endeffekt reichte der Kader trotzdem, um sich noch zwei Plätze in der Tabelle zu verbessern. Auf europäischer Bühne setzte man mit dem Erreichen des Conference-League-Halbfinals gar zum Höhenflug an, womit der FCB allerdings Opfer seines eigenen Erfolgs geworden ist. Derweil konnten sich dabei viele Spieler in die Einkaufslisten diverser europäischer Topklubs eintragen.

Insgesamt 22 Spieler verliessen Ende Saison den Verein. Im Sommer wurde dann Timo Schulz als neuer Trainer des FC Basel vorgestellt. Zugleich fungierte Vogel als Sportdirektor. Die Suche nach gleichwertigem Ersatz für die abgewanderten Spieler stellte sich als grosse Herausforderung heraus.

Letztes Interview mit Blick: Vogel: «Es fehlt mir die letzte Galligkeit»(04:10)

«Mit einem unfertigen Kader sind wir in der Conference-League-Quali an Tobol Kostanay aus Kasachstan gescheitert, was aber auch mit dem verfügbaren Spielermaterial niemals hätte passieren dürfen. Dann sind wir leider in eine Abwärtsspirale geraten», erinnert sich Vogel zurück.

Saudi-Arabien als nächstes Ziel

Knapp drei Monate später war Schulz dann auch schon wieder weg. Erneut sprang Vogel als Trainer in die Bresche. Bis er schliesslich, nachdem der FCB das Schlusslicht in der Liga bildete, keinen Rückhalt in den Chefetagen mehr genoss – er wurde entlassen.

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Regelmässiger Begleiter an seiner Seite war in dieser Zeit David Degen. «Wir hatten eine professionelle Zusammenarbeit. David ist sehr impulsiv. Manchmal ist er mit dieser Art ein Beschleuniger, manchmal ist es nicht so förderlich. Als Präsident ist er am operativen Geschäft sehr interessiert und auch bei der Mannschaft präsent», sagt Vogel über Degen.

Nun ist das Kapitel in Basel für ihn vorerst geschlossen. Aktuell halte er aber die Augen nach einer neuen Herausforderung offen. Er sei auch – solange das Projekt ihn triggere – offen für ein Engagement in Saudi-Arabien oder den USA. In einer Doppelrolle sehe er sich nicht mehr. Da sei er über dem Limit gewesen.

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